MEININGERS WEINWELT (01/2014): Blaufränkisch und Lemberger

In Württemberg zum Großen Gewächs aufgestiegen, in Österreich auf breiter Front als Top-Rebsorte etabliert: Blaufränkisch und Lemberger stehen vor einer großen Karriere. Hier exemplarische Beispiele.
 
 
Dieselbe Rebsorte, zwei Namen, zwei Länder: Ein Match Deutschland gegen Österreich sollte es aber nicht werden. Das überlassen wir lieber den Fußballern. Zudem hätten wir sämtliche Nationalspieler aufs Feld schicken müssen. In der Verkostung von rund 150 Proben traten zwar viele Stammspieler an, aber ganz komplett waren die Teams nicht. So fehlten vor allem aus Württemberg ein paar Große Gewächse, allen voran Graf Neipperg (Schlossberg!) und Wöhrwag (Kreidenstein) oder der „Bergmandel“ Lämmler von Schnaitmann oder Aldinger. Alles drei-Sterne-Weine.
 
Übrigens ist Lemberger auch aus Baden als Großes Gewächs möglich (nur Kraichgau und Badische Bergstraße). Bei den ehrgeizigsten deutschen Lembergern spielt der Barrique-Ausbau immer noch eine große Rolle, doch mehr und mehr wird die Aromatik subtiler. So fielen bei der Verkostung oft so Attribute wie „balsamisch“, „schwarzer Tee“, „Holunder“ oder „Pfeffer“ und nicht nur Beschreibungen von Röstnoten. Eine klare Stildefinition konnten wir allerdings noch nicht herausfinden. Die Österreicher scheinen da schon etwas weiter zu sein. Der Blaufränkisch hat sich im letzten Jahrzehnt endgültig als die große Rotweinsorte Österreichs etabliert. So wie Sangiovese in der Toskana oder Tempranillo in weiten Teilen Spaniens. Die Erfolgsgeschichte ist noch relativ jung. Alles fing an mit dem Blaufränkisch Mariental 1986, Österreichs erster Rotwein von Weltklasse-Format.
 
Ende der 90er ging mit den großen Rotweinjahrgängen 1997 und 1999 der eigentliche Boom los. Damals glaubten die meisten Winzer jedoch noch, sich mit international gestylten Weinen beweisen zu müssen. Soll heißen: viel Alkohol, süße Frucht, viel neues Holz. Die Zeiten sind heute längst vorbei. Spätestens mit Einführung der terroirbasierten Herkunftsbezeichnungen Mittelburgenland, Leithaberg und Eisenberg, in allen drei Fällen handelt es sich um Blaufränkisch-Weine, rückte der Gebietscharakter in den Vordergrund. Und plötzlich zeigte sich, wie viel Finesse, Eleganz und Eigenständigkeit der Blaufränkisch besitzt. Mit der kleinen Blaufränkisch-Hochburg rund um den Spitzerberg in Carnuntum gesellte sich zuletzt auch ein niederösterreichisches Anbaugebiet zu diesem erlauchten Kreis der großen Blaufränkisch-Terroirs.
 
Michael Hornickel
Sascha Speicher
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