MEININGERs WEINWELT (06/2007): Weiße Steillagen Weine

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Beschwerlich und kostenintensiv, dafür mineralisch und individuell: Steillagen-Gewächse können die Leckerbissen im technischen Einheitsbrei sein. An praktisch allen Flüssen mit Weinbau gibt es Hanglagen, allen voran natürlich an der Mosel, aber auch an Ahr und Rhein (Mittelrhein, nördlicher Rheingau, Elsass), an Main und Tauber, etwas südlicher am Neckar, an der Donau (Wachau), der Rhône (Condrieu, Côte Rôtie, Hermitage in Frankreich, Wallis und Waadt in der Schweiz), dem Douro, dem Aosta Tal und vielen mehr. Der Bremmer Calmont gilt als die steilste (bis zu 65°; 45° = 100 %!), der Olgaberg in der Nähe des Bodensees als die höchste (in Deutschland, 520 Meter über NN), Château Grillet als die seltenste, der Scharzhofberg als die teuerste, das Cannstatter Zuckerle als die ordentlichste (ein gerades Raster aus Trockenmauern) und auf Madeira gibt es die unzugänglichsten Hanglagen. Die Hangneigung muss über 30 Prozent betragen, so unsere Ausschreibung. Denn dieser Hang gilt als Steilhang bzw. Steillage – und das nicht nur im Weinbau. Da man üblicherweise keinen Winkelmesser mit sich führt, kann man sich getrost an die Definition der Alpinisten halten. Die sehen einen Steilhang gegeben, wenn ein normal gewichtiger Mensch bei Pulverschnee nicht mehr geradeaus den Berg hoch kommt, sondern durch das Zurückrutschen im Schnee dazu gezwungen wird, ihn in Spitzkehren zu bewältigen. Wichtigstes weinbauliches Kriterium dürfte sein, dass Steillagen nicht mehr mit radgetriebenen Traktoren bearbeitet werden können, was wesentlich zu den immens höheren Bewirtschaftungskosten führt. Wir wählten für unsere Verkostung nur Weißweine (trocken und halbtrocken, 2005 und 2006), auch wenn natürlich spannende Rotweine angebaut werden, wie an Ahr oder Neckar. Über 350 weiße Gewächse kamen zusammen, allein 185 von der Mosel, von denen rund 100 überdurchschnittliche Bewertungen einheimsen konnten. Hier sind wir nah an Mineralität, am Terroir und da die Weinbergsarbeit ohnehin so viel Mühe macht, sind wir oft ganz nah an Spontangär-Weinen, womit das Angebot gänzlich individuell wird, wenn auch nicht immer geglückt. Doch die Besten von der Mosel bieten einzigartige Subtilität und eine unvergleichlich mineralische Tiefe, wie sie sonst auf der Welt kaum zu finden ist. Die Franken glänzten ebenfalls, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Acht weitere deutsche Anbaugebiete lieferten geglückte Beispiele, die wir noch durch ein paar kühl schillernde internationale Gewächse ergänzten – und auf den folgenden Seiten wärmstens empfehlen.
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