Kräuter- und Bitterlikör

Kräuter und Bitter werden schon seit Jahrhunderten als Heil- und Genussmittel geschätzt (Foto: Oxana Denezhkina/ Adobe Stock)
Kräuter und Bitter werden schon seit Jahrhunderten als Heil- und Genussmittel geschätzt (Foto: Oxana Denezhkina/ Adobe Stock)

Im Gegensatz zum „Bitter“ ist der Begriff „Kräuterlikör“ in der Spirituosenverordnung nicht explizit definiert – die Grenzen zwischen beiden Kategorien sind daher fließend und erschließen sich nicht immer auf den ersten Blick. Ein Likör muss grundlegend 15 %vol. Mindestalkoholgehalt und – bis auf wenige Ausnahmen – einen Zuckergehalt von 100 g/l aufweisen. Kräuterliköre haben eine Jahrhunderte lange und regional differenzierte Tradition und wurden bereits im Mittelalter vor allem in Klöstern als Heilmittel hergestellt. Die Wirksamkeit von Heilpflanzen ist in der Kultur des Menschen bereits schon viele Jahrhunderte früher, mindestens seit der Antike, verbrieft – Alkohol als potentes Lösungs- und Konservierungsmittel trat jedoch erst mit der Verbreitung der Destillationstechnik im 13. Jahrhundert auf den Plan.

Spirituosen mit Bittergeschmack

Bitter sind Spirituosen mit vorherrschend bitterem Geschmack. Grundlage ist Ethylalkohol, der mit natürlichen und/oder naturidentischen Aromen aromatisiert wird. Der Mindestalkoholgehalt beträgt laut EU-Spirituosenverordnung 15 %vol. Als Zutaten werden u.a. Kräuter, Früchte, Beeren, Blüten, Samen und Rinden verwendet. Die Erzeugnisse unterscheiden sich in der Vielfalt der Geschmacksnoten und bezüglich des Herstellungsverfahrens. In Deutschland sind die Bitterspirituosen fast so vielfältig wie die Regionen, in denen sie im Laufe der Jahrhunderte in großer Zahl und unterschiedlichstem Charakter entstanden. Halbbitter oder Kräuterliköre (z.B. Jägermeister) unterscheiden sich geschmacklich vor allem durch ihren hohen Zuckergehalt (mind. 100 g/l) von den Bitterspirituosen (wie etwa dem Klassiker Underberg). Eine große Auswahl an (Halb-)Bitterspirituosen hat auch Italien schon traditionell zu bieten. Man unterscheidet hier zwischen den hochprozentigen Amari mit einem Alkoholgehalt von bis zu 40 %vol. und den leichten (roten) Bitter-Aperitifs, die im Allgemeinen zwischen 16 und 26 %vol. liegen (wie Campari oder Aperol). In Frankreich spricht man meist von Amer (z.B. Picon). Ost- und Mitteleuropa hat ebenfalls eine ausgeprägte Kräuterbitter-Tradition (z.B. Becherovka in Tschechien oder Unicum in Ungarn).

Abgrenzung zum Aperitif und Cocktailbitters

Eine weitere fließende Grenze besteht zur Kategorie der „Aperitif“-Spirituosen bzw. -liköre. Auch diese sind in der Spirituosenverordnung nicht explizit definiert, der Begriff wird daher – mitunter aus Marketinggründen – auch für Kräuter- und Bitterspirituosen verwendet. Die Aperitif-Kategorie ist jedoch breiter gefasst und beinhaltet auch Produkte auf Weinbasis (Weinaperitif) oder Spirituosen ohne Kräuter/Bitter-Aromatik; oftmals liegt der Alkoholgehalt bei 15 – 20 %vol. und damit niedriger als bei den meisten Kräuter- und Bitterlikören.

Eine weitere Besonderheit sind sogenannte „Cocktailbitters“ (z.B. Angostura oder Peychauds), die im Grunde genommen sehr stark konzentrierte Bitterspirituosen darstellen, die in Cocktailrezepten meist nur in wenigen Tropfen zum Einsatz kommen. Ihre Aufgabe ist in gewisser Weise vergleichbar mit Gewürzen in der Küche, die zum Abrunden diverser Gerichte dienen. In der Regel werden Cocktailbitters in kleinen Tropf- oder Spritzer-Flaschen zu 100 oder 200 ml angeboten.

 

Die Semper idem Underberg AG durchlief in den vergangenen 3 Jahren eine Metamorphose. Vorstandssprecher Michael Söhlke und Vorstandsmitglied Thomas Mempel zeigen anhand der Stammmarke, warum deren Zukunft nicht nur vom Produkt her plötzlich grün ist.

Amaro Montenegro gibt den Startschuss zum diesjährigen The Vero Bartender unter dem Motto "90s calling". Barkeeper aus der ganzen Welt können sich bis zum 27. November 2023 mit ihrem Cocktailrezept bewerben. Als Preis winkt u.a. eine Reise zum Bar Convent Brooklyn.

Advertorial | Der aus über vierzig Kräutern destillierte Unicum ist einer der ältesten Kräuterliköre Europas. Die geheime Rezeptur ist seit 1790 unverändert und auch nach sechs Generationen immer noch im Besitz der Familie Zwack. 

Advertorial | Manifest ist der erste Super-Premium-Kräuterlikör. Basierend auf der jahrzehntelangen Erfahrung seiner Destillateur-Meister ist es Jägermeister als weltweit erstem Spirituosen-Hersteller gelungen, diese Kategorie im Bereich der Kräuterliköre zu erschließen.

Der Spirituosenexperte Jürgen Deibel über die Historie der Käuter und Bitter und was sie uns heute noch zu sagen haben.

Kräuter-, Bitter- und Halbbitterliköre oder -spirituosen sind eine feststehende Getränkekategorie, eine europäische Besonderheit und unschlagbar in der Beliebtheitsskala der Liköre an sich. Doch was macht sie zu dieser teils bitteren Angelegenheit, aber genussvollen Angewohnheit?

Vor Jahrhunderten wurden Kräuterliköre aus den klösterlichen Gärten aus Haltbarkeitsgründen in dunkle, weniger lichtdurchlässige Flaschen gefüllt. Aufgrund technischen Fortschritts ist das heute nicht mehr notwendig. Die Flakons sind dennoch wesentliche Bestandteile einer Marke – unverwechselbar ikonisch oder auch ganz ungewöhnlich.  

Die Mast-Jägermeister SE hat nach eigenen Angaben Berndt Kodden zum November 2023 in den Vorstand des global agierenden Spirituosenherstellers berufen. Er soll auf Denis Schrey folgen, der das Familienunternehmen laut Jägermeister nach 12 Jahren Ende 2024 auf eigenen Wunsch verlassen wird.

Die Attraktivität der Spirituosenkategorie bleibt ungebrochen, ist sie doch an Facettenreichtum und ebenso vielfältigen Verzehranlässen kaum zu übertreffen. Zum Jahresende sollen wieder saisonale Varianten ins Rampenlicht gerückt werden, melden verschiedene Likör-Hersteller.