Die 5 Top-Trends rund um Gin (Illu: MoreVector / stock.adobe.com)
Die 5 Top-Trends rund um Gin (Illu: MoreVector / stock.adobe.com)

World of Gin - die 5 Top-Trends

Ein Spirituosensegment erfindet sich neu und startet mit veränderter DNA in die Zukunft durch. Das sind die 5 Top-Trends, die die Gin-Branche bewegen.

Text: Peter Jauch

Nach zwei Pandemie-Jahren heißt es für die Eigentümer von Gin-Marken endlich: jetzt geht’s wieder los. Die neue Realität bedeutet für viele Marken-Owner, endlich wieder oder erstmalig in der Gastronomie anzukommen. In den letzten zwei Jahren haben viele außerhalb der Gastronomie ein rentables Vertriebsnetz aufgebaut, wobei die großen Marken hier eher im Vorteil waren. Jetzt sind die Gäste wieder zurück in der Gastronomie und die To Do’s, die bei vielen vor der Pandemie anstanden, rücken auf der Liste wieder nach oben. Wenn man mit den Gastronomen in den großen Städten spricht, streichen diese Gin-Produkte derzeit eher von der Karte. Ein klassischer Zielkonflikt zeichnet sich ab.Was bedeutet es für die Gin-Hersteller, dass Konsumenten nach und nach weniger Alkohol im Glas haben wollen? Dies spielt sicherlich der Aperitif-Kategorie in die Karten. Was tun aber die Hersteller? Schauen wir auf die aktuellen 5 Gin-Trends, die auszumachen sind. 

#1Weniger Alkohol

Im letzten Jahr brachte Beefeater eine Light Variante mit 20 % vol. auf den spanischen Markt. Natürlich ist das Produkt so kein klassischer Gin mehr, denn der benötigt mindestens 37,5 % vol. Alkohol in der Flasche, aber trotzdem ist es spannend, wohin sich klassische Gin-Hersteller entwickeln. War die Light-Variante 2021 nur in Spanien erhältlich, ist das Produkt inzwischen auch über Online-Händler in Deutschland und der Schweiz zu bekommen. 

Vor ein paar Wochen lancierten die Rheinland Distillers ihre ersten zwei Easy-Produkte mit jeweils 20 % vol., die zwar ebenfalls nicht als Gin beworben werden dürfen, aber mit den Sorten "Classic Dry" und "Juicy Berry" angesagte Gin-Aromatik bedienen. Die beiden Gründer sind immer ganz weit vorn, wenn es darum geht, Trends zu generieren, schließlich waren sie die ersten mit dem „alkoholfreien Gin“. Und wie bereits letztes Jahr in der fizzz 12/21 geschrieben, wird dieser Trend sicher bestehen bleiben. Die Halbierung des Alkoholgehalts ist einfacher zu kommunizieren als das Konzept eines Small Gins von Hayman’s z.B. Bei diesem wurden überproportional viele Botanicals mitdestilliert, so dass man nur einen Fingerhut voll benötigt, um einen geschmacklich „normalen“ Gin Tonic zu mixen. Der Alkoholanteil im Glas ist dann um 80% reduziert gegenüber einem klassischen Gin Tonic – geschmacklich kann er aber definitiv mithalten. 

Der Vorteil bei Light- gegenüber alkoholfreien Varianten ist, dass sie kein MHD-Datum benötigen.

#2Zitrus-Aromen à gogo

Alle mögen Zitrus-Frucht-Aromen – die einzige Frage ist, ab wann ist es zu viel? Hier ist die Antwort genauso individuell, wie wir Menschen es sind. Seit die legale Herstellung von Gin erlaubt ist, sind Zitrusfrüchte fester Bestandteil der Rezepturen des Wacholder-Geistes. Wacholder harmoniert geschmacklich wunderbar mit den frischen Noten unterschiedlicher Zitrusfrüchte. 

Seit sich Malfy mit ihrem „con Limone“ erfolgreich auf dem Gin-Globus positionierte, kommen viele Nachahmer auf den Plan. So veröffentlichten vor ein paar Wochen Tastillery ihren Yuzilla-Gin und Bombay den Citron Pressé. Seit einigen Jahren ist Tastillery nun im Geschäft und hat seither viele Bestellungen – oft Gin – verpackt.  Es fiel auf, dass besonders häufig zitruslastige Gins bestellt wurden. Warum also nicht einen eigenen Gin mit diesem Geschmacksbild lancieren? Gesagt, getan. 

Auch in diesem Sommer wurde von Bombay die Pressé-Variante mit 37,5 vol.% lanciert. Der Pressé ist eine Hommage an den Tom Collins, einen der ersten Gin Cocktails.

Der moderne Gin-Hype verliert nach wie vor kaum an Dynamik und hat uns eine unvorhergesehene Vielfalt an Mix-Möglichkeiten rund um den Wacholder beschert. Doch auch vor über hundert Jahren hat Gin an der Bar bereits die Hauptrolle gespielt. Wir präsentieren drei Gin-Drinks, die nichts von ihrem alten Glanz verloren haben.

 

#3Das Segment der Gin-Liköre wächst

Ein paar Hersteller haben schon vor einem Jahr ihre Interpretationen von weniger Alkohol mit über 100 Gramm Zucker/Liter angereichert und Gin-Liköre auf den Markt gebracht. Nicht ganz unumstritten… Es ist in der Tat so: sobald Gin auf der Flasche steht, verkauft sich ein Produkt in der Regel gut. Und wenn eben „Gin-Likör“ darauf steht, ist dies verkaufsfördernd. 

Wobei, gibt es den Gin-Likör überhaupt? In der europäischen Spirituosen-Verordnung findet man den Sloe Gin, einen Schlehenlikör auf Ginbasis. Diesen darf man als Gin-Likör bezeichnen – eigentlich als einzige Ausnahme. Bei vielen anderen Varianten dürfte eigentlich der Begriff Gin nicht mit auf der Flasche stehen, denn Gin hat per Definition einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 vol.%. 

Im hippen Kölner Bezirk Ehrenfeld betreibt Marcos Rivas die einzige Gin-Bar der Stadt. Seit 2016 bietet er seinen Gästen im The Bär neben über 300 Gin-Produkten auch viele Eigenkreationen an. Wir wollten von ihm wissen, wie sein Publikum Gin Tonics und -Cocktails genießt.

#4Alkoholfreie Varianten, neue Marktteilnehmer

Seedlip und vor allem die Rheinland Distillers mit ihrem Wonderleaf waren Vorreiter im alkoholfreien Gin-Segment. Viele neue Marken, die in den letzten zwei, drei Jahren auf den Markt gekommen sind, beginnen nun ebenfalls mit alkoholfreien Produkten. Bisher gelingt das kaum einem Anbieter so richtig, denn die Wacholder-Aromen lösen sich schwer in Wasser. Um dem Ergebnis Pfiff zu verleihen, werden Pfeffer, Chili oder Ingwer eingearbeitet und hallen beim Abgang nach. Für den puren Genuss sind sie weniger geeignet. Sie können ihre Stärken aber v.a. in Cocktails ausspielen. Mit den meisten Gin-Alternativen lassen sich wunderbare Gimlet-Twists oder Smash-Varianten ins Glas zaubern. 

Die Produkte ohne Umdrehungen stammen oft von neuen Unternehmern, die zuvor nichts mit dem klassischen Spirits-Business zu tun hatten. Und Investoren glauben an diesen Business Case: erst vor Kurzem hat das erste schweizerische alkoholfreie Unternehmen Rebels 0,0% eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Damit wird u.a. die Expansion nach Europa finanziert. Man darf gespannt sein, wie es in diesem Bereich weitergeht. Schließlich sind alkoholfreie Bitter-Varianten und Wermuts bereits sehr aromatisch und oft zu einem interessanten Preis – nicht nur für die Gastro – erhältlich. 

Advertorial | Nach über 200 Jahren kreiert Tobermory, die einzige Whisky-Destillerie der Isle of Mull, einen Gin, der von der atemberaubenden schottischen Natur inspiriert wurde. Das Geheimnis: handwerkliche Destillation und ein Spritzer New Make des eigenen Whiskys.

#5Regionalisierte Gin-Produkte 

Seit einiger Zeit heißt es, dass der Gin-Hype vorbei sein soll. Die Realität sieht aber anders aus. Jede Woche werden neue Gins lanciert. Viele davon werden nie in eine große Serie gehen oder einem großen Publikum vorgelegt. Meist sind die kleinen Batches nur für einen kleinen Kundenstamm. Sie werden als Firmengeschenke, Jubiläumsausgaben oder ganz einfach für eine bestimmte Gastronomie-Gruppe konzipiert. Schließlich trinkt gefühlt die ganze Welt Gin. Und da wäre es doch eine Schande, keinen eigenen beisteuern zu können.

Das Gute bei der Sache ist, dass solche Aktionen dazu beitragen, dass neue Gin-Konsumenten geboren werden. Denn Gin ist in den letzten zwanzig Jahren eine neue Spirituose geworden. Bei den Sonderanfertigungen stehen häufig nicht die klassischen Wacholder-Noten im Vordergrund. Das führt dazu, dass sich mehr Konsumenten neu oder wieder auf Gin einlassen und feststellen, dass er ihnen doch schmeckt. Das ist definitiv ein positiver Effekt des breit gefassten Gin-Begriffs. Die DNA verändern kann im Spirituosen-Bereich nur Gin.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der BRANNT 2022. Das Magazin für Spirituosenkult können Sie hier bestellen.

fizzz 12/2022

Themen der Ausgabe

Matthias Schneider & Remo Gianfrancesco, Frankfurt

Mit der „Cloud Eatery“ haben Matthias Schneider und Remo Gianfrancesco ein fortschrittliches Ghost-Kitchen-Konzept aus der Taufe gehoben. Die Krise der Betriebsgastronomie könnte ihnen den Weg nach oben ebnen.

City Special Toronto

Kanadas wirtschaftliches Epizentrum mausert sich auch kulinarisch zu einer echten Trendmetropole.

Mitarbeiterbeteiligung

Transparenz und Teilhabe entwickeln sich zu wichtigen Faktoren im Wettbewerb um Gastro-Talente.