3 klassische Gin-Cocktails, die seit Jahrzehnten begeistern (Illu: Olga Sidelnikova / iStock.com)
3 klassische Gin-Cocktails, die seit Jahrzehnten begeistern (Illu: Olga Sidelnikova / iStock.com)

3 klassische Gin-Cocktails

Der moderne Gin-Hype verliert nach wie vor kaum an Dynamik und hat uns eine unvorhergesehene Vielfalt an Mix-Möglichkeiten rund um den Wacholder beschert. Doch auch vor über hundert Jahren hat Gin an der Bar bereits die Hauptrolle gespielt. Wir präsentieren drei Gin-Drinks, die nichts von ihrem alten Glanz verloren haben.

Text: Peter Jauch

 

#1 Clover Club

#1 Clover Club

Der rosa Gin-Cocktail ist dank des Gin-Booms in den letzten Jahren wieder populärer geworden. Dieses Jahr belegte der Clover Club auf der Liste der weltweit meist verkauften klassischen Cocktails den 21. Rang. Lange Zeit blieb er weitgehend in Vergessenheit, nachdem er erstmals 1908 schriftlich erwähnt wurde. Die früheste Veröffentlichung in einem Cocktailbuch als „The Clover Club Cocktail“ erfolgte 1910 in Raymond E. Sullivan's The Barkeeper's Manual. Im Clover Club in Philadelphia liegt der Ursprung dieses Cocktails und er wurde bis zur Prohibition fleißig bestellt, geshaked und getrunken. Nach Aufhebung der Prohibition gab es erstmal einige andere Themen als den rosa Gin-Cocktail.

Mit dem modernen Gin-Boom startete der Clover Club noch einmal so richtig durch. 2015 belegte er den 18. Rang unter den 50 besten klassischen Cocktails. Bei 15 % der angefragten Bars, war er bestverkaufter Cocktail überhaupt. Er ist bei Männern wie bei Frauen gleichsam beliebt. Wie sagte der Apple Gründer Steve Jobs einmal: „Wenn sie bei allen beliebt sein wollen, verkaufen sie Eiscreme“ ­– oder eben Clover Clubs.

Ein Gin Sour-Cocktail mit Himbeersirup und Eiweiß-Krone. Wie bei einem Sour kommt die Frage auf, ob Eiweiß sein muss. Doch es lohnt sich definitiv! Zusätzlich zur schönen Optik profitiert auch die Textur des Cocktails von der feinen Schaumkrone. Geschmacklich verändert sie den Drink aber nicht. Inzwischen gibt es auch vegane Eiweiß-Produkte, die sich gut für den Einsatz in Cocktails eignen. Viel Wert sollte aber auf jeden Fall auf den richtigen Himbeersirup legen. Man kann ihn auch selbst kochen: etwa im Verhältnis 2:1:1 Himbeere, Wasser und Zucker.

Im hippen Kölner Bezirk Ehrenfeld betreibt Marcos Rivas die einzige Gin-Bar der Stadt. Seit 2016 bietet er seinen Gästen im The Bär neben über 300 Gin-Produkten auch viele Eigenkreationen an. Wir wollten von ihm wissen, wie sein Publikum Gin Tonics und -Cocktails genießt.

#2 Gimlet

#2 Gimlet

Das Re-Revival dieses Cocktails geht auf die Filmindustrie und den Buchautor Raymond Chandler zurück. Die Verfilmung seines Werkes „The Long Goodbye“ kam 1973 in die Kinos. Philip Marlowe ist sein Roman-Held und Privatdetektiv in Los Angeles. Terry Lennox bittet seinen Freund Marlowe um Hilfe und dabei trinken sie das eine oder andere Mal einen Gimlet, Lennox Lieblingscocktail.

Wie bei vielen Cocktails, die es schon länger gibt, ist die Herkunft oft mit witzigen und teils unrealistischen Geschichten belegt. So auch jene des Gimlets. Eine großartige Herleitung liefert der Cocktail-History-Blog von Armin Zimmermann (bar-vademecum.de). In der Geschichte des Gimlets nimmt er den Leser mit auf Entdeckungsreise, was denn sein kann und was nicht. Auch gibt es eine schöne Podcast-Episode des Mixology-Podcasts von Nils Wrage und Gabriel Daun mit Armin Zimmermann.

Was definitiv stimmt, ist, dass die Verfilmung von Chandlers Roman in den 1970er Jahren den Cocktail wieder ins Gedächtnis der Bevölkerung brachte. Bis heute ist es ein beliebter klassischer Cocktail. Er rangiert immer um den 20. Platz, das zeugt von Konstanz.

Ein einfacher Cocktail, wenn man die perfekten Zutaten bereits vorbereitet oder zur Hand hat. Bis auf einen Lime Juice Cordial und einen Gin braucht man nur Eis und eine schöne Cocktailschale. Der Lime Juice Cordial lässt sich auch ganz einfach selbst herstellen: Wasser, Limettensaft und Zucker im Verhältnis 2,5:1:1 aufkochen. Herdplatte ausstellen und Zesten von 4 Limetten über 2-3 Minuten darin ziehen lassen. Abkühlen lassen, am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen – Achtung: innerhalb von wenigen Tagen verbrauchen, da der Cordial keine Konservierungsmittel enthält. Um den perfekten Gimlet ins Glas zu zaubern – im Verhältnis 1:1 mit Gin in den Shaker – Puristen schwören auf das Rührglas – und doppelt strainen.

Advertorial | Nach über 200 Jahren kreiert Tobermory, die einzige Whisky-Destillerie der Isle of Mull, einen Gin, der von der atemberaubenden schottischen Natur inspiriert wurde. Das Geheimnis: handwerkliche Destillation und ein Spritzer New Make des eigenen Whiskys.

#3 Dry Martini

#3 Martini

Er gilt als der König der Cocktails. Warum das so ist? Weil der Gin im Dry Martini seine Seele preisgeben muss. Hier kann er sich nicht hinter Säure, Zucker oder anderen Zutaten verstecken, sondern er muss sich entfalten und beweisen.

Nicht alle Gin-Produkte können das, und dann passt es eben nicht. Der Dry Martini stand Anfang 2022 auf Platz 3 der meistverkauften Classic-Cocktails weltweit. Die höchste Platzierung in den letzten Jahren zeigt, dass dieser Klassiker nach wie vor sehr gerne getrunken wird. Und doch ist er kein Cocktail für Jedermann. James Bond trank ihn bei seinen Missionen mit Gin, später mit Vodka. Es entsprach dem Zeitgeist und den Marketing-Budgets der Marken.

1904 findet der Dry Martini in Europa das erste Mal Erwähnung in einem französischen Barbuch. Die Spirituosen-Historiker Anastatia Miller und Jared Brown (u.a. Master Distiller bei Sipsmith) gingen dem Martini in ihrem Buch „Shaken not stirred“ auf die Spur. Dabei fanden sie erste Ansätze bereits in den 1880er Jahren in den USA. Wermutlieferungen aus Europa gab es bereits seit Längerem, Wermut und Gin sollen seit 1880 über die Bartender zusammengekommen sein. Personliche Randbemerkung: Übrigens kreiert Jared Brown seit Jahren die mitunter besten Martinis. Auch Agostino Perrone zelebriert diesen Klassiker wie kein Zweiter in der internationalen Barszene. Im The Connaught – Platz 8 und im vergangenen Jahr noch Platz 1 der „World’s 50 Best Bars“ – in London wird der Dry Martini-Genuss zum Erlebnis.

Auf der Suche nach der klassischen Dry Martini-Rezeptur stößt man auf viele unterschiedliche Varianten. Und schon nach kurzer Recherche wird klar, es gibt sie nicht, die eine Rezeptur.

Meine bevorzugte Variante ist das Verhältnis 6:1:  sechs Anteile eines Gins, der über ein Wacholder-Herz verfügt, und ein Anteil eines trockenen Wermuts. Das Ganze wird nicht gestirred, sondern geworfen. Ob jetzt nun Olive oder Zitronenzeste als Garnitur? Der persönliche Geschmack entscheidet.

 

P.S.: Auf Platz 1 der meistverkauften Classic Cocktails ist übrigens auch ein Gin-Klassiker: der Negroni. Doch die Geschichte erzählen wir ein andermal. 

Die Apérokultur breitet sich immer weiter und in vielfältiger Gestaltung aus. Ihre Ausrichtung ist von Land zu Land und innerhalb dessen regional verschieden ausgeprägt. Wir präsentieren fünf klassisch-stilvolle Wege, das gesellige Ritual zu begehen.

Rum gehört schon seit Anbeginn der Cocktailhistorie zu den Big Playern und die Riege an klassischen Cocktails mit Rum ist entsprechend groß. Wir haben drei der Geschichten dahinter gesammelt.

Sommerzeit ist Gin-Cocktail-Zeit. Um im Spätsommer noch die eine oder andere neue Kreation ins Glas zu bekommen, haben wir die Gin-Hersteller nach ihren Signature Drinks gefragt. Was kommt auf die Must-Drink-Liste und welche Gins präsentieren ihre Besonderheiten auf kreative Art und Weise? Die Gin-Drinks der Saison!

fizzz 12/2022

Themen der Ausgabe

Matthias Schneider & Remo Gianfrancesco, Frankfurt

Mit der „Cloud Eatery“ haben Matthias Schneider und Remo Gianfrancesco ein fortschrittliches Ghost-Kitchen-Konzept aus der Taufe gehoben. Die Krise der Betriebsgastronomie könnte ihnen den Weg nach oben ebnen.

City Special Toronto

Kanadas wirtschaftliches Epizentrum mausert sich auch kulinarisch zu einer echten Trendmetropole.

Mitarbeiterbeteiligung

Transparenz und Teilhabe entwickeln sich zu wichtigen Faktoren im Wettbewerb um Gastro-Talente.