Locations wie das Weinschirn bieten unkomplizierte, abwechslungsreiche Wein- und Food-Konzepte in der Bankenstadt am Main (Foto: Weinschirn)
Locations wie das Weinschirn bieten unkomplizierte, abwechslungsreiche Wein- und Food-Konzepte in der Bankenstadt am Main (Foto: Weinschirn)

Die neue Lockerheit

Das Wein-Motto in der Main-Metropole lautet: Neugier plus Understatement. Coole Erzeuger, Lockerheit und persönliche Beratung sind längst wichtiger als Prestige und Show. Ein echter Paradigmenwechsel in der Metropole, wie unsere vier Location-Checks zeigen. 


Urban & anders 

Das Motto steckt im Namen: Urban will die Aperitif- und Weinbar sein, die im vergangenen Jahr dort eröffnete, wo zuvor ein Burgerladen warme Fleischbrötchen feilbot. Das von Stephan Prinz konzipierte und  geleitete Lokal ist auch anders, als man es sich vorstellt in einer Stadt, die viele Jahre Wert legte auf die Verabreichung schlichter Apfelweine einerseits oder feiner Langeweile andererseits. Doch Prestige-Gewächse sucht man hier vergeblich. Patron Prinz verrät, dass es die Mischung aus durchaus renommierten und unbekannten Namen mache. Unter den rund 110 verschiedenen Positionen finden sich also Buhl und Donnafugata, aber auch Alte Grafschaft oder Loire-Legende Marc Brédif mit einem Chenin Blanc. Dazu gibt es Kleinigkeiten mediterraner Art, die von Oliven über Schinken bis zu Mortadella und saisonalen Specials reichen. Und wer einen Negroni und andere Apéros bestellen möchte: in einer urbanen Location wie dieser problemlos möglich!
www.urbanundanders.de 



Alte Münze

Die Alte Münze in der Altstadt des Frankfurter Stadtteils Höchst gibt es schon länger. Unter der Leitung von Sonja Mähn und Anton Unnold allerdings existiert sie erst seit Anfang 2020. Da eröffneten die beiden die gewandelte alte Weinstube mit nun erstaunlich jugendlichem Flair. Dass es hier moderner zugeht als früher, merkt der Kunde schon beim ersten Blick auf die Weinkarte. Die offenen Weine sind in Portionen von 0,15 Liter zu haben, werden nach Kategorien wie „Bubbles“, „Eleganz“ oder „Kraft“ unterteilt und stammen von jungen deutschen Winzern oder ähnlich denkenden Kollegen aus dem Ausland. Eine Scheurebe von Espenschied oder ein Blaufränkisch von Preisinger? Als Glas oder als Flasche? Kein Problem. Auch die Speisen wirken modern: Flammkuchen etwa wird in hessischer Variante (mit Handkäse und Kümmel) ebenso serviert wie als veganes Experiment mit Gemüse und Chilifäden. 
www.frankfurt.wine



3 Wallstreet 

Wenn eine Winebar & Eatery in der Wallstraße 3 eröffnet wird, nennt sie sich 3 Wallstreet. Logisch eigentlich. Und sie sieht auf den ersten Blick so aus, als stände sie nicht in Sachsenhausen, sondern in New York. Hier ist alles durchgestylt, vom Ladenschild bis zur Website. Alexandra Simon und Sabina Wachtel kümmern sich in erster Linie um die Weine, die einen Mitnahme- und einen An-Ort-und- Stelle-Preis haben. Die Auswahl ist, wie es sich für ein modernes Lokal gehört, international. Also gibt es Riesling von Bibo Runge aus dem Rheingau, von Fio von der Mosel und Marcus Hees von der Nahe ebenso wie ein überraschendes Angebot an Importen aus Südafrika. Springfield kennt man, Catherine Marshall ist ein Geheimtipp. Allerlei Events und Sonderaktionen waren schon im vergangenen Sommer zu beobachten und dürften noch ausgeweitet werden. Schon jetzt gilt: Wenn man Glück hat und Macarons von Anna Reckmann bekommt, ist der Tag gerettet. 
www.3wallstreet.de



Weinschirn 

Antje Niemann und Marcel Pickel haben der Lokalität namens Weinschirn Anfang 2020 einen neuen Look verpasst. Früher handelte es sich um ein eher traditionelles Lokal, in dem vor allem heimische Tropfen angeboten wurden. Heute präsentiert sich die Adresse, in unmittelbarer Nähe der Kunsthalle Schirn, lockerer, frischer, neugieriger. Das Publikum habe sich geändert, heißt es auf Nachfrage. Jüngere Leute interessieren sich heute für Wein, was mit der nächsten Generation der Winzer einhergeht. Regionalität pflegen Niemann und Pickel immer noch, aber in trendiger Form. Schaumwein von Griesel & Compagnie steht bereit, der Amphoren-Müller-Thurgau von Angelina Schmücker aus Essenheim ist da, aber auch der Fabelhaft von Dirk van der Niepoort. Das Speisenangebot pendelt zwischen Heimat und Ferne: Hausgemachter Spundekäs’ trifft Tiroler Schinken. Und an den Flammkuchen, auf unterschiedliche Arten serviert, führt eh kein Weg vorbei.
www.weinschirn.de


Wolfgang Fassbender 

Stimmige Mischung aus bekannten, erschwinglichen und neuen Namen: das Urban & anders von Stephan Prinz (Foto: Urban & anders)
Stimmige Mischung aus bekannten, erschwinglichen und neuen Namen: das Urban & anders von Stephan Prinz (Foto: Urban & anders)
Neuer Elan in der Alten Münze: Anton Unnold und Sonja Mähn (Foto: Alte Münze)
Neuer Elan in der Alten Münze: Anton Unnold und Sonja Mähn (Foto: Alte Münze)
Gediegenes Metropolen-Flair im 3 Wallstreet (Foto: 3 Wallstreet)
Gediegenes Metropolen-Flair im 3 Wallstreet (Foto: 3 Wallstreet)