High 5: So geht der klassisch-stilvolle Apéritif

Der Sommer steht vor der Tür. Zeit, ihm genau dorthin zu folgen, denn auch hierzulande scheint sich die Apérokultur immer mehr und in vielfältiger Gestaltung auszubreiten. Ihre Ausrichtung ist von Land zu Land und innerhalb dessen regional verschieden ausgeprägt. Ihre Atmosphäre und die Kombination von klassischen wie modernen Spritz-Getränken und kleinen Häppchen weist die Richtung des geselligen Rituals, das gerne auch alleinig durch die Nacht navigiert.

Text: Mia Bavandi

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Foto: © anastasianio / adobe.stock.com

Schaumwein oder französische Champagner – ein klassischer Apéritif

Die Österreicher haben ihren Sekt, die Spanier ihren Cava, die Italiener Prosecco und die Franzosen lieben ihren Champagner, der nicht nur zu einem Aushängeschild der Grande Nation avanciert ist, sondern ein bedeutendes Exportgut darstellt. Schaumwein hat immer Saison. Auch hierzulande kommt Champagner vorwiegend bei festlichen Anlässen und mittlerweile auch als Essenbegleiter auf die Tafel. Eine stets gern gesehene, große Rolle wird dem französischen Edelschaumwein hierzulande nach wie vor als Apéritif beigemessen. In trockenem Stil und gut gekühlt zählt der perlfreudige, puristische Muntermacher zu den beliebtesten und gängigsten Drinks vor dem Essen, der am besten mit ein bisschen „amuse geule“, mundgerechten Starter-Häppchen, gereicht wird. Oder auch in Form von Champagner-Cocktails, zu dessen bekannten Vertretern der Kir Royal mit Cassis Likör zählt.

 

Foto: © Ann Lukashenko / adobe.stock.com
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Ein Dry Martini kommt selten alleine, am liebsten mit Olive

Gin und trockener Wermut gelten als Traumpaar einer Cocktail-Liaison. In alleiniger Verbindung und namens Dry Martini zählt diese Mischung nicht nur als Indikator einer gehobenen Cocktail-Bar. Der Dry Martini Cocktail gilt auch als hervorragender Apéritif-Drink, der die geeignete Beilage bereits in sich aufgenommen hat. Zumindest eine Olive oder eine Zitronenzeste sind das Interieur des trockenen, herben und hochprozentigen before dinner-Drinks. Eigentlich spricht nichts gegen den Verzehr der im Drink befindlichen Olive. Aber es schickt sich natürlich, sie erst zu verzehren, wenn das bekannte Martini-Glas tatsächlich geleert ist. Vielerorts werden jedoch zu einem Dry Martini vorsorglich Schälchen mit grünen Oliven gereicht, die – anders als die Cocktail-Olive- als Apéritif-Beilage auch gefüllt sein dürfen. 

 

Als Klassiker dient der Apéritif vor dem Essen als Sprungbrett in die Nacht. Wortgetreu und ursprünglich entspricht seine Mission jener eines Magenöffners. Wie pragmatisch! Doch inzwischen geht es vor allem um Atmosphäre, Lebensgefühl und Geselligkeit. Dem Ritual auf der Spur...

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Negroni weist alles andere als einen bitteren Vorgeschmack auf die Nacht

Der aus Italien stammende und dank der vor rund zehn Jahren etablierten Negroni Week beliebte Apéritif-Drink ist eigentlich eine simple Kombination aus drei Zutaten zu gleichen Teilen: Wermut, Campari und Gin. Es ist ein Grundrezept, das wie viele andere Drink-Verordnungen in der Neuzeit einigen Twists durch Markenvielfalt und unterschiedliche Mischverhältnisse unterlaufen ist. Doch um bei des Negronis Grund-Attitüde zu bleiben, schickt sich dieser recht bitter an. Ein Negroni passt eigentlich fast immer, und ist als Pre-Dinner-Drink mit seinem bittersüßen Geschmacksportfolio genau richtig, um auf laue Sommernächte einzustimmen. Mit salzigen Snacks aus Schinken, Oliven, Nüssen und trockenen Käse-Ecken serviert, transportiert er la dolce vita auf bittere Art.

 

Foto: © miminoshka12 / adobe.stock.com
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Low- und no ABV-Spritzgetränke erobern den Apéritif

Neben den klassischen Apéritif-Getränken wie Schaumwein, Apéritif-Weinen, Wermut, Bitterlikören, Sherry oder den bereits erwähnten Cocktail-Klassikern hebt das Segment der Spritz-Getränke zum apéritif’schen Höhenflug ab, ohne die etablierte Weißweinschorle hinter sich zu lassen. Apéritif-Liköre, verstärkte Weine oder Bitterliköre werden mit Prosecco, Tonic oder Mineralwasser zu einem Longdrink aufgespritzt und als erfrischende und nur leichtalkoholische Drinks vor dem Essen zu kleinen Snacks gereicht. Begonnen hat diese Entwicklung mit Aperol-Spritz oder dem südtirolerischen Hugo aus Wein oder Prosecco mit Holundersirup und Minze. Wer auf Alkohol verzichten will oder muss, hat heutzutage das Glück, aufgrund vieler alkoholfreier Destillate, Weine oder fertiger Cocktails keinen geselligen Apéritif verpassen zu müssen.

 

Der Apéritif ist wieder in aller Munde. Er fließt und erlangt auch in nördlicheren Breitengraden immer mehr die Aufmerksamkeit aller Akteure vor und hinter den Bars und Restaurants. Warum das so ist und der Apéritif zu mehr als einem Vorspiel avancieren kann, erklärt der Wiener Erlebnisdesigner und Sensorik-Experte Reinhard Pohorec.

Foto: © Aha-Soft / shutterstock.com
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Aquavit – auch der Nord-Apéritif strömt nach Mitteleuropa

Mit Negronis, Wermut und Bitterlikören holen Bar- und Restaurantbetreiber geschmacklich gerne den Süden auf hiesige Terrasse. Doch auch die nordische Genusskultur lohnt, in der Apéritif-Schiene ins Visier genommen zu werden. Aufgrund seiner vielfältigen Botanicals passt der Aquavit nicht nur zur skandinavischen Küche, sondern ist neben der Kombination mit Seafood vielseitig einsetzbar. Skandinavischer Aquavit oder Akvavit lässt sich auch hervorragend in das Apéritif-Gewand kleiden. Zum Beispiel kann man einen ungereiften Aquavit mit Tonic oder Ginger Beer aufgießen und mit einer Zitronenzeste garnieren und hat ein nordisches Äquivalent zum immer noch trendigen Gin und Tonic, einer der beliebten Longdrink-Apéritifs. Schwedischer Aquavit stimmt aufgrund seines typischen Fenchel-Aromas auf Gerichte ein, die ebenfalls Fenchel beinhalten. Flusskrebssalate, Smörrebröd oder Abwandlungen der in Skandinavien beliebten Hotdogs mit geräucherter Makrele anstatt Würstchen sind kleine und ideale Begleiter zum Apéro auf Aquavit-Basis.

fizzz 08/2022

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