Gourmetkneipe mit Sharing Bottle

Freitag, 31. Mai 2019 - 12:00
Gastronomie
Genuss
Johannes Lochner (li.) und Benjamin Peifer in ihrem The Izakaya (Foto: Enrico Markx)

Mit seinem Namen führt das Pfälzer The Izakaya manchen Gast in die Irre. Dabei geht es im Gemeinschaftsprojekt von Johannes Lochner und Benjamin Peifer vor allem um Spannung im Glas und auf dem Teller.

Von allen anderen Weinlokalen in der Pfalz unterscheidet sich das Izakaya dann doch in erheblichem Maße. Die „Kneipe, in der man sitzt, trinkt und kleine Speisen isst“ – so die Umschreibung des japanischen Wortes Izakaya – ist ein weltoffenes Konzept, wie man es in München, Paris oder Berlin eher erwarten würde, als im immer noch beschaulichen, auf heimische Weine fokussierten Wachenheim an der Weinstraße. Johannes Lochner und sein Team schenken dagegen auch Spannendes aus aller Welt aus, während Benjamin Peifer, der sterne­gekrönte Küchenchef des Kallstadter Intense, ein eigenes Menü konzipiert. Es ändert sich häufig, umfasst fünf Gänge – Ergänzungen sind möglich – und kostet in der Basisversion 60 Euro. Eine feste Weinbegleitung dazu gebe es allerdings nicht, sagt Händler, Gastronom und De-facto-Sommelier Lochner. „Wir wollen spontan eine Flasche aufziehen können und schätzen auch den Aha-Effekt bei den Gästen.“ Womit das Stichwort gefallen wäre. Es geht um Überraschungen und Spannung. Nicht nur im kleinen Gastraum mit den wenigen Tischen, wo die Gäste menümäßig entweder um 19 oder um 19:30 Uhr starten, sondern auch in dem mit einem langen, hohen Tisch ausgestatteten Raum daneben. Die offenen Weine sind nicht auf einer gedruckten Liste fixiert, sondern werden an jedem Abend zu Beginn des Service-Geschehens an die Tafel geschrieben. Vielleicht ein Sauvignon Blanc Fumé von Oliver Zeter, ein Riesling Buntsandstein von Frank John, ein Roussillon-Weißwein L’Esprit de l’Horizon?
So etwas zu konzipieren und mutig zu vertreten, schafft wohl nur, wer weit über den Tellerrand schaut. ­Johannes Lochner tut es seit eh und je. Winzer, Wirtschafter, Techniker ist er und hat nach einem Auslandsaufenthalt 2009 in Kalifornien Kellermeisterverantwortung bei niemand Geringerem als dem Kallstadter Weingut Koehler-Ruprecht übernommen. Später eröffnete er die Weinhandlung Rohstoff, die zunächst in Neustadt an der Weinstraße residierte und in diesem Jahr nach Wachenheim umzog. Vor ein paar Monaten eröffnete an gleicher Stelle das Izakaya.

Ein Restaurant, das zum Glück auch dem etwas bietet, der keine Reservierung besitzt. Nicht das Menü, doch ohne Voranmeldung dürfen zumindest Snacks bestellt werden. Der Käsevariation (von Waltmann) merkt man nichts Japanisches an, der Leberterrine mit Yuzu-Marmelade, Brioche und Hühnerhaut oder der Currywurst aus Wagyu und Kurobotaschwein schon eher. Ein sogenanntes Otoshi wird für Esser automatisch dazu gebucht; in der fünf Euro Gebühr sind Brot, Sesambutter, Wasser und ein kleiner Snack enthalten. Dazu vielleicht Gewürztraminer von Odinstal, den Rozas von Comando G aus Madrid oder Exklusives von Suertes del Marqués aus Teneriffa? Kalifornien darf nie fehlen auf der Karte. „Ich bin noch immer fast jedes Jahr drüben“, sagt Lochner. Einiges habe er exklusiv, zeige gern, dass Chardonnay elegant und fein ausfallen könne – nicht nur der von Au Bon Climat oder von Sandhi. So was kann auch zum Essen passen, etwa zu Spargel und Wagyu! Wer den Inhalt der allerfeinsten Flaschen aus Übersee oder Europa verkosten, aber nicht unbedingt 750 Zentiliter trinken möchte, kann zudem ein spektakuläres Angebot nutzen. Einfach eine Flasche bestellen, den Inhalt gedanklich in sechs Einheiten unterteilen und dann selbst entscheiden, wie viel er oder sie trinken möchte. Der Rest, etwa jener des Pinot Noir Solomon Hills von Ojai aus Kalifornien (100 Euro), wird dann für andere Gäste freigegeben, welche sich beim Konsum und beim Preis beteiligen können. „Am Anfang dachten wir, wir probieren das einfach mal“, sagt Lochner. „Damit man auch coole, reife Flaschen probieren kann.“ Doch die Sache hat einen Nachteil, denn wenn der Laden voll ist und die Nachfrage nach Feinstem glasweise groß wäre, fehlt häufig die Zeit für den Service, diese Besonderheiten zu kommunizieren. Muss sich wohl noch einspielen, das für die Pfalz spektakuläre Angebot. Ebenso, wie sich herumsprechen sollte, dass das Izakaya trotz aller Peiferschen „Nipponphilie“ kein japanisches ­Restaurant mit viel Sake und Tempura ist. Man habe auch schon Gäste gehabt, die dachten, es handele sich um eine Sushi-Bar, erzählt Johannes Lochner mit einem Grinsen. wf

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