Bund soll Strafzölle zahlen

Donnerstag, 30. Januar 2020 - 13:00
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Die deutsche Weinwirtschaft fordert vom Bund eine schnellstmögliche Einigung mit den USA um, eine Abschaffung der Strafzölle zu erreichen. FOTO: RUDIE – STOCKADOBE.COM

Die deutsche Weinwirtschaft wehrt sich weiterhin vehement gegen die US-Strafzölle. In einem Brief an das Landwirtschafts- und das Wirtschaftsministerium hatte das Forum der Weinwirtschaft erst kürzlich wieder gefordert, dass die deutsche Politik auf EU-Ebene alle Maßnahmen ergreifen müsse, um eine schnelle Verhandlungslösung mit den USA herbeizuführen.

Auch Ingo Steitz, Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen, zeigt sich verärgert über die aktuelle Situation der US-Strafzölle. Von der Bundesregierung fordert Steitz, jetzt »unkonventionelle Lösungen« anzustreben. Zur Kompensation der Strafzölle auf deutschen Wein könnte etwa eine Schadensersatzzahlung in Höhe der zu erwartenden Zölle an die USA ins Auge gefasst werden. Finanziert werden könnte diese aus der jährlichen Dividende für die deutsche Beteiligung am Airbus-Konzern. Laut Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (BWV) beeinträchtigen die US-Strafzölle den gesamten Weinmarkt und führen zu deutlichen wirtschaftlichen Verlusten.

Hintergrundinformationen: 

Welche Weine und wieviel wird exportiert?

Aufgrund des Handelsstreits zwischen der EU und den USA Anfang Oktober werden auf in die USA exportierte Stillweine Strafzölle in Höhe von 25 % erhoben. Nach den aktuellen Statistiken werden innerhalb eines Jahres rund 17 Mio. Liter deutscher Wein zu einem Durchschnittspreis von 4,03 Euro pro Liter und einem Warenwert von 69 Mio. Euro in die USA geliefert. Damit sind die USA mit Abstand wichtigstes Weinexportland für deutsche Weine (17 Prozent der aus Deutschland exportierten Weinmenge und rund 23 Prozent des Gesamtwertes).

Traditionell stammen die Weine insbesondere vom "Rhein" und von der "Mosel" und sind hauptsächlich Rieslingweine. Auf die Anbaugebiete bezogen bedeutet das z.B. für Mosel 7,8 Mio. Liter, für Rheinhessen 4,8 Mio. Liter und für die Pfalz 1,1 Mio. Liter, womit die Folgen des Handelskrieges gerade in diesen Anbaugebieten besonders deutlich ausfallen.

Was könnte noch kommen?

Aktuell findet in den USA nun eine Konsultation bzgl. eines möglichen Karussellverfahrens statt. Im Rahmen der Sanktionen besteht die Möglichkeit, nach 6 Monaten eine entsprechende Anpassung/Ausweitung der mit Strafzöllen belegten Produkte oder die Höhe der Strafzölle vorzusehen. In dieser bis 13. Januar 2020 laufenden Konsultation ist unter andrem eine entsprechende Erhöhung der Strafzölle auf Wein auf 100 Prozent und eine Ausweitung auf andere Länder und weitere Produkte (Schaumwein, Fasswein etc.) erwähnt.

Das Forum der deutschen Weinwirtschaft ist eine Arbeitsgemeinschaft der Bundesorganisationen: Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels, Deutscher Weinbauverband, Deutscher Raiffeisenverband, IHK Trier für den DIHT und Verband Deutscher Weinexporteure. -jb-

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