Foto: Nico von Nordheim
Foto: Nico von Nordheim

Fragen zum Wein? #asktoni

Wo Toni Askitis auftaucht, ist die Luft elektrisch aufgeladen. Der Sommelier und Weinfreak sprüht nur so vor Esprit und Tatendrang. Seine Fans lieben ihn – und verfolgen alles, was er als #asktoni macht, in den sozialen Medien. Für »Ausgabe 4/21 von MEININGERS WEINWELT hat Chefredakteurin Ilka Lindemann sich mit ihm in Düsseldorf getroffen.

Text: Ilka Lindemann

Wenn Antonios (kurz Toni) Askitis unter seinem Hashtag #asktoni auf Instagram zu einer Radtour an der Mosel einlädt, sind seine Fans Feuer und Flamme. „Vollgas Mosel – pack deine Liebste ein und verbring mit mir einen chilligen Tag an der Mosel. Regionale Speisen, drei Tastings auf Weingütern und eine Biketour mit nicen Hintergrundinfos zu den Lagen. Wer hat Bock?“, lautet solch ein Post, der meist mit dem Wort „HipHop“ endet, und im Nullkommanichts steht die Gruppe fest. Mehr braucht es nicht, um die Weinliebhaber vom Sofa vor die Tür zu locken. Und hinter dem flapsigen Aufruf steckt ein ausgeklügeltes Programm, top organisiert und professionell ausgeführt.

Toni Askitis versteht sein Handwerk, schließlich ist er seit vielen Jahren in der Branche tätig. Er gehört zu einer neuen Generation von Sommeliers, die mit starren Regeln bricht. „Wer einen Sommelier mit Anzug, gestärktem Hemd, wichtigem Gesichtsausdruck und elitären Weinbeschreibungen sucht, ist bei mir falsch“, sagt er frei heraus. „Bei mir gibt es keine Grenzen und jeder darf ohne Scheu die Fragen stellen, die er möchte. Falsche Fragen gibt es nicht.“ Für Toni Askitis ist Wein vor allem eins: unkompliziert. Das proklamiert er auf seiner Homepage, wo er für Weinproben, Seminare und Firmenevents wirbt, und nimmt so jedem die Angst. Seine Zielgruppe sind Endverbraucher, vom Einsteiger bis zum „hard user“.

Toni Askitis
Toni Askitis

Begleitet man ihn einen Tag lang durch seinen Kiez in Düsseldorf Unterbilk, fallen zwei Dinge auf. Erstens: Man kennt ihn hier. Und zweitens: Sein Mobiltelefon surrt und klingelt im Minutentakt. Wir laufen als Erstes mit einer Flasche Pét Nat und ein paar Gläsern bewaffnet in die Neusser Straße zum Seifen Horst. Es ist eine dieser extrem urigen Nachbarschaftskneipen, von denen man weiß, dass sie in normalen Zeiten Gäste in Scharen anziehen und wo man sich sehnlichst wünscht, dass Corona bald Geschichte ist. Gastgeber Axel, der uns netterweise dort fotografieren lässt, hat einen Tisch mit frischen Blumen dekoriert, damit seine Gäste durch die Scheibe sehen: „Ich denke an Euch.“

Unterwegs halten wir mehrfach an, um Leute zu begrüßen und kurz zu schnacken, und auch durch die Scheibe des Seifen Horst wird mehrfach gewunken und Handzeichen gegeben. Wie gesagt: Man kennt Toni hier. Und das ist auch kein Wunder, denn schließlich hat er im Viertel bis vor Kurzem noch erfolgreich sein Restaurant D’Vine betrieben, eine Kultinstitution, die von vielen Insidern vermisst wird. „Ich bin ein Kind der Gastronomie“, berichtet er. „Ich musste immer ran!“

Schon als Kind hat er im elterlichen Restaurant Askitis über den Tresen gespäht, später richtig mitgearbeitet und war immer an der Gastrofront. „Gastro hat man im Herzen, oder man hat es nicht“, ist Toni Askitis heute überzeugt. Er erinnert sich gerne zurück, als sein Vater ihn das erste Mal mit auf die Weinmesse ProWein genommen hat, um Weine für das Restaurant zu probieren. „Das war schon großes Kino und der Funke ist direkt übergesprungen.“ 120 Positionen griechischen Wein hatte das Askitis schon vor vielen Jahren auf der Karte gelistet und war seiner Zeit weit voraus. Bei Toni Askitis ist der Weinvirus immer weiter übergesprungen.

Nach einem BWL-Studium und vielen Stunden im elterlichen Restaurant hat sich Toni Askitis 2008 dann mit einem
Partner mit dem D’Vine selbstständig gemacht und voll auf Foodpairing gesetzt. „Montags hatten wir immer ,Bring your own bottle‘“, erinnert er sich gerne zurück und ergänzt: „Etwa zu dem Zeitpunkt fing es an, dass alles immer interaktiver wurde.“ Anfangs wollte er noch einen Sommelier einstellen, entschied dann aber, die Ausbildung zum Sommelier in Koblenz zu absolvieren und das selber zu machen. „Bei Tyrell habe ich dann noch ein Praktikum gemacht“, berichtet er und hat sich mit dem Karthäuserhof an der Ruwer ein Weingut mit jahrhundertelanger Geschichte ausgesucht.

„Ich habe die Dinge immer anders gemacht, als die anderen“, lacht der sympathische Sommelier, dessen Weinabende im D’Vine legendär waren. „Als wir ganze Menüs mit restsüßen Moselweinen kombiniert haben, waren die Leute alle high“, sagt er. Hätte er vorher gefragt, ob die Gäste das wollen, hätten diese sicher abgelehnt, aber er hat sich getraut. „Ich gehe mit einem großen Selbstbewusstsein durch die Welt, das hat mir schon so manche Tür geöffnet.“

Yamas, Leute! Toni Askitis liebt seinen Kiez; dieses & alle folgenden Fotos: Nico von Nordheim

Yamas, Leute! Toni Askitis liebt seinen Kiez; dieses & alle folgenden Fotos: Nico von Nordheim

Tattoo Nummer 15 - wir waren dabei ...

Tattoo Nummer 15 - wir waren dabei ...

(Pro)Wein, Tattoos & Hip-Hop sind Tonis Leidenschaften

(Pro)Wein, Tattoos & Hip-Hop sind Tonis Leidenschaften

So ist nicht nur sein Weinwissen stetig gewachsen, sondern auch die Weinkarte im D’Vine: „Anfangs hatten wir 70 Positionen auf der Karte, am Ende war die Weinkarte 500 Positionen stark.“ Auch der Hashtag #asktoni stammt aus dieser Zeit. Er hatte ihn als Claim auf der Weinkarte: Wenn Du Fragen zum Wein hast, #asktoni. Seit 2016 ist das D’Vine Geschichte und seitdem ist für Toni Askitis alles Community. Die Frage, die sich ihm von Anfang an stellte, war: „Wie erreiche ich mehr Leute?“ – und das ging am besten über Social Media.

Unter #VollgasToni, #KleinesMikroGroßeGewächse oder #MusikimGlas ist er nun in den neuen Medien unterwegs und durchbricht damit endgültig das Mauerwerk Wein. Toni Askitis ist immermit ungebremstem Spaß bei der Sache. Und nimmt das Wort ungebremst auch gerne mal wörtlich. Für sein erstes Video hat sich der Weinenthusiast in einem Rennwagen auf der Nordschleife filmen lassen, in dem er bei 200 km/h Weine einschenkt und verkostet. Das war 2018. Das Video ist ein Alltime-Klassiker und zeigt, wie viel Spaß er hat. Die Flaschen, die er dabei öffnete, waren auch nicht irgendwelche, sondern Weine von Format: „Wir hatten einen Molitor Alte Reben und einen Lemberger von Moritz Haidle dabei“, erfahre ich, und dass ihm doch recht mulmig wurde, als es ungebremst auf die 90-Grad-Kurve zuging.

Auf dem Weg zum Instagram-Shooter gab es viele Proben, Seminare und Weinzeiten. Und ein unerschütterliches Selbstvertrauen. Nur über Wein zu sprechen, das ist ihm einfach zu wenig. „Deshalb haben wir auch Live-Tastings als unser erstes Format entwickelt.“ Toni Askitis versteht sich als Moderator zwischen Winzer und Endverbraucher und macht damit einen richtig guten Job. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau, die für ihn die Termine bucht, einem Werber und einem Fotografen, mit denen er das Büro teilt.

Ein solcher Erfolg bleibt nicht unbemerkt, weshalb ihn das Deutsche Weininstitut, verschiedene Weinwerbungen oder der VDP gerne für Veranstaltungen buchen. Auch Zwiesel oder Gerolsteiner zählen zu seinen Kunden. Dass er dabei Grenzen überschreitet, ist seinen Auftraggebern nur Recht, so wurde sein Zwieselglas zum Beispiel auch in einem Sneaker Store verkauft. „Zwiesel war das erste Glas, aus dem ich Wein getrunken habe, deshalb bin ich denen auch sehr verbunden“, berichtet Toni. „Wir haben das Glas etwas veredelt und den Asktoni-Hashtag als Moussierpunkt reingelasert.“ So viel dazu, der Rest ist im Netz zu sehen.

Neben Wein gilt seine Leidenschaft dem Hip-Hop und dem Skaten … Und er liebt Tattoos. Deshalb schnappen wir uns den eingangs erwähnten Pét Nat (der bezeichnenderweise „Don’t be afraid“ heißt und von den Knebel-Brüdern an der Mosel kommt) und die Gläser, setzen uns in seinen alten Benz und fahren nach Oberbilk. Im Livin’ Proof Tattoo Studio eröffnet sich eine ganz eigene Welt. Die Welt von Reza S. Die beiden kennen sich aus der Handelsschule, haben zusammen geschwänzt und lieber „Beat Street“ geschaut als Mathe zu lernen. „Wir haben früher CDs getauscht und Musik gehört“, schwärmen beide über alte Zeiten. Das Studio ist ein Panoptikum aus kuriosen Utensilien, die gleichermaßen die Geschichte des ehemaligen Graffiti-Sprayers erzählen. Unzählige Kassetten, ein Ghettoblaster, ein knallgelber Walkman, ein Gameboy und Marienbildnisse überschwemmen den Raum. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. An der Wand hängen mögliche Tattoo-Bildnisse, jedes für sich ein kleines Kunstwerk. „Ich will nichts haben, was jeder gut findet“, lautet zusammengefasst das Credo von Reza, und so besteht der Raum aus vielen individuellen Einblicken in sein spannendes Leben. Er überredet Toni, sich ein weiteres Tattoo stechen zu lassen. „Lass durchziehen!“

Und so kommt auf Tonis Oberarm Tattoo Nummer 15 hinzu. Neben Motive wie die Wehlener Sonnenuhr oder das Stadtwappen von Düsseldorf gesellt sich nun noch eine Treppe. „Meine Tochter fand das Motiv gut“, berichtet Toni. Sie meinte: „Die führt vom Irgendwo ins Nirgendwo …“ Den Schmerz beim Tätowieren scheint er jedenfalls gut wegzustecken, macht noch schnell ein privates Video und ist auch hier mit ungebremstem Spaß bei der Sache. Nach einem Tag mit Toni Askitis ist eines klar: Er nimmt das Leben mit einem Augenzwinkern, ist wahnsinnig offen und lebt den Moment. Genau so liegen seine Seminare auch irgendwo zwischen Wissensvermittlung und Spontaneität. Und ein bisschen Comedy ist auch dabei. HipHop!

 

NOCH FRAGEN?

Tonis Videos gibt’s zum Beispiel auf seinem Instagram-Account @asktoni.de und auf Clubhouse läuft montags ab 18 Uhr seine Sendung #asktoni – Wein ist unkompliziert – frag’ alles über Wein …

www.asktoni.de
[email protected]

Ausgabe 05/2022

Erhältlich ab 13.7.2022: Weinwelt on tour zu La Vialla // Genussziel Malta // Alte Reben Portugal //Best of Riesling und weitere Themen

Themen der Ausgabe

Kleine Kunstwerke

Die bunten Summerrolls liegen gerade voll im Trend und das ist auch kein Wunder: Mit Gemüse, Tofu, Limette und frischem Koriander gefüllt, überzeugen die kleinen Köstlichkeiten nicht nur optisch. Dazu empfiehlt Sommelière Alexandra Rehberger einen erfrischenden Low-Alcohol-Schäumer. »zu Rezept & Weintipp

Wurzelecht

Ja, es gibt sie noch, wenn auch nur vereinzelt und verteilt auf der ganzen Welt. Von der Reblaus verschont, bringen die wurzelechten, häufig mehr als 100 Jahre alten Reben, heute noch eindrucksvolle und komplexe Weine hervor. Wo man die fast schon historischen Gewächse findet und welche Vorteile sie bieten, lesen Sie bei uns.

Ein Ort zum Genießen

Endlose Olivenhaine, Zypressen, Weinberge, blühende Wiesen und grüne Wälder – willkommen in der Toskana, genauer gesagt in der Fattoria La Vialla. Beim Arbeiten im Takt mit der Natur entstehen dort spannende Weine mit Charakter und Tiefgang. Warum Bienen und ihre Pollen dabei eine wichtige Rolle spielen, hat WEINWELT-Chefredakteurin Ilka Lindemann bei einem Besuch des familiengeführten Biobetriebs erfahren ... »weiterlesen