Foto: holiday5554/stock.adobe.com
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Franken erfindet sich neu: Unsere Weintipps

Vom cremig-erdigen Silvaner, vor dem man den Hut ziehen möchte, bis hin zum nussig-eleganten Chenin Blanc – Frankens Weine sind vor allem eins: voller Charakterstärke. Dass die fränkischen Winzer ihr Handwerk verstehen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Matthias Stelzig hat einige Weingüter besucht und ihre Weine verkostet. Welche Winzer Sie sich zukünftig besser merken sollten, lesen Sie ab Seite 12 in »Ausgabe 2/22 von MEININGERS WEINWELT. Die spannendsten Weinempfehlungen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Text: Matthias Stelzig

 

Nico Olinger (Iphofen)

Nico Olinger hat schon öfter den Standort gewechselt: Neuseeland, Südafrika, Berlin, Geisenheim. Jetzt macht er auf den 240 Millionen Jahre alten Gipskeuper-Böden seinen Wein in dem Puppenstuben-Dörfchen Iphofen. Mit Anfang 30 gehört er zu den Shooting-Stars der Region.

2020 Weißburgunder
Burgunder und Gipskeuper sind eine gute Sache, sagt Nico. Der Kalkboden gibt dem Weißburgunder Tiefe. Aromen von geräucherter Wurst in der Nase kontrastieren auf der Zunge mit saftiger gelber Frucht, Pfirsich, Apfel und Grapefruit, guter Drive, lang und vibrierend.
Preis: 8,90 €

2020 Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling
„Bio regt mich auf“, sagt Nico Olinger. Zuviel Papierkram. Zertifizieren lässt er sich trotzdem. Auch die Arbeit am Julius-Echter-Berg war hart 2020: Spätfrost und Trockenheit inklusive. Die wenigen Trauben sind dafür umso feiner: der Riesling hat die typische Frucht, aber etwas zurückhaltend, dafür am Gaumen viel Drive, eine treibende Säure und anhaltende Mineralität
Preis: 12,00 €

2019 Sylvaner Alte Reben
Für seinen Silvaner steht Nico Olinger im Spätherbst mit den Hühnern auf und erntet die über 50 Jahre alten Rebstöcke per Hand. Spontanvergoren und lange auf der Hefe gereift, wird daraus ein mineralisch-dichter Wein mit viel Struktur, Noten von Kräutern und kandierten Früchten und einem vibrierend langen Abgang
Preis: 12,90 €

Bezugsquelle: www.olingerwein.de

 

Keuper Connection

Die Zusammenarbeit der Keuper Connection kann sich sehen lassen, das zeigen die gemeinsamen Abfüllungen. Die wären aber nicht so genial, wenn nicht jedes einzelne Mitglied auch ein guter Winzer wäre.

2018 Keuper Connection Stollenwein 1001 Nacht Silvaner
drei Jahre im größten Bergwerk Bayerns gelagert, im Fass aus regionaler Eiche gereift, ungefiltert abgefüllt: Feuerstein in der Nase, Holzkohle-Rauch und eine Spur Nelke. Am Gaumen viel Holz, aber bestens eingebunden, feines Spiel, sehr harmonisch, metallischer Nachhall. Ein echtes Erlebnis
Preis: 25,00 €

2018 Amphorenwein Silvaner
Orange Wines liefern zuverlässig Gesprächsstoff bei Wein-Nerds und Winzern. So richtig gut sind aber nur wenige. Dieser Amphorenwein ist definitiv einer. Jeder der drei Winzer steuerte einige seiner besten Silvaner-Trauben bei. Bei 30 Grad im Tonkrug vergoren, ungeschwefelt, unfiltriert und vorsichtshalber unter Stickstoff-Atmosphäre abgefüllt. In der Nase sehr aromatischer Apfel, Eau-de-vie vom Apfel – keine fermentierenden Schalen (der Stickstoff, gell?). Dazu orientalisches Gewürz mit Honig und Pink Grapefruit. Im Mund Tannin, das war klar, aber fein, dabei Quitte, Pfirsich, gute Länge, saure Frucht im Abgang
Preis: 33,00 €

Bezugsquelle: www.ilmbacher-hof.de

 

Ilmbacher Hof (Iphofen)

Mit seinem High End-Müller von 40 Jahre alten Reben zeigt Thomas Fröhlich, was möglich ist. Das hat seinen Preis. Es geht aber auch anders:

2020 Müller-Thurgau Edition 108
die kalt vergorene Edition 108 duftet nach feinen Blüten und Schulkreide. Schmeckt nach reifem Apfel, Birne, Zitrone, Limone, konzentriert und mit guter Länge, etwas süße Blüten und Muskataroma im Abgang. Das alles zu einem sagenhaften Preis
Preis: 8,00 €

Bezugsquelle: www.ilmbacher-hof.de

 

Weingut Hillabrand (Hüttenheim)

2020 Silvaner Hüttenheimer Tannenberg Steiler Südhang
feine Nase, floral und fruchtig, weiße Blumen, Birnen, etwas nasse Steine. Am Gaumen wieder das ganze Spektrum mit etwas gefühlter Restsüße, die von der Säure gut aufgefangen wird. Insgesamt guter Drive
Preis: 10,00 €

Bezugsquelle: www.weingut-hillabrand.de

 

Max Martin (Zeil am Main)

2021 Herz Blauer Silvaner Steinbacher Nonnenberg
„etwas würziger“ sei der Blaue Silvaner, eine natürliche Mutation des Silvaners, sagt Max Martin. Ob man das blind rausschmeckt? Die Nase ist elegant mit viel mineralischen Aromen, sogar Schwarzpulver. Ganz ähnlich am Gaumen mit seiner konzentriert-reifen, süßen Frucht und etwas Streichhölzern im Abgang. Würzig
Preis: 8,50 €

Bezugsquelle: www.Weingut-Max-Martin.de

 

Weingut Bardorf (Randersacker)

Mit dem Zusammenschluss Ethos haben Stefan Bardorf und Kollegen sich strenge Bio-Regeln auferlegt. Von der Flächenauswahl bis hin zur Vertriebslogistik. Aber auch für seine Weine hat Stefan Bardorf noch jede Menge weitere Ideen, besonders für Silvaner.

2019 Sonnenstuhl Riesling Am Turm Kabinett trocken
in der Nase reife Melone, reife Birne, etwas Bienenwachs und Honig, dazu Kräuter. Auch am Gaumen ist die Frucht sehr reif, aber sortentypisch, dazu nussige Aromen, ölig, elegant, straff, mit guter Länge und allem, was ein Riesling braucht - außer dem überflüssigen Prädikat „Kabinett“ – und das Ganze unschlagbar günstig
Preis: 8,00 €

2019 Marsberg Silvaner trocken Alte Reben RR
der Wein vom Marsberg in Randersacker wird im 900 Liter großen Tonneau ausgebaut. Dabei gewinnt der Silvaner aber nicht die üblichen Holznoten, sondern mehr Komplexität. Ein Touch Vanille ist trotzdem da, dazu der Duft von Blüten, am Gaumen deutliche, weiche Tannine, sehr mineralisch, cremig, exotische Frucht wie Papaya, etwas Honig. Sehr vielschichtig
Preis: 32,00 €

2018 Ethos Nr. 3 Silvaner Naturtrüb trocken
schon die Eckdaten des Ethos machen richtig Lust: neun Monate Maischegärung ganzer Trauben, gelagert im Holztank und in Amphoren. Erst danach wird der Wein vorsichtig von den Trauben abgezogen und zum kleinen Gesamtkunstwerk.
Sehr dicht mit ungemeiner Konzentration, komplex und subtil, etwas Apfel, Cranberry, Zitrus und Blumen. Salzigkeit unterlegt mit elegantem Tannin, dazu Nüsse, Mandeln, super-mineralisch und frisch
Preis: 35,00 €

Bezugsquelle: www.weingut-bardorf.com

 

Weingut Seufert (Iphofen)

Laura Seufert arbeitet nach einem ganzheitlichen Bio-Konzept. Deshalb sehen ihre Weinberge hübsch aus, wie eine Blumenwiese. Das schlägt sich natürlich auch im Keller nieder. Natural Wines sind ihre Leidenschaft.

2020 Pétillant Naturelle
spontan vergoren, undegorgiert und ungeschwefelt wurde dieser Wein trüb wie Apfelsaft. Und mit einem ordentlichen Hefesatz am Boden, weiß man gleich, woran man ist. In der Nase tummeln sich Stachelbeeren, saure Früchte, unreife Aprikose, weiße Grapefruit, gelber Apfel und Heu. Alles sehr sympathisch. Am Gaumen guter Grip, etwas vegetabile Noten, saure Pflaumen, grüne Bohnen, Pastinake und spürbares Tannin. Alles passt gut zusammen, kann man so wegschlabbern. So muss Pet Nat sein
Preis: 17,90 €

2020 Trilogie
eine hellkupferfarbene Cuvée aus den klangvollen Sorten Bacchus, Kerner und Müller-Thurgau. Deren Sortentypizität steht aber nicht im Vordergrund. Deutlich prominenter die Herkunft: der Iphöfer Kronsberg. Zehn Tage lang auf der Maische vergoren, danach ins Fass und schließlich ungefiltert in die Flasche. An die lange Fermentation erinnern die Töne von Äpfeln und Kräutern in der Nase, an den Einfluss des Keuperbodens das angenehm kühle Mundgefühl mit Zitronen und saftigen Früchten
Preis: 14,00 €

Bezugsquelle: www.naturweinwelt.de

 

Weingut Hiller (Randersacker)

Ein klitzekleines Weingut. „Dafür ist hier alles Handarbeit, und die Wege sind kurz“, erklärt Christian Hiller. Der Akribiker ist Perfektionist im Weinberg wie im Keller. Vorsichtige Pressung und erste Vorklärung, natürliche Sedimentation, Gärung im Edelstahlstank, teils spontan, teils mit ausgesuchten Reinzuchthefen und dann wieder viel Ruhe im Barrique sind sein Rezept.

2020 Hiller Randersacker Marsberg Silvaner Alte Reben
50 Jahre alte Rebstöcke sind schon ein Schatz. Umso besser, wenn sie tief in einen steinigen Weinberg wie dem Marsberg wurzeln. Duftet nach Wiese, Wiesenblumen, mildem Estragon, Kräutern, vegetabil, etwas Schießpulver im Hintergrund. Am Gaumen saftige Frucht, reife Äpfel, Birnen, rosa Grapefruit, konzentriert, fast süßlich im Abgang, super mineralisch, gute Textur
Preis: 11,00 €

2020 Randersacker Silvaner Prestige
die besten, handselektierten Trauben stecken in diesem Wein. Spontan im Holzfass vergoren und mit langer Reifezeit, zeigen sie Fülle und üppige Mineralität, florale Töne wie exotische Blüten, dann sehr reife Honigmelone und Ananas. Sehr dicht
Preis: 18,00 €

Bezugsquelle: www.hiller-wein.de

 

Winzerhof Stahl (Auernhofen)

Christian Stahl führt mit 35 Hektar eines der größten Weingüter Frankens. In seinen unterschiedlichen, über die Region verteilten Lagen findet er für sehr verschiedene Rebsorten das richtige Terroir.

2020 Felswand Sauvignon Blanc
in der winzigen Einzelparzelle im Maintal entsteht ein Sauvignon Blanc mit großer Finesse. In der Nase mineralisch mit nassen Kieseln. Elegantes Spiel am Gaumen, exotische Früchte und Limone. Sehr zugänglich und doch meilenweit entfernt von standard-kaltvergorenen Versionen
Preis: 38,00 €

2020 Steinmauer Chenin Blanc 2020
die kalkigen Böden am Main sind ein idealer Standort für die Rebsorte. Duftet fein nach Lakritz und Schafswolle. Im Mund nussig und elegant, dazu hefig und cremig. Sortentypisch mit der typischen feinen Süße. Das alles hallt lange nach. Eigentlich tut man das ja nicht, aber wenn man sich ihn in einer Verkostung mit Loire-Weinen vorstellt, gäbe es da wohl eine echte Überraschung
Preis: 22,00 €

Bezugsquelle: www.winzerhof-stahl.de

 

Bastian Hamdorf (Klingenberg am Main)

Bastian Hamdorfs Weinberge sind so steil, dass schon die Zufahrt Respekt einflößt. Die Rebstöcke auf winzigen Terrassen erreicht man dann zu Fuß oder gar nicht. Hamdorf weiß genau, warum er sich das antut. Der karge Klingenberger Buntsandstein ist ein einzigartiges Terroir, auf dem er ein paar Rotweine in einem ganz eigenen Stil zaubert. Alle profitieren davon, wenn man ihnen Luft gibt.

2018 Blaufränkisch
duftet nach sehr reifer schwarzer Kirsche, Mon Chéri, Milchschokolade, Brombeeren und Blaubeermarmelade. Am Gaumen typisch Blaufränkisch – mineralisch mit Eisenton; Schattenmorellen, konzentriert, seidig und cremig
Preis: 18,00 €

2017 Portugieser
Portugieser gilt bei den wenigsten Winzern als Vorzeigewein. Bastian Hamdorf ringt den Uralt-Stöcken des Großheubacher Bischofsbergs ein feines Tröpfchen ab. Komplexe Nase von schwarzem Kaffee, Borke, Piement und schwarzem Pfeffer. Die Aromen tauchen auf der Zunge wieder auf, gepaart mit feinen Tanninen und Mineralität. Mittlerer Körper, schöner Nachhall
Preis: 32,00 €

Bezugsquelle: www.weingut-bastian-hamdorf.de

 

Weltner (Rödelsee)

Zugegeben, Paul Weltner hat einen gewissen Wettbewerbsvorteil: Die Lagen rund um Rödelsee haben einen sehr hohen Keuperanteil. Seine meisten Reben sind Silvaner, die diese Böden extrem gut ausdrücken. Diese magischen Lagenweine gehören zum Besten, was man aus der Rebsorte machen kann.  

2020 Rödelseer Küchenmeister Sylvaner VDP.Erste Lage
Küchenmeister ist die Paradelage unterhalb eines Hochplateaus mit mächtigen Gips- und Muschelkalkschichten. So entsteht die enorme mineralische Konzentration in den feingliedrigen Weinen. Daneben riecht man Nuss- und Zitrusnoten. Am Gaumen liegen Aromen von Nektarinen, Limonen und duftige Honigmelone über einer tiefen Mineralität. Eine elegante, präzise Säure trägt den Wein zu einem sehr langen, fein-salinen Abgang. Die Lage Küchenmeister wurde 1360 zum ersten Mal erwähnt. Das ist früh – aber andererseits kein Wunder
Preis: 15,00 €

2020 Hoheleite Sylvaner Großes Gewächs
die Hoheleite – im Alleinbesitz von Weltner – ist im Küchenmeister noch mal ein Filetstück, das sich ganz oben, waagerecht durch die Lage zieht, so wie die darunter liegenden Ton-, Gips- und Sandsteinschichten. Die erzeugen in dem Wein eine schon extreme Spannung. In der Nase sind es Früchte wie Mirabelle, Pfirsich und reife Äpfel über dem Feuersteinton. Am Gaumen oszillieren würzige Wiesenkräuter, Haselnüsse, Minze, dazu eine hochkonzentrierte Mineralschicht, die dem Wein Komplexität und Länge gibt. Viel besser kann Silvaner kaum werden
Preis: 35,00 €

Bezugsquelle: www.weltnerwein.de

 

Ausgabe 02/2022

Der Südpfälzer Johannes Jülg im Portrait // Erntebericht 2021 // Meiningers Deutscher Pinot-Preis
Ausgabe 2/2022

Themen der Ausgabe

Heißes für kalte Tage

... damit starten wir ins neue Jahr: Unsere vegetarische Bouillon mit Perldinkel & Riesencroûtons ist an nasskalten Wintertagen genau das richtige Gericht. Sommelier Silvio Nitzsche hat dazu die passende Cuvée aus Blauem Zweigelt und Blauem Wildbacher gefunden.
»»Hier geht es zu Rezept & Weintipp 

Franken: Alles neu?

Vom Pét Nat bis hin zum hochfiligranen Tröpfchen: Frankens Winzer haben neben Silvaner und Co. so einiges zu bieten. Glauben Sie nicht? Wir haben verschiedene Winzer besucht, ihre Weine verkostet, und unsere Vorurteile schnell über Bord geworfen. »»Hier geht es zu unseren ausgewählten Weintipps

Kein Jahr für schwache Nerven

Frost, Hagel, Starkregen …  2021 war kein einfaches Weinjahr. Wie die Winzer weltweit mit den Herausforderungen umgingen und welche Länder schließlich von einer erfolgreichen Weinlese berichten konnten, lesen Sie in unserem Erntebericht.