Prof. Dr. Ulrich Fischer; Foto: AD LUMINA/Ralf Ziegler
Prof. Dr. Ulrich Fischer; Foto: AD LUMINA/Ralf Ziegler

Absacker - Auf ein Glas mit Prof. Dr. Ulrich Fischer

Uli Fischer gilt als Koryphäe in Sachen Sensorik und Oenologie. Begleitet von einem guten Glas Wein durften wir einen Blick in seinen privaten Weinkeller werfen…

Interview: Sophia Langhäuser

Woher stammt Deine Liebe zum Wein und insbesondere zur Sensorik?
Das Ganze begann schon sehr früh, aufgewachsen bin ich an der Mosel in Bernkastel-Kues, dort trinkt man eher süße Weine wie zum Beispiel Riesling Kabinett, die einem auch in jungen Jahren schon schmecken. Mein Vater war im Weingut tätig, zu Hause wurde also immer mal ein Glas Wein getrunken und meine Mutter sagt, ich hatte schon damals eine gute Nase. An der Uni in Davis bin ich dann verstärkt zur Sensorik gekommen. Dort war es spannend zu erfahren, wie vielfältig man Weine beschreiben kann.

Du stammst ursprünglich von der Mosel, lebst heute aber in der Pfalz. Welche Region überwiegt in Sachen Weinherkunft in Deinem Weinkeller?
Ganz klar, die erste Stelle hat die Pfalz eingenommen. Auch wegen der vielen Freundschaften zu den Winzern hier. An zweiter Stelle steht die Mosel, mit tollen lieblichen Weinen, mit viel Säure, Spannung und enormer Alterungsfähigkeit.

Weinsammler oder Gleichtrinker?
Ich bin zwangsläufig Weinsammler, weil ich nicht hinterherkomme. Ich muss schauen, dass ich neuen Platz schaffe für neue Anschaffungen, bin aber zugegeben auch Liebhaber von gereiften Weinen und trinke gerne gereifte Rieslinge.

National oder international, wo liegt der Fokus in Deinem Weinkeller?
Das ist halb/halb. Beim Rotwein mehr international, beim Weißwein mehr national.

Hast Du einen Lieblingsweintyp?
Eine Weinart, in die ich mich verliebt habe, sind Cabernet Sauvignons aus Kalifornien. Als ich 1988 an die Uni nach Kalifornien ging, war das eine Offenbarung. Die Weine von Robert Mondavi oder Stags Leap waren schon damals ganz großartig. Meine zweite Liebe ist aber ganz klar gereiften Rieslingen aus der Pfalz gewidmet.

Was kannst Du zur richtigen Weinlagerung sagen?
Der Fokus ist hier manchmal nicht ganz richtig. Die Leute perfektionieren ihre Lagerbedingungen sehr stark. Ich würde die Sache etwas anders angehen: Ein guter Wein und auch ein guter Sekt lagern locker, auch unter nicht optimalen Bedingungen, 10 oder 15 Jahre lang sehr gut. Deswegen habe ich keine Klimaanlage oder Ähnliches in meinem Keller. Ich lege mehr Wert darauf, gute Weine einzulagern und nach maximal 10 bis 15 Jahren zu trinken.  

Prof. Dr. Ulrich Fischer; Foto: AD LUMINA/Ralf Ziegler
Prof. Dr. Ulrich Fischer; Foto: AD LUMINA/Ralf Ziegler

Kochst Du in deiner Freizeit gerne oder lässt Du Dich lieber bekochen?
Ich koche sehr gerne, habe früher aber mehr gekocht als heute. Für Freunde, die durchaus anspruchsvoll sind, wenn es um gutes Essen geht, habe ich auch schon ein 5-Gänge-Menü gezaubert.
Das geht dann querbeet. Indisch, wenn ich vegan koche, weil dort die Gewürz-Vielfalt großartig ist, aber auch gerne etwas mit Fisch, ich bin kein guter Grillmensch (lacht). Deswegen fällt mir auch der Wechsel zur vegetarischen Küche leicht. Mit guten Gewürzen macht es mir Spaß, Soßen zu kreieren. Da kommt dann der Sensoriker durch.

… Und welchen Wein gibt es dazu?
Zu indischem Essen ganz klar Weißwein. Das geht nicht mit alkohol- und tanninlastigen Weinen. Ich bin auch kein Freund von süßen Weinen dazu. Ich empfehle gereifte Weine, zum Beispiel einen 10 bis 12 Jahre alten Silvaner aus Franken oder auch einen Riesling. Der Wein muss den Mund erfrischen.

Neue Rebsorten, Trends auf dem Weinmarkt, hast Du Tipps für die Zukunft?
In einem Forschungsprojekt entwickeln wir neue Stilistiken der PIWIs. Da habe ich schon tolle Sachen probiert wie zum Beispiel Cabernet Blanc oder Satin Noir. Das ist etwas Neues, wobei die Winzer auch erst noch lernen müssen, wie sie es besser machen können. Die guten Weine sind hier aber auf jeden Fall schon auf Augenhöhe mit den klassischen Rebsorten. Auch der Anbau internationaler Rebsorten wie Syrah, Tempranillo, Cabernet Franc usw. wird zukünftig weiter zum Thema werden.

… Hast Du eine besondere Empfehlung für uns was PIWIs angeht?
Viele Winzerpioniere wie Klaus Rummel und Egon Schmitt haben schon viel Erfahrung damit und das merkt man dann auch an der Stilistik der Weine. Wer es etwas ausgefallener mag, der geht zum Weingut Galler. Da gibt es viele tolle Namen deutschlandweit.

Was sagst Du zum Jahrgang 2021? Top oder Flop?
Der Jahrgang 2021 ist eine Herausforderung für die Winzer gewesen, hier wurde das Know-how gefragt. Aber es gibt auch viele Könner, die großartige Weine hinbekommen haben, die etwas leichter und säurebetonter sind als die Jahre zuvor. Die Verbraucher werden nicht merken, wie schwierig die Gesamtsituation im Sommer war, was zum Beispiel den Pflanzenschutz angeht. Daher ganz klar Top!

 

Prof. Dr. Ulrich Fischer
ist neben seiner Position als Leiter des Instituts für Weinbau & Oenologie in der Weinwirtschaft durch zahlreiche Vorträge und mehrfach ausgezeichnete Fachpublikationen international bekannt. Zusätzlich unterrichtet er Studenten unter anderem am Weincampus in Neustadt in den Fächern Oenologie, Sensorik und Chemie und berät die Bundesregierung innerhalb der internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV).

[email protected]
www.weincampus-neustadt.de 

 

 

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Der Südpfälzer Johannes Jülg im Portrait // Erntebericht 2021 // Meiningers Deutscher Pinot-Preis
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