Natürliches Mineralwasser weise im Übrigen eine hohe Qualität auf und zeichne sich durch seine ursprüngliche Reinheit aus. Dies bestätigt die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test von natürlichen Mineralwässern ohne Kohlensäure (Ausgabe 08/2021).
Natürliches Mineralwasser weise im Übrigen eine hohe Qualität auf und zeichne sich durch seine ursprüngliche Reinheit aus. Dies bestätigt die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test von natürlichen Mineralwässern ohne Kohlensäure (Ausgabe 08/2021).

Refill-Stationen und Trinkbrunnen zu 50 Prozent belastet

Eine im Auftrag des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM) durchgeführte Untersuchung von Wasserproben aus Trinkbrunnen und Refill-Stationen kommt zu dem Ergebnis, dass sich in jeder zweiten Probe mikrobiologische Verunreinigungen oder Röntgenkontrastmittel (öffentliche Trinkbrunnen) finden ließen.

In vielen deutschen Städten und Kommunen bieten knapp 5.600 leitungsgebundene öffentliche Trinkbrunnenanlagen und Refill-Stationen kostenlosen Zugang zu Leitungswasser an. An öffentlichen Plätzen und überall in Cafés, Arztpraxen, Rathäusern und Geschäften des täglichen Lebens, wo ein blauer Refill-Aufkleber angebracht ist, kann kostenfrei Leitungswasser konsumiert oder in mitgebrachte Flaschen abgefüllt werden. Anbieter und Nachfrager machten sich laut VDM hinsichtlich Hygiene und Qualität des Wassers jedoch zumeist wenig Sorgen. 

Regelmäßige Hygienekontrollen gefordert

Vor diesem Hintergrund sehe der VDM die Notwendigkeit, "dass auch Betreiber von Refill-Stationen zwingend mit einem HACCP-Konzept (Hazard Analysis Critical Control Points = Risikoanalyse von Gefahren und kritischen Kontrollpunkten) zur Qualitätssicherung von Lebensmitteln, wie etwa in der Gastronomie vorgeschrieben, ihrer Verantwortung für die Abgabe eines genusstauglichen Leitungswassers gerecht werden. Dies bedeute regelmäßige und kontinuierliche Maßnahmen und Kontrollen zur Gewährleistung einer einwandfreien Hygiene von der Wasseruhr bis zur Entnahme aus dem Hahn, so die Forderung des VDM.

"Wasser als Lebensmittel Nummer eins kommt auf verschiedenen Wegen zu den Menschen - ob aus der Leitung oder aus der Flasche. Im Mittelpunkt steht der Schutz der Gesundheit der Menschen, der durch eine hohe Produktsicherheit gewährleistet wird", erläutert Dr. Karl Tack, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen. "Der Tatsache, dass die Unternehmen, die sich der Refill-Bewegung angeschlossen haben, die Produktverantwortung für die Qualität des abgegebenen Leitungswassers tragen, wird zu wenig Beachtung geschenkt."

Jede zweite Probe belastet

Eine im Auftrag des VDM 2020 durchgeführte Studie des unabhängigen Institutes Fresenius (SGS Institut Fresenius, Taunusstein) könne laut VDM eine mit dem Naturprodukt Mineralwasser vergleichbar hohe Qualität des Leitungswassers nicht bestätigen. "Die Ergebnisse zeigen, dass viele Leitungswässer, die für diese Untersuchung in Refill-Stationen und öffentlichen Trinkbrunnen entnommen wurden mikrobiologische und chemische Belastungen aufweisen", erklärt Sebastian Rau, Customer Service Manager Beverages und Standortleiter am SGS Institut Fresenius.

Deutschlandweit seien 30 Wasserproben an öffentlichen Trinkbrunnen und 30 Stichproben von Refill-Stationen im Rhein-Main-Gebiet qualifiziert entnommen und qualitativ analysiert worden. 33 Prozent der öffentlichen Trinkbrunnen und 57 Prozent der untersuchten Refill-Proben hätten fakultativ pathogene Keime aufgewiesen. Diese könnten laut Biostoffverordnung (BioStoffV) für schwer immun geschwächte Menschen, also zum Beispiel für Babys, Krebs- und Aidskranke, ein gesundheitliches Risiko darstellen. "Von einer professionellen Reinigung oder einer regelmäßigen Qualitätskontrolle berichteten uns nur die wenigsten Betreiber der Refill-Stationen", bewertet Sebastian Rau die Ergebnisse. 

Die Betreiber der Refill-Stationen seien vorab über den Hintergrund der Probenahme ausführlich informiert worden. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren nach Trinkwasserverordnung (TrinkwV) sei das Keimwachstum auf Basis des Nährmediums Blutagar untersucht worden. Eine Vorgehensweise, mit der die Stiftung Warentest in ihrem vergleichenden Wassertest 07/2019 Mineralwasser, aber nicht das Leitungswasser, mikrobiologisch untersucht habe.

Röntgenkontrastmittel in jeder zweiten Probe von Trinkbrunnen

Bei oberirdischen Verunreinigungen, wie Arzneimittelrückständen und Pestizidmetaboliten konzentrierte sich SGS auf den Nachweis von Röntgenkontrastmitteln und Korrosionsschutzmitteln. Bei Letzteren seien für jede dritte Probe eines Trinkbrunnens aber nur in 3 Prozent der Refill-Proben Befunde oberhalb der Bestimmungsgrenze analysiert worden; ein Grenz- oder Orientierungswert für Korrosionsschutzmittel existiere noch nicht. Da die Rohrleitungssysteme öffentlicher Trinkbrunnen einem höheren Korrosionsrisiko unterlägen, könnte die erhöhte Anzahl von Befunden mit der vorbeugenden Behandlung öffentlicher Trinkbrunnen zusammenhängen.

Bei Röntgenkontrastmitteln hingegen hätten sogar 53 Prozent der Trinkbrunnenproben und 23 Prozent der Refill-Proben den bei der amtlichen Anerkennung von Mineralwässern geltenden strengen Orientierungswert von 0,05 Mikrogramm/Liter für Arzneimittelrückstände überschritten. "Die häufige Anwesenheit von Arzneimittelrückständen wie Röntgenkontrastmitteln in Trink- und Leitungswässern ist bekannt und wird bislang in der Regel nicht durch den Einsatz entsprechender Aufbereitungstechnik verhindert", erklärt Sebastian Rau.

Hohes Vertrauen in die Hygiene der Refill-Stationen

Das hohe Vertrauen in die Leitungswasserqualität der Refill-Stationen basiere u.a. auf der falschen Annahme von mehr als 80 Prozent der potentiellen und tatsächlichen Refill-Nutzer. Diese gehen davon aus, dass die Dachorganisation Refill Deutschland ihre Stationen vor Ort einem strengen Auswahlprozess unterziehe und diese regelmäßig auf wichtige Qualitäts- und Hygienestandards hin überprüfen würde. Dies sind die Ergebnisse einer aktuellen quantitativen Verbraucherstudie 2021, die das Bochumer Marktforschungsinstitut Foerster & Thelen im Auftrag des VDM im Mai 2021 durchgeführt hat. Befragt wurden Nutzer, potentielle Nutzer und Ablehner von Refill-Stationen (n = 1020).

Refill Deutschland hingegen weise auf ihrer Website die Nutzer hinsichtlich der Hygiene-Prüfung einzelner Stationen darauf hin, dass die Nutzung der Refill-Stationen auf eigene Verantwortung erfolge und für die Sauberkeit des Wasserhahns der Refill-Anbieter zuständig sei.

Für die Hygiene der mitgebrachten Gefäße sei ausschließlich der Verwender, für die Sauberkeit der Stelle der Wasserentnahme der Refill-Anbieter zuständig. Die Dachorganisation gehe laut VDM davon aus, dass Hygiene und Sauberkeit eine Selbstverständlichkeit seien. Darüber hinaus würden die Nutzer mit dem Hinweis "Leitungswasser hat in Deutschland eine hervorragende Qualität und wird von den Wasserbetrieben ständig überprüft" in Sicherheit gewogen.

Der Hinweis auf die hervorragende Leitungswasserqualität falle nach Angaben des Verband Deutscher Mineralbrunnen sowohl bei Nutzern als auch potentiellen Nutzern auf fruchtbaren Boden, denn 80 bzw. 77 Prozent hätten großes Vertrauen in die deutsche Leitungswasserqualität und gingen in der Studie davon aus, dass Leitungswasser das bestkontrollierte Lebensmittel in Deutschland sei.

Natürliches Mineralwasser weise im Übrigen eine hohe Qualität auf und zeichne sich durch seine ursprüngliche Reinheit aus. Dies bestätigt die Stiftung Warentest in ihrem aktuellen Test von natürlichen Mineralwässern ohne Kohlensäure (Ausgabe 08/2021). //pip

Ausgabe 19/21

Titelseite Getränke Zeitung (Stockwerk-Fotodesign - stock.adobe.com)

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