Foto: André Dominé
Foto: André Dominé

Crus der Côtes-du-Rhône

Gigondas, Rasteau, Beaumes de Venise, ebenso wohlklingende wie reizvolle Dörfer, ebenso kräftige wie dichte Weine. Dabei gewinnen die aktuellen roten Crus an Finesse.

Text: Michael Hornickel

Die südliche Rhône ist ein kompliziertes Mosaik aus generischen Weinen, Villages ohne und mit Dorfnamen sowie acht Crus (Gemeindeappellationen). Wir beschränkten unsere Verkostung auf rote, aktuell verfügbare Crus (Gigondas & Co., ohne AOP Châteauneuf-du-Pape, die wir in Heft 2/2014 vorstellten) und einige Villages, die das Zeug zum Cru haben.

Gigondas, der ewige Zweite (hinter Châteauneuf-du-Pape) der südlichen Côtes-du-Rhône, verteidigt seine Position ganz gut. Die spannendsten Weine kommen von den höher gelegenen, zum Teil abenteuerlich zu bewirtschaftenden Rebflächen im extrem kalkigen Felsmassiv der Dentelles de Montmirail. Die Gewächse zeichnen sich außer durch ihre enorme Kraft durch eine reizvolle Würze aus, die manchmal an die Provence-typische Garrigue (karge, felsige Heidelandschaft) erinnert, manchmal balsamisch ausfällt (ätherischer Duft nach Minze, Pinie, Wacholder, Holunder, Hagebutte ...). Dann sind sie auch am besten, weil sie frisch wirken. Das gilt übrigens für alle anderen Rhône-Weine auch. 

Beaumes de Venise: Die Rotweine des Ortes stehen im Schatten der bekannten, süßen Muscat VDN (Vin Doux Naturel), die aber an Marktbedeutung verlieren. Deshalb sind die Rotweine im Kommen.

Rasteau: Der neue Cru (seit 2010) gilt schon lange als Geheimtipp. Manche halten das Potenzial der Lagen um Rasteau für das größte des gesamten südlichen Rhône-Tals. Es wird sich auf jeden Fall lohnen, diese AOP weiter zu beobachten.

Vinsobres: Ein wenig verkannt liefert Vinsobres leicht wirkende, fruchtig-säurefrische Rotweine, in trockenen Jahren schon mal mit etwas kantigen Tanninen.

Lirac: Typisch für das rechte Rhône-Ufer präsentieren sich auch die Lirac voluminös und mollig.

Massif d’Uchaux: Die kaum bekannte Appellation war unter Insidern schon lange ein Geheimtipp. Die Weine des Massivs verschiedenster Böden zeigen sich im Idealfall rassig und mineralisch.

Plan de Dieu: Die flachen Schwemmland-Rebflächen, Hitze und Mistral ungeschützt ausgesetzt, wirken zunächst belanglos, sind aber übersäht mit Kieselsteinen, die, mit Lehm durchsetzt, bis zu zehn Meter in die Tiefe gehen können. Hier wachsen bei wenig Ertrag sehr dichte, langlebige Weine.

 

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