Das Stammhaus von Henkell Freixenet in Wiesbaden (Foto: Henkell Freixenet)
Das Stammhaus von Henkell Freixenet in Wiesbaden (Foto: Henkell Freixenet)

Von Welle zu Welle

Unter dem Dach von Henkell Freixenet hat die Oetker-Gruppe ihre Sekt-, Wein- und Spirituosen-Aktivitäten gebündelt. Im Geschäftsjahr 2020 konnte der Konzern einen Umsatz von 1,195 Mrd. Euro erzielen, was einem angesichts der Corona-Pandemie geringer als erwarteten Rückgang von minus 7,4 Prozent entspricht. Bereinigt um Konsolidierungs- und Wechselkurseinflüsse reduziert sich der Rückgang auf minus 6,5 Prozent. Abzüglich der Sekt- und Branntweinsteuer lag der Konzernumsatz bei 972 Mill. Euro nach 1.056 Mill. Euro in 2019. 

An seiner eingeschlagenen Strategie will der Konzern festhalten und auch weiter auf globale (Global Heros) und starke lokale (Local Heros) Marken setzen, wie Dr. Andreas Brokemper Sprecher der Geschäftsführung im Gespräch mit WEINWIRTSCHAFT erläuterte. Dazu gehört auch, dass nicht benötigte Marken im Portfolio wie Deinhard oder Geschäftsbereiche wie die Produktion in der Ukraine abgestoßen werden (WEINWIRTSCHAFT berichtete).  

Aufgrund der Struktur des Unternehmens mit seinen weltweiten Aktivitäten sowohl in der Produktion wie der Distribution mit Tochtergesellschaften in 30 Ländern und dem Vertrieb in 150 Staaten der Erde ist die Situation in den nationalen Märkten ganz unterschiedlich zu beurteilen, skizziert Brokemper die Herausforderungen vor denen das Unternehmen in der Corona-Pandemie stand. 

Dabei ergaben sich zwei wesentliche markt- und konsumspezifische Einflussfaktoren auf das Geschäft des Konzerns. In Ländern der Kernregion Deutschland, Österreich u Schweiz (DACH-Region) mit einem hohen Anteil und in der Pandemie geradezu boomenden Absatz über die Unternehmen des Lebensmittelhandels konnte der Absatz der Wein-Sekt und Spirituosenmarken auf hohem Niveau gehalten werden. In der DACH-Region erzielte Henkell Freixent einen Umsatz von 304 Mill. Euro, was einem Zuwachs von 1,1 Prozent entspricht. Auch in England lief es für den Konzern gut, da hier Weinserien wie »I heart« oder Marken wie der »Freixenet Prosecco« gut zulegen konnten.

Absatz- und Umsatzeinbußen musste das Unternehmen im Gegenzug überall dort verbuchen, wo der Konsum von Wein, Schaumwein und Spirituosen überwiegend in der Gastronomie stattfindet, was in großem Maße für das Freixenet-Kernabsatzgebiet Spanien, aber auch Italien (Mionetto Prosecco) oder Frankreich (Champagne Alfred Gratien und verschiedene Cremants) gilt. Zusätzlich machte sich für den Konzern neben der zeitweiligen Schließung der Gastronomie der Ausfall des touristischen Konsums und des Absatz im Zuge des Reiseverkehrs bemerkbar. Spanien, erläuterte Brokemper hatte vor der Pandemie 80 Millionen . touristische Einreisen, die sich in 2020 auf 20 Millionen reduzierten. 

Entsprechend den landesspezifischen Verhältnissen fielen auch die in 2020 erzielten Umsätze nach Regionen aus: Neben der oben erwähnten DACH-Region sind das Westeuropa mit einer Umsatzeinbuße von Minus 10,2 Prozent auf 323 Mill. Euro, Osteuropa mit einem leichten Minus von 5,4 Prozent auf 165 Mill. Euro, Amerika (USA, Mexiko, Kanada) mit einem deutlichen Minus von 20,2 Prozent auf 133 Mill. Euro und die Region Asien/Pazifik mit einem Umsatzrückgang von 15,9 Prozent auf 42 Mill. Euro.

In den USA spielten für den Konzern, der dort neben der Distribution von Mionetto- und Freixenet-Produkten auch mit Produktionsbetrieben aus dem Portfolio von Freixenet in Kalifornien (Gloria Ferrer) und Mexiko (Finca Sala Vivé) aktiv ist, neben dem Lockdown der Gastronomie auch das spezifische Three-tier-System mit zwischengeschalteten Importeuren und Distributeuren im Absatz eine Rolle. Aller Schwierigkeiten zum konnte Brokemper aber auch manches Highlight vermelden, so erzielte die Marke Freixenet 2020 mit 99,3 Mill. Flaschen einen Absatzrekord. 

Trotz der Corona-bedingten Einbußen reklamiert Henkell Freixenet die Position als Weltmarktführer in Absatz und Umsatz bei Schaumwein mit einem Weltmarktanteil von 8,5 Prozent (nach Absatz) bzw. 9,7 Prozent (nach Umsatz). 2020 hatte der Konzern weltweit 3.494 Mitarbeiter beschäftigt, etwas weniger als im Vorjahr aufgrund der Verkäufe von Unternehmensteilen sowie der Standortschließung in der Ukraine. In Deutschland beschäftigte Henkell Freixenet mit 616 Mitarbeiter etwas mehr als 2019. hp 
 

Die Umsatzzahlen von Henkell Freixenet auf einen Blick
Wichtige Umsatzkennzahlen von Henkell Freixenet auf einem Blick (Quelle: Henkell Freixenet)

 

Schlagworte