Pieroth Deutschland schlüpft unter Schutzschirm

Dienstag, 16. April 2019 - 15:00
Handel
Weinhandel

Ein Vino-Weinmarkt von Pieroth in Brinkum

Die Pieroth Wein AG will unter dem Stichwort "Pieroth 2020" umfassende Maßnahmen zur grundlegenden Umstrukturierung des Unternehmens ergreifen. Darüber wurden am 16. April 2019 auf den Mitarbeiterversammlungen am Standort Langenlonsheim sowie bei der Pieroth Deutschland GmbH die Betriebsangehörigen informiert.

Der Vorstand um Vorstandssprecher Dr. Sebastian Potyka und Dr. Bernd Köhler räumte dabei ein, dass das Geschäftsjahr 2018 nicht die Ergebnisse gebracht hat, die erwartet worden seien. Es gebe daher keine Tabus mehr, und es würden alle Maßnahmen zur Sanierung und Zukunftssicherung im Raum stehen, vom Verkauf des Immobilienbesitzes bis zur Veräußerung verschiedener Geschäftsaktivitäten in Vertrieb, Produktion und Logistik. 

Der Vorstand habe sich deshalb dazu entschlossen über die Pieroth Deutschland GmbH, einem der Vertriebsunternehmen der Pieroth Wein-Gruppe, ein förmliches Schutzschirmverfahren zu beantragen, dem die zuständige Richterin am Amtsgericht Bad Kreuznach bereits am 15. April zugestimmt habe.

Verfahren ähnlich wie Chapter 11

Ein solches Schutzschirmverfahren ist erst seit 2012 möglich und entspricht dem in den USA gängigen Chapter-11-Verfahren, dass eine Rettung des Unternehmens in eigener Regie ermöglicht. Potyka und Köhler sind überzeugt, "das wir das betroffene Vertriebsunternehmen mit dem Schutzschirm nachhaltig profitabel machen und erhalten können." Das Projekt Pieoth 2020 habe drei Säulen: mehr Effizienz gewinnen, sich von Risiken trennen und gezielt in die Zukunft investieren.

Am bisherigen Ziel der Schaffung einer Pieroth-Markenwelt wolle man festhalten und ein entsprechendes Portfolio aufbauen. Kern des Unternehmens bleibe der Direktvertrieb hochwertiger Weine an Endverbraucher. Der Bereich E-Commerce solle gestärkt werden. Hier würden Investitionen in die Zukunft des Unternehmens getätigt.

Die angesprochenen Immobilienverkäufe betreffen Teile von Burg Layen, an der unter anderem die Zentrale der Pieroth Wein AG ihren Sitz hat, sowie die Standorte und Betriebsstätten, an denen Produktion und Logistik angesiedelt sind. Am Standort in Burg Layen würden lediglich 60 Prozent der Flächen benötigt, weshalb die Immobilie, wie bereits angekündigt, verkauft und der benötigte Teil zurückgemietet werden soll. Für die Produktion und Logistik würden Partner gesucht, die die Geschäftsfelder übernehmen und von Pieroth quasi im Lohn beauftragt würden.

Die Vino-Läden kommen unter den Hammer

Last but not least solle der Bereich "Pieroth Retail", sprich die bisherigen "Vino-Läden" veräußert werden. Der Bereich umfasst derzeit 20 Standorte und beschäftigt rund 70 Mitarbeiter, die zusammen einen Umsatz von rund 15 Mill. Euro erzielen. Mögliche Partner könnten Unternehmen sein, die bereits über ein vorhandenes Filialnetz verfügten. Pieroth sei bereits in Gesprächen mit Interessenten. Man rechne mit einem Abschluss Mitte des Jahres.

Wie Unternehmenssprecher Andreas Valentin auf Anfrage von WEINWIRTSCHAFT betonte, dienten alle Maßnahmen dazu, Pieroth Wein wieder eine Zukunftsperspektive zu geben.

Der Umsatz der Gruppe habe vor zwei Jahren noch bei 250 Mill. Euro gelegen und sei 2018 auf 230 Mill. Euro gesunken. Das Geschäft der Pieroth Deutschland GmbH sei nur Teil des Gesamtunternehmens und stehe für circa 15 Prozent des Gesamtumsatzes. Dieser sei wichtig aber nicht alles entscheidend für den Gesamterfolg. Nur für diesen Teil sei das Schutzschirmverfahren eröffnet worden.

Die Familiengesellschafter, die ihre Interessen in der Pieroth Vermögensgesellschaft (PBG) bündeln, haben die Maßnahmen abgesegnet. Die PBG bildet die Klammer der aus Hallgarten England  (60 Mill. Euro), MAC (Messebau, 85 Mill. Euro) und Pieroth Wein Gruppe (230 Mill. Euro) mit den Tochtergesellschaften in Ländern wie Japan, Frankreich, England und weiteren Ländern sowie aus Kellerei/Produktion und Logistik bestehenden Gruppe. hp

 

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