Die Felslandschaft Dentelles de Montmirail, Foto: Mike Workman/stock.adobe.com
Die Felslandschaft Dentelles de Montmirail, Foto: Mike Workman/stock.adobe.com

Gigondas-Highlights

Während sich im Norden des Rhône-Tals kultige Namen aus Cornas, Côte-Rôtie oder Hermitage auf Augenhöhe begegnen, gibt es unter den südlichen Crus weiterhin nur ein echtes Flaggschiff: Châteauneuf-du-Pape. Umso mehr lohnt es sich, genauer hinzuschauen – denn einige kleinere Gebiete rund um die klangvolle Appellation bieten spannenden Stoff zu sehr fairen Preisen. Vorhang auf für Gigondas! Unsere Favoriten finden Sie ab 15. September in  »Ausgabe 6/21 von MEININGERS WEINWELT. 

Text: Christoph Nicklas

Wenn man Mitte Juli eine Verkostung von fast 100 Weinen aus Gigondas durchführt, kann das im wahrsten Sinne des Wortes und in doppelter Hinsicht hitzig werden. Doch wir hatten Glück, denn wettertechnisch fiel der Tasting-Termin in eine kühle Phase und weintechnisch lag rund die Hälfte der Anmeldungen nicht über 14,5 Volumenprozent Alkohol. Das ist ebenso erfreulich wie erwähnenswert, denn die gut 1 200 Hektar große AOP Gigondas ist nicht nur immer noch eine Art Geheimtipp, sondern auch für sehr hohe Gradationen berüchtigt (in unserer Probe hieß das: dreimal 16 Volumenprozent Alkohol und viermal 15,5 ).

Gigondas ist rot, und zwar richtig rot: 99 Prozent der Produktion entfallen auf Rotweine, das verbleibende Prozentchen auf Rosé (von denen sich sogar ein Vertreter ins dunkle Gemenge wagte). 220 Winzer widmen sich hier insbesondere der Sorte Grenache, die in den allermeisten Fällen als Cuvée mit Syrah und Mourvèdre, manchmal auch mit etwas Cinsault, Clairette oder homöopathischen Mengen Counoise und Picardan vinifiziert wird. Mindestens genauso wichtig wie das Thema Sortenwahl sind für Gigondas jedoch die geologischen Gegebenheiten. Einen prägenden Faktor stellen die Dentelles de Montmirail dar, eine Felslandschaft aus schmalen, steilen Bergkämmen von bis zu 730 Metern Höhe. Die Dentelles und ihre Ausläufer begrenzen die AOP im Osten und Süden, und sie bringen vor allem in den höheren Terrassenlagen einen hohen Kalk- und Mergelgehalt mit. In den tieferen Lagen sind die Schwemmlandböden hingegen stärker durch Lehm, Sand und Ton dominiert. Klimatisch sorgen die Höhenzüge für Schatten am Morgen und damit für einen langsameren Vegetationszyklus, was speziell der Grenache zugutekommt – denn die braucht Zeit zur Reife. Die nordwestliche Ausrichtung vieler Weinberge ist darüber hinaus eine hilfreiche Maßnahme gegen allzu extreme Sommerhitze und für mehr Frische im Glas.

Aber wie duftet und schmeckt Gigondas überhaupt? Was sich trotz vieler kleiner Unterschiede zwischen den Produzenten aromatisch durchzog, war eine in fast allen Weinen sehr dunkle Frucht (meist in Form von Schwarzkirsche, Brombeere und Cassis), erdig-kräutrige Würze (die als kühlere Ausprägung oft an Fenchel und Anis oder Wermutkraut, als wärmere teilweise auch an Garrigue denken ließ) und interessanterweise in etlichen der Top-Cuvées angenehm erfrischende Noten von Orangenzeste. Am Gaumen sind auch die besten Gigondas natürlich keine Leichtweine, sie stellen allerdings eine schöne Balance aus konzentrierter Dichte, Saftigkeit und Säurefrische her. Kräftig getoastetes neues Barrique ist beileibe nicht mehr immer gefragt, stattdessen begeisterten uns mutige, gekonnte Ausbauvarianten im Fuder (Piaugier), in der Amphore (bei Santa Duc) oder in Betontanks (z. B. bei Montirius). Stichwort mutig: Auch die eine oder andere deutliche Reduktionsnote im Duft gab den Weinen einen frischen, zeitgemäßen Touch und zeigte, dass man stilistisch nicht bei Reife und leichter Oxidation stehengeblieben ist, die man mit der südlichen Rhone häufig assoziierte.

Dank einer Serie sehr guter bis herausragender Jahrgänge seit 2015 (die ältesten im Tasting) und super Qualitäten schon zwischen 15 und 20 Euro bleibt eigentlich nur noch zu sagen: Gigondas darf gerne in den Keller und reifen.

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