Deutschland importierte 2020 1 Mill. Hektoliter weniger Wein (Foto: Petr Jilek/Fotolia)
Deutschland importierte 2020 1 Mill. Hektoliter weniger Wein (Foto: Petr Jilek/Fotolia)

Deutscher Im- und Export

Weltmeister adieu? Fraglich ob Deutschland angesichts eines stark rückläufigen Weinimports im Jahr 2020 den Titel als Importweltmeister wird halten können. 2020 ist die Gesamtmenge um 5,9 Prozent auf 13,7 Mill. Hektoliter gesunken (Vorjahr 14,6), wie aus den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für den 12-Monatszeitraum von Januar bis Dezember 2020 hervorgeht. 

Der Import liegt damit weit unter früheren Jahren. Gegenüber dem Vorjahr wurden rund 90 Mill. Liter weniger Wein aus dem Ausland verarbeitet, vermarktet, konsumiert oder sonst wie verbraucht. 

Einen Überblick, worauf der Rückgang zurückzuführen ist, wird man sich erst mit der Erstellung der nächsten Weinmarktbilanz verschaffen können. Erste Anhaltspunkte dürfte jedoch die Exportentwicklung liefern, da Deutschland seit Jahrzehnten erhebliche Weinmengen reexportiert und für etliche Länder die verlängerte Werkbank darstellt. 
Wertmäßig war der Rückgang der Importe im Übrigen mit –2,3 Prozent auf 2,47 Mrd. Euro geringer, womit der Durchschnittspreis von 173 auf 180 Euro pro Hektoliter anstieg. 

Große verlieren stark

Wichtigste Importländer bleiben unverändert Italien (5 Mill. hl), Frankreich (2 Mill hl) und Spanien (3,2 Mill. hl),. wobei die mengenmäßig größten Verluste sich auf diese drei Ländern konzentrieren. 

Die Überseeländer/Regionen USA/Kalifornien, Südafrika, Australien und Chile sind mit jeweils mehr als 400.000 Hektoliter neben Österreich (plus 12,8 %) und Portugal weitere wichtige Quellen für den deutschen Weinmarkt. Den höchsten Zuwachs der TOP 10 Weinimportländer erreicht Neuseeland das mit inzwischen rund 15 Mill. Litern Wein (+14,4 % in der Menge, +7,2 % im Wert) einen beachtliche Position erreicht hat.

Exporte ebenfalls rückläufig

Wie bereits oben angedeutet, lagen auch die Exporte von Wein aus Deutschland, den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge, deutlich im Minus und zwar sowohl die Netto-Exporte von deutschen Weinen als auch die Re-Exporte von zuvor importierten ausländischen Weinen, die seit langem die Exporte deutscher Weine um das Zweieinhalbfache übersteigen.

Der Export deutscher Weine, in der Statistik als »Nettoexporte« bezeichnet, verzeichnete Rückgänge in der Menge um 8,5 auf rund 95,3 Mill. Liter und im Wert um -9,2 Prozent auf 277 Mill. Euro. Erstaunlicherweise wirkt sich der Zollstreit der EU mit den USA weit weniger stark aus als zunächst befürchtet. Der Rückgang der Exporte in die USA sank lediglich um –5,6 Prozent.

Richtig heftig und in der Menge weit bedeutsamer büßte deutscher Wein im Export nach Großbritannien ein. Die Menge reduzierte sich um –45,7 Prozent von über 14 Mill. Litern auf nur noch 7,6 Mill. Liter. England hat damit am deutschen Weinexport gerade noch einen Anteil von 8 Prozent.

Reexporte noch stärker betroffen

Deutlich ins Minus sind auch die Reexporte gesunken: in der Menge um–17,4 Prozent auf 1,93 Mill. Hektoliter und im Wert um –19,2 Prozent auf 457 Mill. Euro. In Summe büßten die Reexporte über 40 Mill. Liter ein, wofür mit Exporteinbußen von schmerzhaften –55,1 Prozent die Entwicklung in Großbritannien hauptverantwortlich ist.. Die Reexporte nach England gingen von 49,4 Mill. Litern auf 22,1 Mill. Liter Wein zurück. 

Aber auch ein Rückgang der Reexporte in andere europäische Länder, insbesondere in die skandinavischen Länder, war zu verzeichnen. Wie Kellereien und Exportbetriebe berichten, haben der Lockdown in der Gastronomie, aber auch eine gewisse Konsumzurückhaltung zu den Einbußen geführt.

Der starke Rückgang der deutschen Weinimporte dürfte damit etwa zur Hälfte auf den Rückgang der Reexporte zurückzuführen sein und zum anderen auf eine geringere Inlandsverwendung importierter Weine. hp

Der Import stieg nur aus Österreich und Übersee-Ländern (Quelle: Statistisches Bundesamt)
Der Import stieg nur aus Österreich und Übersee-Ländern (Quelle: Statistisches Bundesamt)