Vergleichsprobe Rheinhessen: Niersteiner Pettenthal + Westhofener Morstein

MEININGERS WEINWELT
Mittwoch, 11. März 2015 - 9:30
Verkostungen

Längst liefert das rheinhessische Rebenmeer auch Weine internationaler Klasse. Dazu tragen einige Dutzend Top-Lagen bei, wie etwa der kalkige Morstein und der schiefrige Pettenthal.

Pettenthal vs. Morstein - kühl-kalkig oder schiefrig-herb

Rheinhessen ist eine sanfte Hügellandschaft. Wo Hügel, da auch Gefälle. So stehen die Reben meist in mehr oder weniger südlich ausgerichteten, sanften Hanglagen, wie etwa der Morstein. Seltener sind im größten deutschen Anbaugebiet Rebflächen mit echtem Steillagen-Charakter. Da muss man sich schon Richtung Rhein orientieren zum Roten Hang, wie der östliche Steilabfall des rheinhessischen Plateaus zum Rhein hinunter genannt wird. Besonders spektakulär sieht das zwischen Nierstein und Nackenheim aus. Hier sorgt unter anderen die Lage Pettenthal für einige der spannendsten Weine der Region.

Pettenthal – Roter Tonschiefer

Pettenthal ist neben den benachbarten Hipping und Ölberg die wohl steilste Lage Rheinhessens (bis zu 70 Prozent). Der Name Pettenthal ist seit 1753 katasteramtlich erfasst und soll sich von der Krötenwanderung (Kröten = Petten) ableiten, die hier zu den oben am Hang gelegenen Quellen und Sumpflöchern früher beobachtet wurde. Eine andere Theorie leitet den Namen von „Paters Tal“ ab, war die Lage doch lange in kirchlichem Besitz. Der Boden stammt aus dem sogenannten Rotliegenden, also ein wirklich rotfarbener Belag (daher auch der Name Roter Hang), der sich aus kalkreichen Ton-, Schluff- und Sandsteinen vor über 250 Millionen Jahren entwickelte. Im Pettenthal ist es vorwiegend roter Tonschiefer in sehr feinkörniger Struktur. Dieser recht gut durchlüftete Boden ist kein geeigneter Wasserspeicher, dafür aber reich an Nährstoffen mit viel Eisenmineralen. Über die Weintypik der Lage werden oft Platitüden formuliert (individuell, große Eleganz, fein ausgeprägte Frucht …), was allerdings zutreffen dürfte, ist die Beobachtung, dass auch in weniger guten Jahren ein ausgewogenes Verhältnis von Körper und Säure möglich ist (Zeichen einer großen Lage). Das hindert die Säure aber nicht daran, auch schon mal aggressiv zu wirken, wie beim 2013er aus einigen Kellern zu beobachten. Die Aromaausprägung der Pettenthal-Rieslinge ist klassisch, also gelbe Früchte (Pfirsich, Aprikose …), hier aber auch mit exotischen Anklängen.

Morstein – das Kalkgestein 

Der Morstein ist mit 144 Hektar eine sehr große Einzellage, unter den rheinhessischen Toplagen sogar die mit Abstand größte. Die Hangneigung variiert zwischen fünf und zwanzig Prozent, was schon auf große Unterschiede innerhalb der Lage hindeutet. So gilt vor allem das Mittelstück als besonders hochwertig. Der Morstein gehört zur Gemeinde Westhofen und erstreckt sich als Süd/Südwest-Hang westlich des Ortes in Richtung Gundersheim. Eingerahmt wird er im Osten von den bekannten Lagen Brunnenhäuschen und Steingrube sowie im Westen vom Höllenbrand. Sein Renommee verdankt der Morstein (abgeleitet von Marstein = Grenzstein) vor allem dem Riesling von Top-Winzern wie Wittmann und Keller, aber auf der Riesenlage werden, wie könnte es in Rheinhessen anders sein, alle möglichen Rebsorten angebaut, auch solche wie Müller-Thurgau und Dornfelder. Nimmt man die Top-Rieslinge als Maßstab, so scheinen vor allem die Kalkeinlagen der schweren Tonmergelböden den größten Einfluss auf die Weine auszuüben. Grundsätzlich sorgt ein hoher Kalkgehalt für Aromaintensität, bei den Rieslingen vom Morstein drückt sich diese in klassischer, gelber Riesling-Frucht aus, die in reifen Jahren vor allem an Pfirsich erinnert. Hinzu kommt ein saliner, kühl-kristalliner Eindruck, der im Geschmack für Spannung sorgt.

Die Verkostung

Wir verkosteten über 60 Weine aktueller und älterer Jahrgänge, etwas mehr Pettenthal als Morstein. Von der Rheinfront kamen auch ein paar Spätburgunder, die wir im Folgenden nicht gesondert vorstellen. Die spannendsten stammen von Michel-Pfannebecker, vor Gutzler und Hirschhof. Sonst beschränkten wir uns auf Riesling. Hier zeigt sich die helle, kühle, bisweilen kristalline Mineralität des kalkigen Morstein etwas diskreter als offensiv-kantige Schiefer-Noten, die wir aus dem Pettenthal auch nicht bei allen Erzeugern deutlich erfassen konnten, am durchgängigsten vielleicht noch bei Schätzel, ein bisschen St. Antony, auch Gröhl und Guntrum.

Die Weingüter 

Einzig das Weingut Keller verfügt über Rebflächen in beiden Lagen.

Pettenthal

Braun, Domtalhof, Fritz Ekkehard Huff, Gehring, Eckehart Gröhl, Gunderloch, Louis Gunrum, Heyl zu Herrnsheim, Georg Gustav Huff, Keller, Kühling-Gillot, Martinshof, Domäne Oppenheim, Raddeck, Rappenhof, St. Antony, Schätzel, Georg Albrecht Schneider, Mirjam Schneider, Stauß, Strub, Eva Vollmer

Morstein

Dreissigacker, Flick, Flörsheimer Hof, Groebe, Gutzler, Hirschhof, Huppert, Keller, Knobloch, Michel, Michel-Pfannebecker, Rettig, Russbach, Seehof, Wittmann

Prämierte Weine

Seiten

Anzeige