Die Visitenkarten der Neuen Welt - Malbec, Carménère & Co.

MEININGERS WEINWELT
Montag, 31. Oktober 2016 - 10:00
Verkostungen

Weinberg in den Anden, Argentinien; Foto: Ksenia Ragozina/123RF.com

Die Übersee-Weine haben so einige Spezialitäten zu bieten: Carménère, Malbec, Pinotage, Zinfandel oder gar Tannat. Alle stammen sie ursprünglich aus Europa, in der Neuen Welt aber haben sie ein neues Leben begonnen und legen zum Teil glänzende Karrieren hin.

Die Reblauskatastrophe um die vorletzte Jahrhundertwende wurde so mancher Rebsorte zum Verhängnis. Nach erfolgreicher Bekämpfung des Schädlings wurden weinbaulich kapriziöse oder unzuverlässige Sorten gnadenlos aussortiert oder nur noch vereinzelt angebaut. Carménère zum Beispiel, der leicht verrieselt und somit unregelmäßig produziert, wurde rigoros vernachlässigt, ein bisschen auch der Malbec (frost- und krankheitsanfällig), beides Bordelaiser Rebsorten, die heute zwar noch dort angebaut werden, aber nur noch eine Nebenrolle spielen.

Malbec, der für Farbe und Tannin sorgt, ist in Frankreichs Südwesten noch etwas stärker verbreitet, am prominentesten wohl in Cahors. Seine große Wahlheimat ist aber Argentinien geworden, das drei Viertel der weltweiten Malbecpflanzungen beherbergt. Die Argentinische Version hat mit den französischen Gewächsen allerdings wenig gemein. In den Höhenlagen der Anden, oft über 1.000 Meter, mit intensiver Sonneneinstrahlung aber kühlen Nächten kommt ein ganz anderer Weintyp heraus als knapp über dem Meeresspiegel bei Bordeaux. Argentinische Malbec sind viel dichter und konzentrierter. Malbec-Trauben bleiben gerne noch ein bisschen am Stock hängen, selbst nachdem die benötigten Zuckerwerte eigentlich schon erreicht sind. Dann schaffen sie es auch, die typischen Aromen von Pflaume und Anis zu entwickeln. Nicht voll ausgereift gerät Malbec recht grün. Die französische Version ist auch nicht so langlebig wie die argentinische.

Eine ganz kuriose Karriere legte Carménère in Chile hin. Dort entdeckte man erst in den neunziger Jahren, dass große Teile der Merlot-Pflanzungen eigentlich Carménère sind, obwohl er deutlich später reift. So kam Chile eher zufällig zu einer ureigenen Spezialität.

Südafrika hat seinen Pinotage, eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault (einst Hermitage genannt, daher der Name), und Kalifornien seinen Zinfandel, der die gleiche DNA aufweist wie der italienische Primitivo. Pinotage und Zinfandel gibt es von finessenreich-elegant bis herzhaft-üppig, immer sehr fruchtbetont (rote bis dunkle Früchte), aber auch würzig.

Uruguay schließlich hat sich die schwierigste Aufgabe gestellt. Mit dem extrem tanninbetonten Tannat findet man international nicht überall Anklang. Der rustikale Stil will nicht so recht in unsere moderne Zeit passen, weshalb er im Südwesten Frankreichs gerne mit dem milderen Merlot verschnitten wird.

Wir stellen einige der spannendsten Übersee-Spezialitäten vor. Natürlich sind diese Weine voluminös. In der Regel geht es bei 13,5 Volumenprozent los, ein Drittel der verkosteten Weine weisen 14,5 und mehr auf, einer steht sogar mit 15,5 Volumenprozent im Regal. Die dichte Saftigkeit wird meist von attraktiver Aromatik begleitet, wobei der Holzeinsatz auch in Übersee heute dezenter ist. So machen die Weine Spaß.

Michael Hornickel

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