„… dann wird es 2020 keine Hopfenernte geben“

Freitag, 27. März 2020 - 12:15
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Wenn die Frühjahrsarbeiten in den Hopfengärten nicht pünktlich beginnen können, ist das Hopfenjahr gelaufen, dann wird es im Jahr 2020 keine Hopfenernte geben, sagt Adolf „Adi“ Schapfl im Interview. (Foto: Deutscher Hopfenpflanzerverband)

Der Mangel an Saisonarbeiterkräften wird zunehmend ein Problem für die Landwirtschaft. Die GETRÄNKE ZEITUNG hat sich mit Adolf Schapfl, Hopfenbauer und Präsident des Deutschen Hopfenpflanzerverbandes, über die derzeitige Situation unterhalten.

GZ: Hallo, Herr Schapfl. Keine leichte Zeit für die Landwirtschaft, an allen Ecken und Enden fehlen die Saisonarbeitskräfte. Wie gehen die Hopfenpflanzer mit der Situation um?

Adolf Schapfl: Zunächst mal ein großes Dankeschön an alle, die sich jetzt dafür einsetzen, der Landwirtschaft den Stellenwert einzuräumen, den sie schon immer verdient hat. Als Versorger, als systemrelevante Institution. Noch sind die Auswirkungen der Entwicklung durch Corona in den Lebensmittelgeschäften kaum zu spüren, wenn man mal von den „Hamsterkäufern“ absieht. Aber langsam bekommen die Menschen schon eine Vorstellung davon, wie es ohne Landwirtschaft mit der Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, zu denen auch der Hopfen zählt, ausschaut. Nämlich ziemlich düster.

Es ist keine einfache Geschichte für uns Hopfenpflanzer, denn wir unterscheiden uns doch von anderen Bereichen der Wirtschaft. Wenn ein Frisörgeschäft, ein Restaurant oder ein Schuhgeschäft für vier oder sechs Woche zusperren muss, dann ist das dramatisch für den Unternehmer und seine Mitarbeiter, weil Einnahmen für diesen Zeitraum fehlen und auch keine Gehälter bezahlt werden können. Für die Landwirtschaft und damit auch für die Hopfenbauern ist die Sache aber noch schlimmer, denn wenn Saatgut nicht in die Erde kommt, Felder nicht bestellt werden können, brechen nicht nur die Einnahmen von sechs Wochen weg, sondern von einer ganzen Saison, einem ganzen Jahr. Im Hopfen ist es so: Wenn der Aufleitdraht jetzt nicht angehängt und eingesteckt oder später der Hopfen nicht am Aufleitdraht befestigt wird, weil die Saisonarbeitskräfte fehlen, ist das Hopfenjahr gelaufen. Dann wird es im Jahr 2020 keine Hopfenernte geben. Und das betrifft ja nicht nur Deutschland, sondern quasi alle Hopfenbauern auf der ganzen Welt.

Was tut sich konkret im großen Rahmen, um der Herausforderung zu begegnen?

Kommunizieren. Das ist momentan das wichtigste. Die Telefondrähte glühen zwischen dem Hopfenpflanzerverband, Landes- und Bundesministerien, anderen Verbänden, die in der gleichen Situation sind. Wir arbeiten eng mit der Brauwirtschaft und dem Brauerbund zusammen. Darüber hinaus haben wir vom Hopfenpflanzerverband praktisch jeden Stundentenverband, jede Universität des Landes, angerufen und angeschrieben, um Studenten für die Arbeit im Hopfen zu gewinnen. Wir stehen mit Arbeitsämtern in Verbindung, bieten Onlineplattform zur Vermittlung von Hopfenpflanzern mit Arbeitskräftebedarf und Arbeitssuchenden. Wir informieren unsere Pflanzer per Fax, Mail und die Sozialen Medien täglich über die neuesten Entwicklungen. Das ist momentan besonders wichtig, weil wir oft erleben, dass das, was heute noch als die Lösung eines Problems gilt, morgen schon nicht mehr aktuell ist.

Und auch hier bin ich extrem dankbar für Initiativen, wie beispielsweise des ortsansässigen Burschenvereins in Wolnzach, wo das Haus des Hopfens steht. Die Burschen haben per Videobotschaft den Hopfenpflanzern Hilfe angeboten und wir haben das Video über unseren Facebook-Kanal verbreitet. Die Rückmeldungen sind unglaublich. Sie zeigen einen neuen Zusammenhalt quer durch alle Bevölkerungsschichten. Fernsehen, Zeitungen und der Rundfunk berichten, wodurch wir unsere Sorgen und Nöte – nicht nur bei den Saisonarbeitskräften, sondern beispielsweise auch zur Düngeverordnung oder dem Pflanzenschutz – einfach besser in der Politik platzieren können. Das ist wichtig, damit der Hopfen als ein hochwertiges Lebensmittel wahrgenommen wird.

Wie schauen denn die aktuellen Hilfsangebote aus?

Momentan brauchen wir Muskel-Hilfe. Stand heute sind wir Hopfenpflanzer wohl in der Lage, unser Pensum beim Drahtaufhängen und Drahteinstecken zu schaffen, indem wir zusammenhalten und uns gegenseitig helfen. Die größte Herausforderung steht uns aber auch erst in drei bis vier Wochen bevor: 10.000 bis 15.000 Helfer allein für den Hopfen zu finden, die den Hopfen dann ausputzen und am Aufleitdraht befestigen, damit er „in den Himmel wachsen“ kann. Dazu muss jede einzelne Hopfenpflanze angefasst werden! Das wird die Nagelprobe. Geht das schief, bekommen wir nicht genügend helfende Hände zusammen, können wir das Hopfenjahr weitgehend abschreiben.

Sie sind selbst Hopfenbauer. Wie läuft es im eigenen Betrieb?

Wir haben das Glück, dass wir einige der jetzt fälligen Arbeiten, wie beispielsweise das Drahtaufhängen, schon Ende des letzten Jahres gemacht haben. Dazu kommt, dass uns vier unserer eigentlich sechs Saisonkräfte zur Verfügung stehen. Das kommt sicher auch daher, dass wir unsere Leute aus Polen schon lange kennen und eine familiäre Bindung zu ihnen haben. Schon der Vater war bei uns auf dem Hof, jetzt ist der Sohn mit seinen Freunden da. Ansonsten schauen wir natürlich, dass wir selbst und unsere Arbeiter gesund bleiben. Desinfektionsmittel stehen an den Waschbecken und bei den Arbeiten im Hopfen sitzt man sich ja sowieso nicht gegenseitig auf dem Schoß, sodass der Sicherheitsabstand leicht einzuhalten ist.

Wie schätzen Sie die Coronakrise nach Schulnoten für den Hopfenanbau ein?

Na, im Moment würde ich eine 3- vergeben. Das Zusammenstehen, die neue Solidarität und auch das Glück, dass das Wetter mitspielt, weil es noch nicht so warm ist und der Hopfen deswegen noch nicht so in die Höhe schießt, lassen mich noch auf ein einigermaßen befriedigendes Hopfenjahr hoffen. Kritisch wird’s, wenn wir die tausenden Saisonkräfte zum Andrehen der Hopfenpflanzen nicht bekommen. Aber wissen Sie was – da reden wir dann einfach nochmal! Bis dahin sollten wir unseren Optimismus generell nicht verlieren!

Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Schapfl!

 

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