Quo vadis Hawesko Holding AG?

Thursday, 23. April 2020 - 14:30
Trade
Wine trade
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Thorsten Hermelink, Vorstandsvorsitzender der Hawesko Holding, stand mit seinen Vorstandskollegen per Telefonkonferenz Rede und Antwort zum Geschäftsjahr 2019 und den Aussichten für 2020.

Der Hawesko-Konzern sieht sich in der aktuellen Krisensituation aufgrund seiner diversifizierten Strukturen mit den drei Geschäftsbereichen E-Commerce, Multi-Channel-Retail und dem B2B- oder Großhandelsbereich auf der einigermaßen sicheren Seite. Auf die verschiedenen Geschäftsbereiche wirke sich die Corona Pandemie unterschiedlich stark aus, erklärte Hawesko-Vorstandsvorsitzender Thorsten Hermelink anlässlich der diesjährigen Bilanzpressekonferenz, die in Form einer Telekonferenz am 23. April 2020 stattgefunden hat. 

Der E-Commerce Bereich (HAWESKO, Vinos, Wir Winzer) expandiere und der Einzelhandel oder Multi-Channel-Retail (Jacques Wein-Depot, Wein & Co.) bleibe stabil. Der B2B- oder Großhandelsbereich (Wein Wolf-Gruppe) habe als Zulieferer der Gastronomie und der Hotellerie enorme Probleme, skizzierte Hermelink die aktuelle Situation im ersten Quartal 2020.

Im Bereich Einzelhandel sei eine stabile Absatzsituation vorhanden, auch wenn aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen zeitweise 70 bis 80 der insgesamt rund 300 Wein-Depots schließen mussten. Lieferengpässe hätten keine bestanden, die Partner in den Läden hätten durchgehend mit Ware beliefert werden können und viele Depots hätten kreative Lösungen zum Umsatzerhalt beispielsweise in Form von Abholstationen entwickelt.
Der E-Commerce-Bereich zeige eine stark erhöhte Nachfrage nach Weinen. Zum Teil realisierten die Geschäftsbereiche Zuwächse von 50 bis 80 Prozent. Der Boom resultiere sicher aus einem höheren Konsum in den eigenen vier Wänden. Lager und Lieferservice würden am Rand ihrer Kapazitäten arbeiten. 
Im Bereich des Großhandels, in dem Mitarbeiter selektiv und individuell auch Kurzarbeit durchführen würden, müsse der Konzern durch die momentane Schließung der Gastronomie kräftige Umsatzrückgänge hinnehmen. Ein Neustart der Gastronomie sei noch nicht abzusehen. Realistisch sei hier, an eine Normalisierung der Situation »erst innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate« zu denken.

Zur generellen Situation der Weinbranche rechnete der Hawesko-Vorstand mit Thorsten Hermelink an der Spitze, Raimund Hackenberger der für Finanzen zuständig ist, und Alexander Borwitzky, der den Retail-Bereich verantwortet ist, mit einem in etwa gleichbleibenden Konsum von Wein der sich allerdings stärker auf die Bereich Online-Handel und Hauskonsum verlagere. Der Weinmarkt befände sich insgesamt in einer Konsolidierungsphase und werde durch europaweit hohe Bestände, schwierige internationale Exportmärkte, – namentlich nannte Hermelink die USA und Asien – sowie inzwischen preisaggressive Angebote von Produzentenseite geprägt. Es müsse alles getan werden, um die Werterhaltung zu sichern. Eine seriöse Prognose für das laufende Geschäftsjahr sei momentan nicht möglich.

An den bereits Ende Februar 2020 publizierten Umsatz und Bilanzzahlen des Konzerns hat sich nichts geändert. 2019 steigerte der Hawesko-Konzern seinen Umsatz um 6 Prozent auf 556 Mill. Euro. Das operative Konzernergebnis (EBIT) kletterte um 5,1 Prozent auf 29,1 Mill. Euro. Mit verantwortlich für die Umsatzsteigerung war die Integration der 2018 erworbenen Wein & Co. GmbH in Österreich. Auf der in den Hebst 2020 verschobenen Hauptversammlung werde über die vorgeschlagene Dividende von 1,30 Euro je Aktie entschieden. hp

 

Hawesko Umsatz nach Geschäftsbereichen 2019
       
  Umsatz 2018 Umsatz 2019 in % gg. Vj.
Retail       
Jacques Wein-Depot 172,3 203,4 18
       
E-Commerce      
Hawesko/Vinos 165,8 174 5
       
B2B      
Wein Wolf-Gruppe 186,2 178,6 -4,1
       
Hawesko Holding 524,3 556 6