MEININGERs WEINWELT (05/2009): Riesling Jahrgang 2008

MEININGERS WEINWELT
Lunedì, 11. Maggio 2009 - 12:00
Tastings
Der Jahrgang 2008 war nichts für Faulenzer. Die Traubenqualität musste im Weinberg aufwändig erarbeitet werden. Gute Nerven waren ebenfalls gefragt, wollte man eine möglichst perfekte Traubenreife erreichen. Das hieß: abwarten. Wir verraten Ihnen, was die coolsten und engagiertesten Winzer im Lande kelterten. 
 
Der 2008er erlebte einen “neidischen Herbst”. So nennt die Branche Jahrgänge, bei denen die Qualität nicht nur von Anbaugebiet zu Anbaugebiet, oder von Ort zu Ort, sondern von Winzer zu Winzer höchst unterschiedlich ausfällt. Im Weinberg musste mehr als üblich Handarbeit angelegt werden, etwa Entblättern der Traubenzone (zum Lüften) oder Ausdünnen (zur Ertragsreduzierung), um gesundes, reifes Lesegut zu erzielen. Der September wollte nicht so richtig (verregnet), im Oktober war es dann reine Nervensache, wann die Trauben reingeholt werden mussten. Dabei wurden manche Winzer belohnt, andere mussten mühsam faule Trauben aussortieren. Im Süden waren die Weingärtner etwas zufriedener als die Kollegen im Norden; hier mussten die Winzer besonders gute Nerven beweisen, um die Traubenreife abzuwarten. Bis in den November zog sich die Lese hin. Riesling reift schließlich spät. Insgesamt fiel der Jahrgang ertragsstark mit mittleren bis guten Mostgewichten aus. Und wenn beim 2008er von “leichten Gewächsen” mit “lebhafter Säure” die Rede ist, will das heißen: so reif sind die Trauben nun auch nicht geworden. Im Alkohol leichte Tropfen sind uns willkommen, die Säurefrische hingegen fällt schon mal etwas grün (seltener spitz oder hart, kaum scharf) aus. Diese unreife Säure dürfte eines der wesentlichen Kennzeichen des Jahrgangs sein, und zwar in allen Qualitätsstufen.