Russland deklariert eigene Schaumweine als Champagner (Foto: unpict.com)
Russland deklariert eigene Schaumweine als Champagner (Foto: unpict.com)

Russischer Champagner

Russland hat am 2. Juli ein neues Gesetz bezüglich alkoholhaltiger Getränke erlassen, welches die Bezeichnung Champagner für französische Schaumweine verbietet. 

Stattdessen soll der Begriff künftig nur noch russischen Schaumweinen zu Gute kommen. Die Originale aus der Champagne dürfen ab sofort nur noch als »Schaumweine« auf dem russischen Markt deklariert werden. Russische Schaumweine hingegen dürfen fortan als »Schampanskoje« bezeichnet werden. 

Die Reaktionen auf das neue Gesetz ließen nicht lange auf sich warten. Franck Riester, französischer Minister für Außenhandel, schloss Kompromisse »bei der Verteidigung der Interessen unserer Champagnerproduzenten, die durch das neue russische Gesetz [...] ausdrücklich herausgefordert werden« aus. Er bewertet die Gesetzgebung als Protektionisnus, der schon länger zu beobachten sei und plant, sofern Dialoge nicht ausreichen, gemeinsam mit europäischen Partnern vor die World Trade Organization (WTO) zu ziehen.

Die Europa-Abgeordneten Irène Tolleret und Marie-Pierre Vedrenne bezeichnen die Schritte des Kremls in einem Brief an die EU-Kommission derweil als die »bedeutendste Usurpation des geistigen Eigentums europäischer Getränke durch ein Drittland«. 

Von Seiten der Privatwirtschaft kündigte der Luxus-Konzern LVMH (Louis Vuitton – Moët Hennessy) zu dem die Marken Moët Chandon, Veuve Clicquot und Dom Perignon gehören, prompt an, seine Champagner-Lieferungen an Russland vorübergehend auszusetzen, bis eine Lösung in dieser Angelegenheit gefunden werde. Die Forderung, die Exporte zu stoppen, ist ebenfalls zur Europäischen Kommission durchgedrungen und wird dort derzeit rechtlich geprüft. Dennoch verfolge der Konzern nicht die Intention, den russischen Markt zu verlassen – Im  Gegenteil: Man ist durchaus bereit, die neuen Vorschriften zu akzeptieren, womit die ursprüngliche Äußerung inzwischen relativiert wurde. 

Die französische Bezeichnung »Champagne « ist seit dem 29. Juni 1936 in Frankreich als Appellation d’Origine Contrôlée durch die INAO geschützt, was auch in vielen anderen Ländern anerkannt und befolgt wird. In anderen Ländern, wie den USA, ist sie erst seit einigen Jahren anerkannt, es gibt aber nach wie vor einige Wein-Betriebe, die auf Basis alter Bestimmungen den Namen weiterhin für ihre Produkte in Anspruch nehmen dürfen. 

Wie weit die Champagne ihre Rechte geltend macht, zeigt der am 1. Juli 2021 veröffentlichte Gerichtsbeschluss des Oberlandesgerichts München. Der inzwischen 9-jährige Rechtsstreit zwischen dem Comité de Champagne und der Handelskette Aldi, welcher die Lancierung eines »Champagner Sorbets« beim Discounter zur Grundlage hatte, wurde zugunsten des »Schutzes der Ursprungsbezeichnung« für die Champagne entschieden. 

Nach Passieren von vier Gerichtshöfen wurde schließlich anerkannt, dass das von Aldi 2012 herausgebrachte Sorbet, den echten Champagner zwar als Grundlage beinhaltete, diesem jedoch keine wesentliche Eigenschaft verlieh. Somit stelle die Nutzung der geschützten Ursprungsbezeichnung Champagne im Namen des Produkts eine Rufausbeutung bzw. eine irreführende Angabe für den Verbraucher dar. itp/sw

 

Einen Kommentar dazu in englischer Sprache finden Sie hier. 

Ausgabe 15/2021

WEINWIRTSCHAFT 15/2021

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