Der VDP setzt stärker auf Nachhaltigkeit
Der VDP setzt stärker auf Nachhaltigkeit

Ambitionierte Ziele

Statt Mainzer Weinbörse, die alljährlich rund 3.000 Weinfreunden und Fachbesuchern die Gelegenheit gibt, die aktuellen Jahrgänge der meisten VDP-Betriebe zu verkosten, zelebrierte der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) am 4. Juli eine Matinée im Kurfürstlichen Schloss in Mainz. 

Wer Gelegenheit hatte, konnte auch per Videoübertragung teilnehmen und den Ansprachen von VDP-Präsident Steffen Christmann, Bundeslandwirtschafts- und eigenem Bekunden nach oberster Weinbauministerin Deutschlands, Julia Klöckner, sowie dem Vortrag von FAZ-Redakteur Dr. Daniel Deckers über die Geschichte des deutschen Weinrechts lauschen. 

Hörens- und sehenswert waren die Ausführungen in allen drei Fällen. Dabei mit verbandspolitischen Spitzen gewürzt bei Christmann. Tatendurstig und problemaffin, was der Landwirtschaft auf dem Herzen liegt, bei Klöckner und schließlich voll von spannenden weinhistorischen Entwicklungen und Unwägbarkeiten vor Gericht und auf hoher See bei Deckers, wenn der Winzer seinem letzten Richter gegenübersteht und bekennen muss, dass man Wein aus dem Saft der Trauben machen kann, was erstmals vor genau 120 Jahren als legale Definition von Wein ins deutsche Recht geschrieben wurde. 

Die US-Strafzölle und der fünfjährige Aufschub, für die »eine langfristige Lösung gefunden werden muss« (Klöckner), kamen genauso zur Sprache wie die Wichtigkeit der Reform des Weinrechts und der Weinverordnung mit dem Ziel der Anpassung an das geltende EU-Recht oder die Unwägbarkeiten rund um Großes Gewächs, Erste Lage und andere Lagenkonflikte, die in der Weinbranche inzwischen zu Sezessionsbewegungen wie weiland 1861 in den USA zwischen Nord und Süd geführt haben. 

Deckers kommentierte den Austritt der Genossenschaftsverbände mit der berühmten Bemerkung Herbert Wehners: »Wer raus geht, muss auch wieder reinkommen.« Ob, wie angedeutet, noch weitere Austritte von Landesverbänden aus dem Deutschen Weinbauverband erfolgen, bleibt abzuwarten. 

Christmann hatte als VDP-Präsidenten Substanzielles zu verkünden, und das ließ aufhorchen: Die VDP-Winzer verstärken ihr ökologisches Engagement. Inzwischen wären bereits 32 Prozent der rund 5.600 Hektar Rebfläche der VDP-Mitglieder ökologisch zertifiziert, und es würden noch größere Ziele angestrebt. Bis 2025 sollen alle VDP-Güter zu 100 Prozent nachhaltig wirtschaften und entsprechend zertifiziert sein. »Der VDP geht mit diesem Leuchtturm-Projekt voran und will dem deutschen Weinbau ein Vorbild sein« verkündete Christmann, was wahrlich nicht untertrieben sein dürfte. 

Spannende Zahlen aus dem VDP gab es im Nachgang von Geschäftsführerin Hilke Nagel. So kletterte der Absatz des VDP zusammen auf 37 Mill. oder 187.000 Flaschen pro Betrieb. Der Umsatz gesamt summierte sich der verbandsinternen Umfrage zufolge auf 462,5 Mill. Euro oder 2,34 Mill. Euro pro Weingut, das im Übrigen über rund 28 Hektar im Schnitt verfügt. hp 

Schlagworte

Ausgabe 10/2022

WEINWIRTSCHAFT 10/2022

Themen der Ausgabe

Nachhaltigkeit

Das aktuelle Kern- und Reizthema der Branchenkommunikation. Egal ob mit Bio-Siegel oder ohne – im Weinbau gibt es viele kleine und große Schritte zu mehr Nachhhaltigkeit. WEINWIRTSCHAFT hat sich bei verschiedenen Erzeugern umgehört und umgesehen – und ein paar hochinteressante Piwi-Weine verkostet.

»Auf dünnem Eis«

VDP-Präsident Steffen Christmann im Interview über die Qualitätspyramide, GGs für Jedermann und deutschen Sekt. Wie die Zukunft des deutschen Weinbaus aussehen kann und welche Rolle der VDP einnimmt und einnehmen will.

Lombardei

Vermutlich kennen Sie Franciacorta, aber haben Sie schon einmal von Oltrepò Pavese gehört oder gekostet? Über eine unterschätzte Schaumweinappellation im Schatten des bekannten Nachbarn.