Nach der Flut hilft der Handel betroffenen Winzern (Foto: Simon Werner)
Nach der Flut hilft der Handel betroffenen Winzern (Foto: Simon Werner)

Zusammenhalt statt Wettbewerb

Nach den verheerenden Flutschäden an der Ahr, die durch die Starkregenereignisse Mitte Juli verursacht wurden, ist die Hilfsbereitschaft aus dem Handel und seitens Branchenverbänden weiterhin ungebrochen. 

Im Handel mehren sich die Kooperationen von Unternehmen, die ansonsten im Wettbewerb zueinander stehen. Neben monetärer Hilfe wird nun auch über praktische Hilfe für die baldige Weinlese beraten. Auch die Auszahlung von Hilfsgeldern rückt näher.

 

Hilfe von Verbänden

Der VDP hat Schätzungen bekanntgegeben, die die Schäden im Weinbausektor auf 150 Mill. Euro beziffern. In einem Treffen von Vertretern des Vereins »Der VDP.Adler hilft e.V.«, des Weinbauverbandes Ahr, des Ahr-Wein e.V. und des Bauernverbandes Rheinland-Nassau wurde beraten, wie die Spenden verteilt werden. Ein wichtiger Punkt war zudem eine gemeinsame Hilfsstrategie zu entwickeln, mithilfe derer die anstehende Weinlese angegangen werden kann.

»Auch hier können wir nur zusammen etwas erreichen, unsere jeweiligen Stärken nutzen und so die Hilfe bündeln, um dem Weinbau an der Ahr Zukunft zu geben«, so Steffen Christmann, der VDP-Vorsitzende. Geplant sind Patenschaften zwischen Betrieben, Ortschaften oder Weinbaugebieten, die eine längerfristige Zukunftsperspektive bieten sollen.

In den nächsten Wochen sollen Fachleute die beschädigten Betriebe an der Ahr besuchen und über Betroffenheit und die Auszahlung der Spendengelder sowie deren Höhe urteilen. Zudem wird eine Plattform eingerichtet, um Sachspenden oder Leihgaben zusammenzuführen.

Auch der Deutsche Raiffeisenverband hat zu Spenden aufgerufen, die den genossenschaftlichen Mitarbeitern der Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zugutekommen sollen. Auf das Spendenkonto sind von mehr als 300 Spendern aktuell rund 335.000 Euro eingegangen. 

»Ein großartiger Erfolg, der die starke Hilfsbereitschaft innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes zeigt«, sagt Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Von jetzt an können Soforthilfen aus dem Spendentopf ausgezahlt werden. Pro Haushalt könne man bis zu 5.000 Euro Unterstützung bereitstellen.

 

Aktionen des Handels

Die rheinischen Distributeure Schlumberger und Wein Wolf (Teil des Hawesko-Konzerns) haben für die Hilfsaktion »100 für 100« des Bonner General Anzeigers jeweils kostenlos Wein zur Verfügung gestellt. Die Erlöse kommen den flutgeschädigten Ahr-Winzern zugute, wie Schlumberger bekanntgibt.

Die 100 Weinkisten wurden von den Bonner Master of Wine Caro Maurer und Moritz Nikolaus Lüke aus den Sortimenten von Schlumberger und Wein Wolf zusammengestellt. Für 100 Euro wurden die Pakete mit der Unterstützung des Bonner General Anzeigers verkauft, einer auch an der Ahr auflagenstarken regionalen Tageszeitung.

Zuvor hat Schlumberger bereits 25.000 Euro gespendet (s. WEINWIRTSCHAFT 15/2021), um »die betroffenen Kollegen und unsere beiden Partner im Ahrtal, die Weingüter Nelles und Deutzerhof, bestmöglich zu unterstützen«, so Schlumbergers CEO Rudolf Knickenberg. Mithilfe von Kunden und Partnern hat sich das Spendenvolumen inzwischen auf 66.000 Euro erhöht.

Ebenfalls gemeinsame Wege gehen die Brennerei Vallendar und die Gaststätte Onkel Otto von der Mosel, die zusammen einen Hilfs-Gin auf den Markt bringen, wie Sommelier Consult bekanntgibt. Die Partner planen 8.000 Flaschen des »Kostb’AHR GIN« zum Flaschenpreis von 32,35 Euro an Gastronomen zu verkaufen. 

Der Erlös soll nicht nur Winzern, sondern auch Gastronomen aus dem Ahrtal unterstützen. Dafür greifen die Moselaner eineserseits auf das Spendenkonto des VDPs zurück, andererseits auf die »Flutopferhilfe Gastgewerbe« des Gastro-Branchenverbandes DEHOGA. Vorausgesetzt, dass alle Flaschen abgesetzt werden, ergibt das einen Erlös von knapp 260.000 Euro.

Auch Weinkontor Freund aus Borgholzhausen in Ostwestfalen hat betroffene Winzer unterstützt, indem Kunden auf den Verein »AHR – A wineregion needs Help for rebuilding« aufmerksam gemacht wurden. Innerhalb von neun Tagen ist dadurch eine Bestellmenge von rund 11.100 Flaschen bzw. 19 Paletten Wein zusammengekommen. Die Weine wurden von der Winzergenossenschaft Dagernova für den Verein angeboten und an Freund ausgeliefert. Alexander von Fischer, Marketing Manager bei Freund, ist »überwältigt von der positiven Reaktion des Handels und dem Zusammenhalt in der Branche«, wie er auf Anfrage von WEINWIRTSCHAFT mitteilt. sw 

Ausgabe 18/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 18/2021

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Nachgefragt: Was sind die wichtigsten Wein-Trends aus Italien im deutschen Fachhandel?

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Im ersten Teil präsentieren wir die besten Rieslinge, die bei der GG-Vorpremiere in Wiesbaden verkostet wurden

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Alle reden von Nachhaltigkeit. Die Verpackungsbranche hat sich deshalb viele kreative Lösungen einfallen lassen