Ronald Reagan als Werbegesicht für den konservativen Wein aus den USA.
Ronald Reagan als Werbegesicht für den konservativen Wein aus den USA.

Wahlkampf mit Wein?

Diese Weinmarke macht keinen Hehl daraus, wofür sie steht: »We The People« heißt der neue Brand in den USA. Der Slogan: »American Wine. American Values«.

Gegründet würde die Marke vom US-Unternehmer Ryan Coyne, dem auch die Werbefirma Olympic Media gehört, die die Kampagne verantwortet. Zuständige Projektmanagerin ist im Übrigen Marshall Bush, die Enkelin von Ex-Präsident George H.W. Bush, wie sie in einem Podcast-Interview mit dem Country-Musiker Chuck Wicks berichtet.

Die beiden Weine, ein 2018er Cabernet Sauvignon für 29,99 US-Dollar und ein 2019er Chardonnay für 27,99 US-Dollar, kommen beide aus Kalifornien. Sie sollen explizit, so ist auf der Homepage und den Social-Media-Kanälen der Marke zu lesen, »konservative Werte« vermitteln. Ein nicht weiter spezifizierter Anteil des Erlöses werde verwendet für »die Unterstützung von Projekten, die die Werte unserer Gemeinschaft widerspiegeln«.

»Unser Wein ist von Amerikanern für Amerikaner gemacht«, heißt es weiter. Konkret werden Konzepte genannt wie »American exeptionalism« (was sich wohl am ehesten übersetzen ließe mit der »Außergewöhnlichkeit Amerikas«), freie Märkte, freie Menschen, freie Rede und möglichst wenig staatlicher Eingriff. 

Für viel Aufmerksamkeit hat besonders das Werbevideo gesorgt, dass vergangene Woche im Web gelauncht wurde. Als Werbegesicht hat man den verstorbenen Ex-Präsidenten ausgewählt, der die konservativen Werte maximal repräsentiert. 

In dem Clip beschwört Reagan die vermeintlichen Gefahren der Gegenwart für die amerikanische Gesellschaft herauf. Im Hintergrund sind Bilder der Unruhen im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung zu sehen, ein junges Mädchen, dass öffentlich twerkt (also einen körperbetonten Tanz aufführt), eine Frau, die sich für Abtreibung einsetzt. Reagan ruft dazu auf, sich auf die, aus seiner Sicht, typisch amerikanischen Werte zu besinnen. Erst am Ende des Videos wird deutlich, dass es sich um einen Werbespot für eine Weinmarke handelt.

Im Netz erfährt die Marke mit ihrer Kampagne alle denkbaren Reaktionen. Konservative loben das neue Produkt und die Werbung. »Das ist die beste Werbung des Jahres«, schreibt etwa ein User auf Twitter. Aus dem gegnerischen Lager kommt Kritik und Häme. So bemerkt etwa ein User in einem internationalen Weinforum, dass die Hersteller lieber auf Trauben aus einem »roten« (also republikanisch regierten) Bundesstaat hätten setzen sollen statt auf das demokratisch regierte Kalifornien.

»We The People« ist nicht der erste so offen politische Wein. 2017 launchte der australische Winemaker Nic Peterkin einen Chardonnay mit dem Namen »Fuck Him«, auf dessen Label das Konterfei von Donald Trump erkennbar ist. aw
 

Ausgabe 24/2021

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