Cheval Blanc und Ausone verzichten auf neue Klassifizierung (Foto:Cheval Blanc)
Cheval Blanc und Ausone verzichten auf neue Klassifizierung (Foto:Cheval Blanc)

Paukenschlag in Saint-Émilion

Die beiden prestigeträchtigsten Weingüter aus Saint-Émilion, Cheval Blanc und Château Ausone, steigen bei der Klassifizierung der Grand Crus Classés aus. Am 30. Juni 2021 endete die Bewerbungsfrist der Weingüter für das Inkrafttreten ab 2022.

Bei der neuen 10-Jahres-Klassifizieung soll gegenüber 2012 neben der Qualität der Weine auch zu 35 Prozent der Bekanntheitsgrad eines Weinguts stärker bewertet werden, was u.a. einen großen medialen Auftritt von den Châteaux verlange sowie Zugänglichkeit für Besucher. Hier dürften die Gründe für den Austritt der beiden Zugpferde liegen, die traditionell den Wein im Fokus der Klassifikation sehen wollen. 

Das Klassifizierungs-System ist auch auf anderer Ebene schon seit Langem in die Kritik geraten. Verwaltet vom Institut National de L’Origine et de la Qualité (INAO) für den Conseil des Vins de Saint-Émilion (Organisme de Défense et de Gestion) wurde es bereits durch zahlreiche administrative und zivilrechtliche juristische Angriffe unterminiert, hauptsächlich von Akteuren, denen die Klassifizierung bisher untersagt wurde. 

Seit dem Datum der ersten Klassifizierung 1954 waren Château Ausone (7 ha) der Familie Vauthier und Cheval Blanc (37 ha) der Gruppe LVMH das Referenz-Duo der höchsten Appellation (Grand Crus Classés A), seit der letzten Klassifizierung flankiert durch die Weingüter von Angelus und Pavie. 

Für Cheval Blanc und Ausone wird der Rückzug wohl keine kommerziellen Auswirkungen mit sich bringen, für das Klassifizierungssystem in Saint-Émilion dürfte es jedoch ein entscheidendes Nachspiel und einen Werteverlust zur Folge haben. itp

Einen Kommentar dazu in englischer Sprache finden Sie hier.

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Ausgabe 19/2022

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