Unter vielen anderen machte sich auch das Weingut Ökonomierat Rebholz am Sonntag auf den Weg an die Ahr. Kerstin Koch machte Bilder, von dem was sie immer noch nicht in Worte fassen kann. „Was wir dort gesehen haben, können auch Bilder nicht beschreiben.“
Unter vielen anderen machte sich auch das Weingut Ökonomierat Rebholz am Sonntag auf den Weg an die Ahr. Kerstin Koch machte Bilder, von dem was sie immer noch nicht in Worte fassen kann. „Was wir dort gesehen haben, können auch Bilder nicht beschreiben.“

Not im Ahrtal

Das Wasser weicht - der Schock bleibt. Was das weichende Wasser enthüllt ist nicht in Worte zu fassen. In Gedanken ist die ganze Weinwelt bei den Winzerfamilien an der Ahr, die Ende letzter Woche von sintflutartigen Regenfällen überrascht wurden.

Innerhalb kürzester Zeit stieg der Wasserpegel an der Ahr auf über 8 Meter, die Fluten rissen ganze Häuser mit sich. Bilder von verwüsteten Weinkellern und demolierten Traubenpressen lassen das Ausmaß der Schäden nur erahnen (Foto: Kerstin Koch)
Innerhalb kürzester Zeit stieg der Wasserpegel an der Ahr auf über 8 Meter, die Fluten rissen ganze Häuser mit sich. Bilder von verwüsteten Weinkellern und demolierten Traubenpressen lassen das Ausmaß der Schäden nur erahnen (Foto: Kerstin Koch)

Pflanzenschutz mit dem Hubschrauber?

Viele Winzer an der Ahr haben durch das Hochwasser ihre gesamten Weinbestände verloren. Wie der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes Ahrweiler, Franz-Josef Schäfer, dem SWR mitteilte, hätten die Weingüter kaum noch Flaschen oder Fässer im Keller. Fässer seien vom Hochwasser weggespült worden. Aber auch Traktoren und Ausrüstung wie etwa Spritzen seien weg oder unbrauchbar. Gleichzeitig sorgen sich die Winzer um die kommende Ernte, denn durch das feucht-warme Wetter droht die Peronospora noch schlimmer zu werden als in diesem Jahr sowieso schon. Wie Schäfer mitteilt, versuchen Winzer eine Ausnahmegenehmigung einzuholen, damit sie die Weinberge per Hubschrauber spritzen können. Die Hilfsbereitschaft von Winzern aus umliegenden Anbaugebieten ist sehr groß.

SolidAHRität

Alle Weinbauregionen Deutschlands sind angesichts der Katastrophe tief betroffen und sprechen ihre Solidarität aus. Erst langsam lassen sich die langfristigen Auswirkungen auf den Weinbau abschätzen: Häuser, Betriebe und Weinberge sind teilweise schwerbeschädigt oder Fässer, Tanks und Technik aus dem Keller einfach weggespült worden.

Klaus Schneider
Klaus Schneider

„Die Hilfsbereitschaft unter den Winzern ist angesichts des Schadensausmaß riesig, wir sehen und hören von so vielen tatkräftigen Händen, die den Kollegen und Kolleginnen an der Ahr helfen – nicht nur bei Aufräumarbeiten, sondern auch bei jetzt notwendigen, nicht aufschiebbaren Arbeiten im Weinberg“

Klaus Schneider
DWV-Präsident

Spendenaktionen im Überblick

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) rief die Spendenaktion »VDP: Der Adler hilft: Ahr« ins Leben. Mehr Informationen finden Sie hier

Auch der rheinhessische Winzer Dirk Würtz vom Weingut St. Antony hat eine Aktion in der Facebook-Gruppe „Hauptsache Wein“ gestartet, um den betroffenen Winzern zu helfen. Dafür nutzte er das Netzwerk und rief Winzer aus anderen Weinbaugebieten dazu auf, jeweils mindestens 60 Flaschen Wein zur Verfügung zu stellen. Diese wurden dann an zentralen Stellen gesammelt, anschließend wurden Weinpakete daraus gepackt, die nun an Endkunden verkauft werden sollen. Der Erlös geht an die betroffenen Winzer. Hier gehts zur Website. 

Auch die Sommelier Union ruft in Zusammenarbeit mit dem Magazin meiningers sommelier zu Spenden in Form von Weinflaschen auf, die zu Hilfszwecken verkauft werden. Weiterführende Informationen dazu gibt es hier.

Helfen Sie den betroffenen Winzerfamilien mit einer Spende. Zum Beispiel an den Bäuerlichen Hilfsfonds des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. 

Spendenkonto des Bäuerlichen Hilfsfonds
Stichwort "Starkregenkatastrophe"
IBAN-Nummer DE46 5776 1591 0124 0807 01
bei der Volksbank RheinAhrEifel

Unterstützung von Bund

Nachdem sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner für Hilfen für die Winzer eingesetzt hat, bietet die Landwirtschaftliche Rentenbank ab sofort Darlehen zur Liquiditätssicherung für Unternehmen der Landwirtschaft, des Wein- und des Gartenbaus an, die Schäden durch Unwetter oder Hochwasser erlitten haben.

Die Förderdarlehen zur Liquiditätssicherung werden zu den besonders günstigen Konditionen angeboten. Die Ratendarlehen haben eine Laufzeit von vier, sechs oder zehn Jahren und sind mit einem Tilgungsfreijahr ausgestattet. In der für die betroffenen Betriebe teils sehr angespannten Liquiditätssituation bietet die Rentenbank zusätzlich Tilgungsaussetzungen für bestehende Förderdarlehen an. Die Kreditanträge sowie die Anträge zur Tilgungsaussetzung sind an die jeweilige Hausbank zu richten. Weitere Informationen hier.

Zu den Zusagen auf EU-Ebene

Die EU-Kommission sagte zu, entsprechende Anliegen der Mitgliedstaaten rasch zu bearbeiten. Neben nationalen Beihilfen stehen den Mitgliedstaaten für Hilfen für die Landwirtschaft unter anderem auch die Unterstützungsinstrumente in der Zweiten Säule der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik zur Verfügung. Diese erlaubten etwa die Förderung der Wiederherstellung von Produktionskapazitäten. Für den Wiederaufbau öffentlicher Infrastruktur könnten die Mitgliedstaaten auch den EU-Solidaritätsfonds in Anspruch nehmen. (jk)

Fotos: Kerstin Koch
Fotos: Kerstin Koch
Fotos: Kerstin Koch
Fotos: Kerstin Koch
Schlagworte

Ausgabe 19/2021

Titel DDW 19/2021

Themen der Ausgabe

Agrarbericht

Die Ertragslage deutscher Weinbaubetriebe

Verpackungen

Die Geschenksaison naht – was die Präsentkartonhersteller anbieten

Oenologie

Pinot-Noir-Weine: An- und Ausbau in Deutschland und Frankreich im Vergleich