Die Guardia di Finanza hat an drei verschiedenen Orten in Italien zugeschlagen (Foto: Shjmyra/Fotolia)
Die Guardia di Finanza hat an drei verschiedenen Orten in Italien zugeschlagen (Foto: Shjmyra/Fotolia)

Fälscher in Nord- und Süditalien

Die Guardia di Finanza von Treviso hat mit Unterstützung der Kollegen aus Conegliano am 26. Juli 2021 rund 5.000 Liter Wein und über eine Tonne Zucker beschlagnahmt. 

Die Operation namens »Opson X« kam nach gemeinschaftlichen Ermittlungen von Interpol und Europol zustande. Opson heißen alle Operationen, die im Rahmen der Bekämpfung von Betrug und Fälschung im Lebensmittelbereich stattfinden und über die Zusammenarbeit der internationalen Behörden koordiniert werden. 

Bei der 10. Opson-Aktion haben die Inspektoren zunächst einen Lastwagen in Codognè (Provinz Treviso) gestoppt, der 396 Flaschen Weißwein ohne Etikett oder Herkunftsangabe transportierte. Der Wein stammte von einer örtlichen Kellerei und sollte in Turin verkauft werden. Bei Kontrollen in der betroffenen Kellerei wurden weitere 3.500 Liter abgefüllten Weines konfisziert sowie über eine Tonne Zucker. 

Bei einem zweiten Zugriff hielten Beamte der Guardia di Finanza erneut einen Lastwagen an, der 984 Flaschen als Prosecco deklarierten Weißwein enthielt. Eine Kellerei aus der Gemeinde Belluno wollte die Ladung an eine Adresse in Valdobbiadene liefern lassen. In dieser Kellerei wurden weitere 1.185 Liter angeblichen Proseccos beschlagnahmt.

Dark Drink in Süditalien

Die Operation »Dark Drink«, die ebenfalls im Juli stattfand, zeugt allerdings von einem höheren Kaliber krimineller Energie. Inspektoren der Zentralbehörde für Qualitätsschutz und Betrugsbekämpfung bei landwirtschaftlichen Produkten (ICQRF) und die Guardia di Finanza von Neapel haben in Kampanien und Apulien Razzien und Beschlagnahmungen von »alkoholischen Erzeugnissen« durchgeführt. 

Laut Informationen der zuständigen Staatsanwaltschaft Neapel Nord, basierte die Operation auf Ermittlungen der ICQRF »über hohe Mengen aus dem Ausland importierten denaturiertem Alkohol sowie Desinfektionsmitteln, die für die Herstellung alkoholischer Getränke benutzt wurden«. 

Im Rahmen dieser Ermittlungen waren bereits im Vorfeld Produkte konfisziert worden. Ihre Analyse bewies, dass vergällter Alkohol im Einsatz war, der normalerweise für industrielle Zwecke und Desinfektionsmittel benutzt wird. Er muss bei der Einfuhr im Gegensatz zu Trinkalkohol nicht versteuert werden.

Laut Pressemitteilung des Agrarministeriums stellten die Inspektoren während der Operation Dark Drink 2.800 Liter Alkohol sicher, 9.000 Flaschen Spirituosen und »eine große Menge an Champagner- und Weinverpackungen« bekannter Marken.

»Die Durchsuchungen ermöglichten eine detaillierte Rekonstruktion der Aktivitäten, die in einem gut organisierten und strukturierten ›industriellen Kontext‹ durchgeführt wurden«, so das Agrarministerium. 

Die kriminelle Organisation sei auch im Bereich der Fälschung von staatlichen Siegeln und Grundnahrungsmitteln tätig gewesen. So wurden nicht nur 900 Flaschen natives Olivenöl extra beschlagnahmt, sondern auch Druckereien und Handelslager durchsucht, in denen 300.000 gefälschte Staatssiegel sichergestellt wurden. Außerdem haben die Inspektoren zahlreiche Druckformen für den Druck falscher Etiketten gefunden, die auf die illegalen Produkte geklebt werden sollten.

Im Anbaugebiet des Proseccos wollen die Tribuna di Treviso und das Portal Trevisotoday in Bezug auf die Operation Dark Drink erfahren haben, dass 10.000 Flaschen (Tribuna di Treviso) oder 9.000 Flaschen (Trevisotoday) Prosecco als Champagner verkauft wurden. In den amtlichen Dokumenten findet sich kein Zusammenhang zwischen Prosecco und der Operation Dark Drink, auch die Zeitungen in den betroffenen Regionen Apulien und Kampanien geben keine Hinweise darauf.

Falscher IGP Puglia

In Apulien kam es im Juli zu einer weiteren Razzia. Die Guardia Finanza von Foggia hat mit den Inspektoren der Zentralbehörde ICQRF, Zweigstelle Bari, 917.205 Liter Wein und Most konfisziert, der widerrechtlich als IGP Puglia und mit falschen Rebsorten-Angaben ausgezeichnet war.

Die betroffene Kellerei in Foggia wird ebenfalls beschuldigt, bereits über 1,5 Mill. Liter gefälschter IGT-Weine mit der Sortenkennzeichnung von Primitivo, Chardonnay, Pinot Grigio, Falanghina und Merlot illegal in den Handel gebracht zu haben. 

Gegen acht Personen wurde Anzeige erstattet wegen Handelsbetrugs, Fälschung von geografischen Angaben oder Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse sowie Fälschung von Registern, anderer Angaben und Computerdokumenten. Sechs der Beschuldigten sind zuliefernde Weinbauern, die ihre Ernteregister gefälscht haben sollen. vc

Ausgabe 18/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 18/2021

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Im ersten Teil präsentieren wir die besten Rieslinge, die bei der GG-Vorpremiere in Wiesbaden verkostet wurden

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