Ausgabe 4/2022

WEINWIRTSCHAFT 04/2022

Themen der Ausgabe

Die Top 100 der Weinbranche

In zehn Kategorien werden die größten Unternehmen vorgestellt von Distributeuren und Fachhandel über Kellereien und Genossenschaften bis zu den größten Betrieben aus Übersee

ProWein-Neuheiten

Wir stellen spannende Neuheiten aus der Weinbranche vor, die uns Erzeuger und Distributeure zugeschickt haben

Weinhändler des Jahres

Konrad Herbig kam wie viele in der Branche über Umwege zum Wein, die bisweilen steinig und holprig waren. Heute ist Herbig Weinimport eine Münchner Institution und fit für die Zukunft

Digitale Absatzanalyse

Die Hochschule Geisenheim hat eine neue digitale Infrastruktur aufgebaut, um den Betrieben und der Branche zuverlässige Informationen zur Absatzentwicklung geben zu können.

Wine Paris

Mit viel Neugier und Skepsis war die erste große Messe des Jahres erwartet worden. Corona zum Trotz zog Vinexposium das Großevent durch

Einzelheft bestellen oder Abo abschließen:

Spuren einer Pandemie

Haben Sie es auch gespürt? Ja, wir sind jetzt in einer neuen Phase der Pandemie angelangt – oder sogar bald am Ende? Die Schweiz hat schon mal vorgefühlt und alle Corona-Maßnahmen an den Nagel gehängt, und auch bei uns sollen bis zum 20. März die allermeisten Einschränkungen wegfallen. Endlich, möchte man aufseufzen, kommt doch das aktuelle Infektionsschutzkonzept eher einer Durchseuchung durch die Hintertür gleich, bei der alles, was bildungs- oder systemrelevant ist, ungetestet und womöglich infiziert zur Arbeit und in die Schule gehen darf, soll und muss.

Doch nun sind sogar große Messen wieder möglich, wie die Wine Paris & Vinexpo Paris gezeigt hat. Der Erfolg in der französischen Hauptstadt baut nun großen Druck auf die Messe Düsseldorf auf: Hätte man womöglich doch nicht verschieben, sondern ebenso standfest am Termin festhalten sollen wie die Franzosen? Müßig, darüber nachzugrübeln.

Umso wichtiger ist, dass die Messe im Mai trotz wahrlich ungünstigstem Timing eine bestmögliche Alternative für den sonst gesetzten März-Termin wird, damit sie nicht vom neuen großen Konkurrenten in Paris abgehängt wird. Das gelingt nur mit einem hoch attraktivem Programm – und natürlich einem ebenso attraktiven Aussteller- wie Besucherkreis.  

Die Pandemie hat teils heftige Spuren hinterlassen, das eine oder andere Unternehmen, auch in der Weinbranche, musste letztlich kapitulieren. Corona hat Prozesse beschleunigt, die schon seit Jahren zu beobachten sind. Konzentration, egal ob in Produktion oder Handel, bestimmt den Markt.

Die Großen werden größer, profitieren von Fixkostendegression, und können sich in Zeiten von Inflation und steigenden Preisen deutlich besser aufstellen und Mehrkosten besser abfedern. Während hingegen kleine und mittelständische Betriebe um jeden fairen Cent kämpfen und bei aktuellen Preissteigerungen von Lieferanten von teilweise bis zu 30 Prozent schlichtweg selbst draufzahlen müssen.

Vor allem im Onlinehandel ist die Dynamik der vergangenen Jahre enorm. Kaum ein Fachhändler mehr, der nicht einen respektablen Teil seines Umsatzes im Internet erwirtschaftet. Dabei setzen sich einige Unternehmen qualitativ ganz klar durch, mit transparenter Preisgestaltung, tollem Storytelling, Infos, die dem User einen Mehrwert liefern, täglich bespielten Social-Media-Kanälen und und und.

Auf der anderen Seite steht eine ganze Palette von teils ominös wirkenden, mindestens aber sehr einfach aufgemachten Webshops, ohne jede Sortiments- oder Beratungskompetenz, dafür aber mit großer Rabattiererei. Ein Schlag ins Gesicht aller hart und leidenschaftlich arbeitenden Geschäftsleute, die mit Qualität überzeugen wollen. Der wein-vorgebildete Kunde wird den Unterschied leicht erkennen, das Gros der Schnäppchenjäger lässt sich dagegen gern vom »Nimm 6, zahl 4«-Tenor locken.

Bislang ist der Eindruck, dass sich Qualität durchsetzt, doch wenn derartige Angebote im Internet langfristig den Werbe-Prospekt des Supermarkts ablösen, verschiebt sich unweigerlich ein guter Umsatzanteil auf die Konten der digitalen Billigheimer. 

Ganz ohne Pandemie-Katalysator vollzieht sich ein weiterer Wandel in der Branche: Frauen werden sichtbarer, nicht als Gattin des Winzers, sondern als Produzentin, Händlerin, Geschäftsfrau, die für ihre Ware verantwortlich zeichnet. Dass hier aber noch ein weiter Weg zu gehen ist, zeigt unsere jährliche Zusammenstellung der nach Umsatz wichtigsten Unternehmen der Weinwelt. Die Top-Positionen der Millionenbetriebe bleiben fest in Männerhand. Das liegt nicht nur an mangelnder Nachfrage auf Unternehmensseite. Top-Managerinnen fallen in einer jahrzehntelang von Männern dominierten Branche nun einmal nicht einfach vom Himmel. Doch die jetzige Entwicklung lässt hoffen, dass in Zukunft auch mehr und mehr kompetente Frauen in den Chefetagen anzutreffen sein werden.