Ausgabe 22/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 22/2021

Themen der Ausgabe

Preiserhöhungen

Was an der Tankstelle längst spürbar ist, erreicht auch bald die Weinregale. Vorbei die Zeit der Billigpreise?

Württemberg

Württemberg ist Rotweinland. Der Schwerpunkt liegt heute aber abseits von Trollinger mit Lemberger

Discounthandel

Auch wenn die Billig-Tempel Marktanteile einbüßen, lohnt  ein Blick auf ihre Struktur. Billig ist immer noch Trumpf

Crémant

Die Nachfrage nach Crémants steigt unaufhörlich. Sie als reine Champagner-Alternative zu sehen, greift zu kurz

Gastro-Restart

Die Gastronomie litt bekanntermaßen besonders unter Corona. Nun berappelt sich die Branche. Eine Bilanz

Zähes Leben

Landwirtschaftliche Familienbetriebe haben ein erstaunliches Beharrungsvermögen. Die Substanz ist groß, von der gezehrt werden kann. Das Ende, die Betriebsaufgabe, findet deshalb meist still und leise statt. Doch der Strukturwandel lässt sich nicht aufhalten. 

Die Zahl der Betriebe mit Rebfläche in Deutschland ist inzwischen auf rund 15.000 gesunken, so die offizielle Zählung im vergangenen Jahr. Nur etwas über 1.000 Betriebe verfügen in Deutschland über mehr als 20 Hektar Rebfläche. In Rheinland-Pfalz, größtes weinbautreibendes Bundesland mit zwei Drittel der Rebfläche, sind es nur noch 6.500 Weinbaubetriebe und rund 800 haben 20 Hektar Fläche und mehr.

Deutschland ist im Strukturwandel nicht allein. In anderen europäischen Weinregionen vollziehen sich ähnliche Entwicklungen. Mit wenigen Ausnahmen schreitet die Konzentration rasch voran. Dabei sollte man nie vergessen: Die Grundlage der Weinbranche sind noch immer die Winzer und Weinbauern. Verändern sich deren Strukturen, verändert sich die Branche.

Die Größe gesunder Weinbaubetriebe in Deutschland liegt inzwischen bei 20 und mehr Hektar Rebfläche. Ausnahmen bestätigen die Regel. Fassweinbetriebe brauchen 30, 40 und mehr Hektar Fläche. Flaschenweinbetriebe kommen mit etwas weniger aus, wobei bestimmte Größen nicht überschritten werden sollten, will ein Familienbetrieb noch seine Vorteile ausspielen.

Besonderen Herausforderungen sehen sich Regionen wie die Mosel mit ihren anspruchsvollen klimatischen und geologischen Bedingungen ausgesetzt. Das gilt auch für die Steil- und Terrassenlagen anderswo, ob in Württemberg, am Mittelrhein oder sonstwo in Europa, im Dourotal oder im Piemont.

Auf der Herbstpressekonferenz der Moselregion wurde die Frage aufgeworfen, wie denn die Mosel in zehn Jahren aussehen könnte und wieviele der heute bestockten 8.500 Hektar noch bewirtschaftet werden. Eine klare Antwort konnte niemand liefern, zu groß sind die Unwägbarkeiten. Immer mehr Steillagen, vor allem aber die extrem aufwendig zu bewirtschaftenden Terrassenlagen werden aufgegeben. Derzeit werden an der Mosel noch rund 3.500 Hektar in Steil- und Terrassenlagen bewirtschaftet.

Das Problem, formulierte es Henning Seibert, Vorstandsvorsitzender der Moselland eG und Vorsitzender der Moselweinwerbung, läge darin, dass am Markt kein Preisunterschied zwischen den Weinen von der Mosel, speziell dem Riesling, und den Weinen aus den anderen rheinland-pfälzischen Weinregionen gemacht werde. 

Für die Erzeuger hat das Konsequenzen. Während in Direktzuglagen der Zeitaufwand bei 200 bis 250 Stunden je Hektar liegt, und somit Arbeitskosten von 2.500 bis 3.000 Euro anfallen, sind es in Steil- und Terrassenlagen zwischen 800 und 1.500 Stunden. Die Kosten bewegen sich dann um 10.000 Euro und mehr pro Hektar. Angesichts von Fassweinpreisen von 1,10 bis 1,20 Euro und Erträgen von 8.000 Litern liegt auf der Hand, dass die Rechnung nicht aufgehen kann. Der Ruf nach staatlichen Hilfen für den Erhalt der Steillagen ist daher laut.

Doch ist das realistisch? Zum einen stellt sich die Frage, warum ausgerechnet der Weinbau sich solcher Zuschüsse erfreuen soll und ob andere Berufsgruppen, die vom Aussterben bedroht sind, nicht gleichfalls Subventionen verlangen dürfen. Stellt sich grundsätzlich die Frage: Wo darf staatliche Unterstützung beginnen und wo muss sie aufhören?

Kaum vorstellbar, dass ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um auf Dauer den Erhalt der Rebflächen zu alimentieren. Das dürfte auf große gesellschaftliche Widerstände stoßen. Der Erhalt des Landschaftsbildes und einer touristisch attraktiven Region sind letztlich Argumente, die auf Krücken daherkommen.

Als Ausweg bleibt daher nur, den Erhalt des Weinbaus am Markt zu sichern. Erfolgreiche Weinbaubetriebe an der Mosel erreichen Hektarerlöse von 30.000 Euro und mehr. Voraussetzungen dafür sind die Qualität der Weine und eine effektive Markenpolitik. Das verlangt wie andernorts mutiges Unternehmertum, Qualitätsorientierung, Weitsicht über die Grenzen des Tals hinaus und eine geschickte Hand fürs Marketing.