Ausgabe 20/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 20/2021

Themen der Ausgabe

Frankreich Extra

Auftakt
KrisenFest: Frankreichs Weinbranche steht nicht still

Mâconnais 
Burgunds Süden punktet vor allem mit Chardonnay

Schwefelfreie Weine
Früher als Spinnerei abgetan, heute wachsender Trend

Internationale Markenweine

Marken schaffen Vertrauen. Besonders in Krisenzeiten

Sizilien

In Bewegung: Die Vulkan-Insel bleibt ein heißes Pflaster

Große Gewächse III

Im dritten Teil geht es um weiße Burgunder & Co.

Konjunkturumfrage Frankreich

Wie gut läuft Frankreich im deutschen Fachhandel?

Den Letzten ...

Eigentlich dürfte die deutsche Weinbranche, Händler wie Erzeuger, ganz zufrieden sein, wie die Klippen der letzten Jahre Pandemie, Wirtschaftskrisen und Naturkatastrophen umschifft wurden. Ein Blick auf den bisherigen Verlauf in 2021 zeigt, dass das Jahr auch in dieser Hinsicht nicht aus der Reihe fällt. 

Der Weinabsatz dürfte in etwa auf Vorjahresniveau liegen. Mag sein, vielleicht auch ein, zwei Prozent darunter, so exakt lässt sich das gar nicht messen. Im Wert liegen die Weinumsätze in jedem Fall höher, wie die jüngsten Marktforschungs-Daten zeigen. Allerdings fallen Licht und Schatten nicht überall gleich. Unterschiede sind zwischen deutschen und ausländischen Weinen, mehr noch, zwischen einzelnen Kategorien zu machen.

Einer der authentischsten Indikatoren ist die angestellte Flaschenweinmenge zur Qualitätsweinprüfung in Rheinland-Pfalz. Mit einem Anteil von zwei Dritteln an der deutschen Weinerzeugung bilden die Weine einen wesentlichen Teil des Marktes. Einschließlich September 2021 lag die Menge mit 4,19 Mill. Hektolitern, was rund 560 Mill. Flaschen Wein entspricht, um 3,9 Prozent über dem Vorjahr. Deutsche Weine fanden also eine gute Abnahme und sowohl die Kellereien (+3,5%) als auch die Weingüter, Winzergenossenschaften und Erzeugergemeinschaften (+4,6%) konnten vom Wachstum profitieren.

Das Pendant zu den primär erhobenen Inlandszahlen liefert die Importstatistik, die ebenfalls eine klare Botschaft vermittelt. Die Importe gingen im zuletzt erfassten Zeitraum von August 2020 bis Juli 2021 um 2,6 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zurück. Der Wert der Importe kletterte dagegen um satte 7,5 Prozent. Auch hier, bei allen Unwägbarkeiten, die die Erhebung begleiten, liefern die Zahlen für die Importweine eine klare Botschaft: weniger Menge dafür deutlich höhere Preise. 

Es setzt sich somit der Trend aus dem vergangenen Corona-Jahr fort: Die konsumierte Menge bleibt weitgehend stabil, dafür sind die Verbraucher bereit, etwas mehr für bessere Weine auszugeben. In Deutschland wird mehr als in vielen anderen Ländern Wein in den eigenen vier Wänden konsumiert. Dort darf es dann auch das bessere Produkt sein, scheint die Devise. Mit voranschreitender Normalisierung des Alltags und der Rückkehr der Reisen ins Ausland wird sich der Inlandskonsum etwas abschwächen und ein Teil des Konsums in Deutschland vom Handel wieder in die Gastronomie und in die Urlaubsregionen verlagern. Die Bäume wachsen halt nicht in den Himmel.

Soweit alles ganz normal, wären da nicht neue Gefahren, die die Alarmglocken schrillen lassen. Von zwei Seiten wird die Weinbranche derzeit in die Zange genommen: Zum einen kündigt sich ein normaler bis qualitativ eher schwacher Jahrgang an, der allerdings von Gebiet zu Gebiet ganz unterschiedlich ausfällt. Zum Zweiten müssen alle in der Branche mit exorbitant steigenden Kosten rechnen.

Das führt zu einer etwas fatalen Situation. Während es mit Ausnahme weniger Weinkategorien kaum Gründe für steigende Weinpreise gibt und noch Reserven vorhanden sind, ist auf der Kosten- und Materialseite mit Preissteigerungen von 5 bis 10 Prozent, in einigen Fällen sogar noch mehr, zu rechnen. Glas, Kartonagen, Verschlüsse, alle Vorprodukte werden teurer. Oft sind es nur Mini-Cent-Beträge pro Flasche, aber es läppert sich. Auslöser sind die steigenden Energiepreise, die in einem wie seit Jahrzehnten nicht mehr gekannten Maße zunehmen. 

Schon geht das Gespenst der Inflation um, auch wenn die Europäische Zentralbank und viele Volkswirte Entwarnung blasen. Ein mulmiges Gefühl bleibt. Nährboden für Inflation bildet ein Staat, der auf Pump lebt, und eine künstlich indizierte Nachfrage, die das Angebot übersteigt. Beides ist heute gegeben und könnte eine unheilvolle Preis-Lohn-Spirale in Gang setzen. Wer dann seine Preise nicht rechtzeitig erhöht, hat das Nachsehen. Gewinner und Verlierer gab es in solchen Zeiten immer, für die der Spruch gilt: Den Letzten beißen die Hunde.