Ausgabe 16/2022

WEINWIRTSCHAFT 16/2022

Themen der Ausgabe

Italiens Genossenschaften

Nicht nur im Norden Italiens produzieren Winzergenossenschaften hervorragende Weine, wie die Ergebnisse unseres Leistungstests zeigen. Wie sind die Genossenschaften südlich der Alpen strukturiert? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? In Ausgabe 16 widmen wir der italienischen Genossenschaftsszene einen großen Artikel. Die Ergebnisse des Leistungstests haben wir natürlich auch für Sie aufbereitet.

Franken

Das Anbaugebiet im Norden Bayerns macht Druck beim Qualitätssystem und junge Winzer schärfen mit Kreativität und Handwerk das Profil.

High-Altitude aus Südosteuropa

Griechenland überzeugt mit Cool-Climate-Weinen aus schwindelerregenden Höhen - und unerwarteten Spezialitäten. Haben Sie schonmal trockenen Mavrodaphne getrunken?

Konjunkturumfrage Italien

Wie schlägt sich Bella Italia im deutschen Fachhandel? Die Konjunkturumfrage gibt differenzierte Antworten.

Concept Riesling

Weingenuss im Herzen des Wochenmarkts. In Düsseldorf ist die ambitionierte Weinbar zu einer Institution geworden.

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Branche for future?

In der Weinwelt tauchen zuletzt viele Frauen auf – leider nicht immer in wünschenswerter Position.

Als Branchenblatt sitzen wir ja quasi an der Quelle für Informationen – oder zumindest am Einfallstor. Wer, was, wo erfahren wir in der Regel zeitnah und können darüber berichten. Vor allem Personalmeldungen sind beliebte Nachrichtenware – wer welche Stricke zieht, das interessiert die Branche, das wollen die Leute lesen. Schließlich steht jede Entscheidung eines Unternehmens für eine Person auch für eine bestimmte Richtung, in die man in der Zukunft gehen will.

In der Weinbranche heißt Personalmeldung aber bislang auch vor allem eins: Männermeldung. Eine Herrenparade zieht traditionell durch die Vorstände und Geschäftsführungsebenen. Auf Fotos von Gremien-Sitzungen sieht man eines so gut wie nie: Frauen.

Allerdings darf man Erfreuliches feststellen: Zuletzt tauchten in unserer Berichterstattung viele Frauen auf, die in namhaften Betrieben, von Produktion bis Handel, Schlüsselpositionen einnehmen. Auch bei der Nachwuchs-Förderung ist, so scheint es, das Männer-Eis gebrochen: Viele Unternehmen setzen auf junge, gut ausgebildete Frauen, ob in Sales, Marketing, Social Media, Einkauf.

Ein (Spiel-)Feld, auf dem es bereits seit längerem Anstrengungen gibt, die Damen der Branche zu aktivieren, ist ironischerweise genau jenes, das sich außerhalb der Weinwelt derzeit so gar nicht mit geschlechtergerechtem Ruhm bekleckert: der Fußball. Während anderswo noch diskutiert wird, ob Männer für dieselbe Arbeit ein Vielfaches mehr an Lohn bekommen sollten als Frauen, sind letztere bei der Weinelf schon seit Jahren willkommen.

Leider finden sich unter den zahlreichen Spielenden auf der Website bisher lediglich zwei Frauen. Auch im A-Kader, das ist das Team für die »großen« Spiele wie bei der Europameisterschaft, ist – aus Leistungs- nicht aus Geschlechtsgründen – keine Frau aufgestellt. Sicherlich ist die Kombination Winzerin/Weinexpertin/Fußballspielerin auch keine häufige, sodass per se nur wenig Damen für Mittelfeld und Co. in Frage kommen. Aber wer will, kickt und darauf kommt es an. Mit der Wahl von Josefine Schlumberger – eine der zwei aktiven Spielerinnen – zur Vizepräsidentin der Weinelf hat man dann noch ein zusätzliches Zeichen gesetzt.

Eine weitere begrüßenswerte Entwicklung, wenn auch damals schon mehr als überfällig: Vor einigen Jahren schon wurde der unsägliche österreichische Jungwinzerinnen-Kalender eingestellt. Nicht etwa, weil man einsah, dass zwölf Seiten mit Fotos von jungen Frauen in BHs und Spitzenhemdchen den Gipfel des Sexismus bedeuten (und die Rolle der Frau in der Weinbranche um Jahrzehnte zurückwerfen). Nein, die Macherin des Kalenders hat sich lediglich anderen Projekten zugewandt. 2017 kam das Ende für die »12 schärfsten Winzerinnen Österreichs« (wie ein Gourmetmagazin damals titelte).

Aber das Thema lässt die Branche nicht los. Ohne Kalender, so scheint es, geht es nicht. Vermeintlich besonders geschlechtergerecht stellt sich der Jungbauernkalender auf. Den gibt es nämlich auch mit nackten Männern, halleluja, endlich werden zwei Geschlechter gleichermaßen zu Sexobjekten gemacht. Wenn das keine Gerechtigkeit ist!

»Liebe Branche: Bitte keine Kalender mehr!«

Nächster Versuch: Ein Verlag aus Speyer will einen neuen Winzerinnen-Kalender herausbringen und hat dafür per Crowdfunding Geld eingesammelt. Die Idee: ein »FineArt Kalender mit stilvollen Fotos interessanter Winzerinnen aus der schönen Pfalz«. Zugegeben: Die Schwarz-Weiß-Fotos sehen künstlerisch aus, und ein Teil der Einnahmen kommt einem Frauenhaus zugute. So weit, so richtig. Doch warum braucht es überhaupt noch eine 12-Monats-Übersicht, die Frauen abbildet? Wieder steht das Geschlecht im Mittelpunkt, das Winzerinnen-Dasein wird damit ein weiteres Mal nicht zur Normalität, sondern zur bestaunungswürdigen Exoterei.

Liebe Branche: Bitte keine Kalender mehr! Stellt stattdessen kluge Frauen ein, lasst sie zu Wort kommen,
(ver-)kauft ihre Weine, hört auf ihre Expertise – und jubelt ihnen dann gern auch beim Fußballspielen zu. Alexandra Wrann