Ausgabe 10/2022

WEINWIRTSCHAFT 10/2022

Themen der Ausgabe

Nachhaltigkeit

Das aktuelle Kern- und Reizthema der Branchenkommunikation. Egal ob mit Bio-Siegel oder ohne – im Weinbau gibt es viele kleine und große Schritte zu mehr Nachhhaltigkeit. WEINWIRTSCHAFT hat sich bei verschiedenen Erzeugern umgehört und umgesehen – und ein paar hochinteressante Piwi-Weine verkostet.

»Auf dünnem Eis«

VDP-Präsident Steffen Christmann im Interview über die Qualitätspyramide, GGs für Jedermann und deutschen Sekt. Wie die Zukunft des deutschen Weinbaus aussehen kann und welche Rolle der VDP einnimmt und einnehmen will.

Lombardei

Vermutlich kennen Sie Franciacorta, aber haben Sie schon einmal von Oltrepò Pavese gehört oder gekostet? Über eine unterschätzte Schaumweinappellation im Schatten des bekannten Nachbarn.

Heißgetränke

Alle Jahre wieder – wenn es draußen warm wird, planen Handel und Erzeuger schon die kommende Glühweinsaison. Was die Hersteller vom Geschäft mit den aromatisierten Heißgetränken im kommenden Winter erwarten, hat WEINWIRTSCHAFT für Sie zusammengetragen.

Die Fasswein-Riesen

In der Rubrik Analytics beschäftigen wir uns diesmal mit der Entwicklung der wichtigsten Fassweinherkünfte im Jahr 2021. Der Gesamtmarkt ist gegenüber 2020 in der Menge gewachsen, im Wert allerdings rückläufig gewesen. Wir zeigen, wer 2021 wie viel weniger oder mehr Fasswein exportierte.

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Zukunftssorgen

Die ProWein 2022 sorgt für überwiegend positive Stimmung. Doch reicht das für eine erfolgreiche Fortsetzung?

Von zwei hochgereckten Daumen vor lachendem Gesicht bis zum düster dreinschauenden Aussteller vor leerem Stand und vollen Flaschen reicht das Feedback-Spektrum der diesjährigen ProWein. Die Branche ist en gros mit mehr positivem als negativem Resümee aus den drei Messetagen rausgegangen. Vor allem der Besucher hat natürlich profitiert, der mit deutlich mehr Aufmerksamkeit an jedem Stand rechnen durfte.


Ein wenig Erleichterung schwang sicherlich auch mit. Vor allem natürlich bei der Messe selbst, die in diesem Jahr wahrlich kein einfaches Spiel hatte und nun zumindest endlich wieder Präsenz zeigen konnte. Aber wohl auch bei einem Großteil der Aussteller, die bis zum Sonntag nicht genau wussten, worauf sie sich einlassen – mit konkreten Schätzungen zu den erwarteten Besucherzahlen hielt sich die Messe bis zum Schluss bedeckt. Verständlich, war doch mit einem sehr deutlichen Rückgang zu rechnen. Das war in den Wachstumsjahren bis 2019 freilich anders, als man sich mit jährlich steigenden Besucherzahlen brüsten durfte und bereits 2018 die 60.000-Besuchermarke geknackt war. Nun waren es also nur noch 38.000, wie die Messe am Dienstagnachmittag meldet – empfindliche 38 Prozent weniger als 2019 (siehe auch unseren Messe-Report auf Seite 6).


Bei einem anderen Teil der Aussteller hat dagegen nicht Erleichterung, sondern viel mehr Trübsinn die drei Messetage begleitet. Fast mochte man aus Mitleid bei den vielen Ständen etwa in den Italien- oder Frankreich-Hallen Halt machen, um den unterforderten Ausschenkern etwas zu tun zu geben. Sie hatten mehr Kontakt mit dem Smartphone als mit Messe-Besuchern. Das ist natürlich kein Zustand. Ja, die Gänge waren deutlich breiter, viele, mich eingeschlossen, hat das gefreut, so ließ es sich zügiger und gefühlt sicherer durch die Hallen navigieren. Und natürlich wirkte das ganze Geschehen dadurch luftiger, doch schlussendlich waren es einfach deutlich weniger Menschen, die sich für die Aussteller und ihre Produkte interessierten.


Nun könnte man sagen: Schwamm drüber, Schlussstrich, 2022 ist vorbei, 2023 wird wieder an alte Erfolge anknüpfen. Dem wird aber voraussichtlich nicht so sein. Die ProWein wird sich – nicht nur im kommenden, sondern in den kommenden Jahren – viele Gedanken über ihr Konzept machen müssen, um für Aussteller und Besucher attraktiv zu bleiben. Letztlich hat, wie zu vernehmen ist, nicht jeder freiwillig seinen diesjährigen Stand bezogen, sondern kam schlichtweg nicht mehr ohne erheblichen finanziellen Schaden aus dem ursprünglichen Vertrag raus. Dass diese wenig motiviert sein dürften, 2023 so viel Geld wie anno 2019 in die Hand zu nehmen, ohne fest mit ähnlichen Besucherzahlen wie zu den Hochzeiten rechnen zu dürfen, liegt auf der Hand. Einige große Aussteller geben dagegen positive Signale für die nächste Messe-Ausgabe, und auch die Rückkehr zum März-Termin wird wieder für mehr Andrang sorgen. Doch reicht das?

»Mit viel Anstrengung kann die ProWein ihren Status als wichtigste Weinmesse der Welt langfristig verteidigen«

Eines dürfte klar sein: Eine Öffnung der Messe für Endverbraucher, die die Lücken in den Besucherreihen schließen, ist ein No-Go. Entsprechende Gerüchte, die am letzten Messetag die Runde machten, hatten für einiges Entsetzen bei den Ausstellern gesorgt. Mit besonders viel Nachdruck dementierte die Messe Düsseldorf gegenüber WEINWIRTSCHAFT daher noch einmal: »Das Thema stand und steht nicht zur Diskussion und ist von unserer Seite nicht einmal im Ansatz eine Überlegung.«
Der Konkurrenzdruck durch die Wine Paris/Vinexpo Paris hat in diesem Jahr erheblich zugenommen. Für internationale Aussteller und Besucher könnte die französische Hauptstadt attraktiver sein als das rheinländische Düsseldorf – muss es aber nicht. Mit viel Anstrengung, Überzeugungsarbeit und womöglich auch finanziellen Anreizen kann die ProWein ihren Status als wichtigste Weinmesse der Welt langfristig verteidigen und auch 2023 wieder für drei Tage zur Drehscheibe des internationalen Weinbusiness werden. Ich würde es mir sehr wünschen. Alexandra Wrann