Wieder Grenzen für Versuchsanbau?

Das Bundeskabinett hat eine neue Fassung der Änderung der Weinverordnung vorgelegt.
In einem ersten Entwurf zur Änderung der Weinverordnung war die bisherige Beschränkung des Versuchsanbaus nicht mehr enthalten. Nun scheint es sich die Bundesregierung nochmal überlegt zu haben. Obwohl in den Begründungen zum Entwurf immer noch zu lesen ist, »um den Versuchsanbau nicht unnötig einzuschränken«, werde »die Flächenbegrenzung im Rahmen des Versuchsanbaus aufgehoben«, da es erforderlich sein könne, »zur Züchtung neuer oder Verbesserung existierender Keltertraubensorten« größere Flächen zu Versuchszwecken mit diesen Keltertraubensorten zu bestocken«, steht im neuen Entwurf wieder eine Flächengrenze für den Versuchsanbau pro Betrieb, wenn auch deutlich erhöht. So soll ein Betrieb in Zukunft auf 0,5 Hektar (statt bisher 0,1 ha) Versuchsanbau betreiben dürfen.
Einen Haken hat die Sache: Die Vermarktungsregelung soll bleiben. Wenn die Länder keine höheren Grenzen einräumen, darf ein Betrieb im Jahr maximal 2.000 Liter »Erzeugnisse« seiner Versuchsflächen vermarkten. Dies schränkt den Versuchsanbau schon wirtschaftlich ein.

Einige weitere Punkte des Entwurfs:
Säuern oder anreichern: In dem Entwurf werden Ausschlüsse bezüglich Säuerung, Entsäuerung und Anreicherung konkretisiert. So soll ein Erzeugnis, das angereichert wurde, nicht gesäuert werden dürfen, ein gesäuertes weder angereichert noch entsäuert, und ein entsäuertes nicht gesäuert. Ein Verstoß dagegen soll ein Straftatbestand werden (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe).
Anreicherungshöchstgrenzen: Die bisherige Weinverordnung unterscheidet bei maximalen Alkoholgehalten angereicherter Weine zwischen Wein und Landwein einerseits und Qualitätswein andererseits. Der Änderungsentwurf unterscheidet nun drei Kategorien: Wein, Qualitätswein und Wein mit geschützter geografischer Angabe. Bei letzterem sollen die Alkoholhöchstgrenzen nach Anreicherung gegenüber dem bisherigen Landwein um 1 % vol. angehoben werden.
»Negativ«-Rebsorten: Die Weinverordnung umfasst eine »Negativ-Liste« von Rebsortenbezeichnungen, die bei Weinen ohne geografische Herkunftsangabe nicht verwendetet werden dürfen. Bisher davon ausgenommen sind Perlwein, Schaumwein und Qualitätsschaumwein. In Zukunft soll diese Negativ-Liste auch nicht für entalkoholisierte und teilweise entalkoholisierte Weine gelten.
Gestrichen: In dem Entwurf fallen zwei Paragraphen der Weinverordnung weg: §12, der in Verbindung mit der ebenfalls entfallenden Anlage 5 Reinheitsanforderungen für Behandlungsstoffe festlegt und §17. Mit diesem entfällt auch Anlage 8, die »Tabelle zur Ermittlung des natürlichen Alkoholgehalts in Volumenprozent aus dem Oechslegrad«.
Dem Entwurf der Bundesregierung muss nun der Bundesrat noch zustimmen.

 

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ddw 20/22 vom 30.9.2022

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