Ein Glas Wein, mehr solls nicht sein – meint zumindest  die OECD
Ein Glas Wein, mehr solls nicht sein – meint zumindest die OECD

OECD will Alkoholgenuss eindämmen

Die OECD – die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – hat den weltweiten Alkoholkonsum wieder unter Beschuss genommen. Schon 2015 veröffentlichte sie eine Studie über »Schädlichen Alkoholkonsum« und dessen Bekämpfung. Nun hat sie die Covid-19-Pandemie als Aufhänger genommen, erneut eine Studie zum Thema – »Preventing Harmful Alcohol Use« (Verhinderung von schädlichem Alkoholkonsum) – zu veröffentlichen.
Alkohol könne zwar eine Quelle individueller Freude und sozialem Vergnügens ein, heißt es in der Einleitung des Berichts, sei aber »treibende Kraft« für vorzeitige Sterblichkeit, Verletzungen und chronische Krankheiten mit Auswirkungen auf die Produktivität und die Gesundheitsausgaben eines Landes und auf die schulischen Leistungen von Kindern.

Dabei unterscheidet die Studie nicht nach Wein, Bier oder Spirituosen. Als untere Grenze für schädlichen Alkoholkonsum definiert die OECD-Studie das regelmäßige Trinken von 12 g Alkohol (ca. 0,125 l Wein) pro Tag bei Frauen (»1 Drink«) und 18 g bei Männern; als »Binge Trinking« (»Besäufnis«) sieht die OECD das einmalige Trinken von mehr als 0,6 Liter Wein oder 1,5 Litern Bier.

Die Schäden, die »schädlicher Alkoholkonsum« laut OECD verursacht, basieren auf Simulationen in 52 Ländern. Diesen Simulationen nach werden in Jahren 2020 bis 2050 jedes Jahr 1,1 Mio. Personen durch schädlichen Alkoholkonsum früher sterben (zum Vergleich: zuzeit liegt die weltweite Todesrate bei etwa 50 bis Mio. Menschen, bei einer Weltbevölkerung von etwa 7.900 Millionen [7,9 Mrd]). Und die Lebenserwartung sinke um durchschnittlich 0,9 Jahre.

Dabei räumt die Studie aber auch ein, dass die Lebenserwartung in den letzten 30 Jahren in ihren 38 Mitgliedsstaaten um durchschnittlich 6,7 Jahre gestiegen ist, und dass mäßiger Alkoholkonsum unter der »Schädlichkeitsschwelle« zu 13 Prozent zu dieser höheren Lebenserwartung beigetragen haben könnte.

Durch die durch übermäßigen Alkoholkonsum verursachten Krankheiten sind nach der Studie für über 2,4 Prozent der Ausgaben für Gesundheit in den den OECD-Mitgliedsländern verantwortlich. Als Folge schädlichen Alkoholkonsums zählt sie 12 Krankheiten auf, darunter Krebs, Leberzirrhose und Diabetes. Diese spielen aber nur eine geringe Rolle. Im Bericht prognostiziert die OECD 1,3 Mrd. neue Krankheitsfälle im Zeitraum von 2020 bis 2050, den größten Teil davon, 1,1 Mrd., macht nach  der Studie die Alkoholabhängigkeit aus. Auf Platz 2 folgen, weit dahinter mit 100 Mio. Fällen, »andere« Krankheiten, auf Platz 3 mit 37 Mio. »Verletzungen«. Auf der anderen Seite prognostiziert die Studie einen Rückgang von Autoimmunerkrankungen, Demenz, nicht alkoholbedingtem Krebs, chronischen Lungenerkrankungen und psychischen Störungen.
Neben den Kosten für das Gesundheitssystem sieht die OECD noch einen schädlichen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung eines Landes und schulische Leistungen von Schülern. Deshalb muss nach Ansicht der Studie der Alkoholgenuss eingedämmt werden. Dazu schlägt sie sechs Maßnahmen vor. Neben Verbraucheraufklärung und Beratungs- und Hilfsangeboten bei sind dies verstärkte Alkoholkontrollen im Verkehr und restriktive Maßnahmen wie Einschränkung der Alkoholwerbung, Steuern, Mindestpreise und Einschränkung der Verfügbarkeit, etwa durch Altersgrenzen und Beschränkung der Verkaufszeiten und Verkaufstellen.
Da in der öffentlichen Diskussion oftmals nicht zwischen normalem Alkoholkonsum und Alkoholmissbrauch unterschieden werde befürchtet der Deutsche Weinbauverband, dass der Bericht eine Strömung in der europäischen Politik zur Einschränkung der Werbemöglichkeiten in der Weinbranche sowie zur Erforderlichkeit von Warnhinweisen auf dem Etikett stärken wird.

OECD-Zahlen zum Alkoholkonsum in Deutschland

  • Konsum: 12,9 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr;: Männer: 19,9 Liter, Frauen 6,2 Liter
  • 34% der Erwachsenen machen mindestens 1 mal im Monat »Binge-Trinken«
  • 3,5% der Erwachsenen sind alkoholabhängig

OECD-Prognose bis 2050 basierend auf diesem Trinkverhalten:

  • Lebenserwartung sinkt um 1,1 Jahre
  • 4,8 Mio. nichtübertragbare Krankheiten und Verletzungen
  • 3,5% Anteil der alkoholbedingten Kosten an den Gesundheitsausgaben
  • ein Minus von 1,7% beim Brutttoinlandprodukt
     

Ausgabe 19/2021

Titel DDW 19/2021

Themen der Ausgabe

Agrarbericht

Die Ertragslage deutscher Weinbaubetriebe

Verpackungen

Die Geschenksaison naht – was die Präsentkartonhersteller anbieten

Oenologie

Pinot-Noir-Weine: An- und Ausbau in Deutschland und Frankreich im Vergleich