Alkohol im Visier
Alkohol im Visier

Alkohol im Visier

In ihrem »Plan gegen Krebs« hat die Europäische Kommission auch den Alkohol ins Fadenkreuz genommen. Mit einem Anteil von 26 Prozent sei Krebs 2016 die häufigste Ursache alkoholbedingter Todesfälle gewesen, heißt es in einer Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Europäischen Rat. Deshalb will die Kommission den schädlichen Alkoholkonsum bekämpfen. Ziel ist eine Senkung bis 2025 um 10 Prozent.

Dabei lässt die Kommission aber offen, was sie unter »schädlichem Alkoholkonsum« versteht. Um ihr Ziel zu erreichen, hat die EU-Kommission verschiedene Maßnahmen geplant, die auch den Weinsektor betreffen könnten. Auf ihrem Maßnahmenplan steht eine »Überarbeitung« der EU-Regelungen zur Alkoholbesteuerung, womit, angesichts des angepeilten Ziels, keine Senkung, sondern eher eine Erhöhung geplant sein dürfte. Eine Einschränkung des freien Warenverkehrs – Stichwort »Kofferraumimporte« – könnte das Vorhaben der Kommission bedeuten, die Regelungen für den grenzüberschreitenden Verkauf von Alkohol durch Privatpersonen zu »überarbeiten«.

Neben verpflichtenden Angaben zu Inhaltsstoffen und Nährwerten strebt die Kommission bis Ende 2023 auch gesundheitsbezogene Warnhinweise auf Etiketten an. Sie plane jedoch keine »Schockbilder« wie bei Tabakwaren, beteuert die Kommission, auch gebe es keine Pläne, »Wein oder Bier auf die gleiche Weise wie Tabakprodukte zu kennzeichnen«. Weiter sollen Werbeverbote strenger überwacht und Absatzförderungsmaßnahmen überprüft werden. Als Antwort auf die Pläne der Kommission hat das Komitee der Weinunternehmen der EU (CEEV) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des »Wine Information Concils« ein Factsheet publiziert, basierend auf wissenschaftlichen Forschungen der letzten 20 Jahre. In dem Papier wird zwar der Aussage zugestimmt, dass der übermäßige Konsum von alkoholischen Getränken mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist, es legt aber auch dar, dass Studien ergeben hätten, dass ein moderater Alkoholgenuss, etwa im Rahmen der auch von der WHO propagierten »mediterranen Ernährung«, das Risiko für Krebs und andere Krankheiten verringere. Zudem sei Krebs eine multifaktorelle Erkrankung; unter allen Risikofaktoren gesehen sei der übermäßige Alkoholgenuss nur zu 3 Prozent Ursache von Krebserkrankungen. (ha)

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