Zehrwespe parasitiert KEF-Puppe (Foto: JKI)
Zehrwespe parasitiert KEF-Puppe (Foto: JKI)

Mit Schlupfwespen gegen die KEF

Im neuen Forschungsvorhaben „ParaDrosu“ wollen Forschende des Julius Kühn Instituts (JKI) gezielt Schlupfwespen gegen die Kirschessigfliege (KEF) einsetzen. Diese natürlichen Gegenspieler sind in der Lage, die Tönnchenpuppen der Kirschessigfliege am Boden, in Früchten oder an Pflanzen aufzufinden, zu befallen und abzutöten.

Die bisherige Forschung zu Pflanzenextrakten, Lockstoffen, Repellentien oder verfügbaren mikrobiellen Präparaten hätten bisher eher Grenzen als neue Möglichkeiten aufgezeigt. Die Kirschessigfliege sei jedoch durchaus empfindlich gegenüber verschiedenen Krankheitserregern (Pilzen, Viren oder Fadenwürmern), werde gerne von Nützlingen gefressen und entwickele sich zum bevorzugten Opfer von etlichen heimischen Schlupfwespenarten, so das JKI in Darmstadt.

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner übergab am 20. April in einer Videokonferenz die Förderbescheide für das „ParaDrosu-Verbundprojekt“ und gab so den offiziellen Startschuss. Bisher existiere in Deutschland noch kein vergleichbares Verfahren zur Regulierung der Kirschessigfliege, das auf dem Einsatz heimischer Nützlinge basiert. Am aussichtsreichsten gilt derzeit das Einnetzen der Obstkulturen mit sehr kleinmaschigen Netzen, die das Einfliegen der weiblichen Kirschessigfliegen verhindern.

Erfolgsversprechend

„Unser Ziel ist es, dem Beerenobstanbau ein anwendungsreifes und in der Praxis geprüftes Verfahren auf der Basis dieser speziellen Nützlinge an die Hand zu geben“, erklärt Dr. Annette Herz vom JKI in Darmstadt. Mit Hilfe der Pupalparasitoide hoffen die Forschenden die schädliche Kirschessigfliege sowohl in der Kultur als auch in angrenzenden Vermehrungsherden zu kontrollieren. Um die Schädlingspopulation langanhaltend über die Saison hinweg niedrig zu halten, müssen unterschiedliche Schlupfwespenarten in ausreichender Zahl und in sinniger Form in die Anlagen eingebracht werden. Der Nützlingseinsatz ist ein „mitdenkendes“, biologisches Pflanzenschutzverfahren, da die Puppen des Schädlings gezielt aufgesucht werden und nach dem Absterben des Schädlings auch die Nützlinge wieder verschwinden.

Gebündelte Kompetenzen

Dazu bündelt das Konsortium, das mit rund 730.000 Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium, dem BMEL, gefördert wird, die Kompetenz zweier Fachinstitute des JKI, namentlich dem Institut für Biologischen Pflanzenschutz (Darmstadt) und dem Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau (Dossenheim), des Instituts für Phytomedizin der Hochschule Geisenheim University und des Nützlingsproduzenten Katz Biotech AG im brandenburgischen Baruth. Weiterhin mit im Boot sind eine Reihe von Praxisbetrieben in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in denen das Verfahren getestet wird. (jk)

ddw 21/2021

Titel DDW 21/2021

Themen der Ausgabe

Marketing

Potenziale und Grenzen eines Weinausschanks als weintouristisches Angebot

Betriebswirtschaft

Die Neuregelungen bei der Umsatzsteuerpauschalierung ab 2022 – Auswirkungen im Weinbau und Gestaltungsmöglichkeiten

Weinbau

Was bei der Tresterausbringung in den Weinberg zu beachten ist