PIWI-Austausch

Die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte hat dem PIWI-Thema neuen Auftrieb gegeben und die Nachfrage nach neuen Sorten steigen lassen. Um interessierten Winzern den schnellen und unkomplizierten Weg zu eigenen Erfahrungen im Ausbau mit neuen Rebsorten (PIWIs) zu ebnen, hat das DLR-Rheinpfalz, begleitet von dem Deutschen Weinbauverband (DWV) und dem Verein PIWI Deutschland, die Plattform »piwi-boerse.de« als Experiment entwickelt.

Mit der Börse können Winzer kleine Mengen an Keltertrauben oder Most von neuen Rebsorten kaufen oder verkaufen. Interessierte haben die Möglichkeit, sich in der Vinifikation auszuprobieren sowie zu experimentieren. Die Plattform geht am 2. September 2022 live. Sie ist vorerst auf ein Jahr angelegt und wird ausgewertet. Nach einem Jahr wird über das Experiment der PIWI-Börse weiter entschieden. »Die Plattform ermöglicht Weinbaubetrieben mit kleinen Mengen einfach auszutesten, welche neue Rebsorte in die eigene Betriebsphilosophie passen könnte«, meint Charlotte Hardt, Ansprechperson beim DLR Rheinpfalz für die PIWI-Börse.
Der DWV sieht in der Entwicklung von PIWIs einen Baustein im modernen und zukunftsorientierten Weinbau. »Uns ist daher eine ganzheitliche Betrachtung von PIWIs wichtig«, betont DWV-Generalsekretär Christian Schwörer. »Risiken und Chancen müssen benannt und abgewogen, Herausforderungen adressiert werden.« Ziel sei die neutrale Einschätzung von PIWIs und ihrem Potenzial für den deutschen Weinbau. Um dies zu forcieren, stimmte sich der DWV-Vorstand in seiner vergangenen Sitzung zu einem gemeinsamen PIWI-Positionspapier ab. Die Marktakzeptanz ist unter anderem eine wesentliche Voraussetzung für die weitere Verbreitung der PIWIs im Anbau. Eine Umstellung von Rebsorten kann mehrere Jahrzehnte dauern. Daher birgt der Anbau bis jetzt nicht am Markt bekannter und etablierter Rebsorten ein besonderes unternehmerisches Risiko für die Weinbaubetriebe. Um mehr Transparenz für den Markt von PIWI-Weinen zu schaffen, begleitet der DWV das Experiment der PIWI-Börse. Der DWV fordert Offenheit gegenüber neuen Rebsorten und sieht sie als eine Möglichkeit, die signifikante Reduktion von Pflanzenschutzmitteln zu fördern. Gleichzeitig ist es unabdingbar, PIWI-Rebsorten ebenfalls dem Pflanzenschutz zu unterziehen. Um nachhaltige Handlungsoptionen für die Herausforderungen im deutschen Weinbau anzubieten, müssen diese ganzheitlich betrachtet werden. Neben weiteren Optionen stellen pilzwiderstandsfähigere Rebsorten einen Baustein eines zukunftsorientierten Weinbaus dar.

Link: piwi-boerse.de

ddw 19/22 vom 16. September 2022

Themen der Ausgabe

Unternehmensführung

Mit Nachhaltigkeit zum Erfolg

Weinbau

Wie man das Bodenwasser messen kann

Weinbau

Wie PIWIs auf die Hitze reagierten