Weißer (links) und Roter Riesling 
Weißer (links) und Roter Riesling 

Erst weiß, dann rot

Die Vorfahren der heutigen kultivierten Rebsorten (Vitis vinifera) sowie fast alle wilden Vitis-Arten haben zum Zeitpunkt der Reife dunkle Beeren. Daher wurde auch bei der Weißwein-Rebsorte »Weißer Riesling«, landläufig schlicht Riesling genannt, angenommen, dass diese weißbeerige Kulturform aus dem rotbeerigen Zwilling »Roter Riesling« entstanden ist.
Nach Mitteilung des Julius-Kühn-Instituts (JKI) habe eine Studie des Instituts dies nun widerlegt. »Da man immer wieder spontane Mutationen der roten Traube zu weißen Beeren beobachtete, jedoch nie umgekehrt, nahm man an, dass der ›Rote Riesling‹ die ursprüngliche Rebsorte ist«, so Dr. Franco Röckel vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Siebeldingen.
Die Eltern der Riesling-Rebe sind der weißbeerige Weiße Heunisch und vermutlich ein Sämling von Traminer und V. sylvestris mit unbekannter Beerenfarbe. Daher hätte die rote Farbe theoretisch von dem zweiten Elternteil herrühren können.
Doch die Untersuchung der Chromosomensätze (Haplophasen) des Roten-Riesling-Genoms habe ergeben, dass die Haplophase, die in der roten Sorte zur Farbe führt, ursprünglich von dem weißbeerigen Elternteil stamme. Folglich müsse die Mutation zu Rot im Weißen Riesling passiert sein. Weshalb aber »Riesling Rot« immer wieder zu weiß zurückmutiert, bleibt weiter ungeklärt, so das JKI. (ddw)

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ddw 10/22

Titel DDW 10/22

Themen der Ausgabe

Rebsorten

Ausgewählte PIWIs im Porträt

Oenologie

Trends im Bereich automatische Weinpressen

Weinbau

Richtiges Ausbrechen für den »Sanften Rebschnitt«