Zwölf Brunello di Montalcino aus vier Jahrgängen (2017, 2011, 2009 und 1999) beim Line-Up in in Deidesheim
Zwölf Brunello di Montalcino aus vier Jahrgängen (2017, 2011, 2009 und 1999) beim Line-Up in in Deidesheim

Die Hitze gezähmt

Junge und gereifte Brunello boten bei Meininger’s Sommelier Summit 2022 in Deidesheim die Gelegenheit, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Montalcinos zu diskutieren. Im Fokus: der Jahrgang 2017 und Bewältigungsstrategien im Weinberg. 
Text: Paul Kern

„Ich würde es als modernen heißen Jahrgang bezeichnen“, sagt Lorenzo Magnelli, Winzer und Inhaber des Weinguts Le Chiuse über den Jahrgang 2017. Schon früh sei es sehr warm und trocken gewesen, sodass sich die Reben bereits während des Traubenschluss‘ an die Extremwetterlage gewöhnen und harte dicke Schalen ausprägen konnten. „So ernteten wir im Sommer kleine Beeren, die zwar konzentriert, aber nicht marmeladig schmeckten“, berichtete Magnelli in Deidesheim. 

Davon, wie gut der zwischenzeitlich befürchtete Hitzejahrgang nun gut fünf Jahre nach der Lese dasteht, konnten sich beim diesjährigen Sommelier Summit 55 Sommeliers und ausgewählte Gäste überzeugen. Kraft, Konzentration und feste Tannin-Korsette prägten zwar alle 2017er Brunello der Verkostung, fast immer gelang es den Weingütern jedoch, ihren Weinen die entscheidende Frische einzuhauchen und überbordende Kompottaromen abzuwenden. Weine aus 2011, 2006 und 1999 – allesamt ebenfalls warme Jahre - bewiesen wieder mal das große Reifepotential von Sangiovese.

Spannend ist der Jahrgang 2017 vor allem, weil er anzeigt, wie die Zukunft Montalcinos aussehen könnte. Ein zeitnahes Zurück ins Klima der 80er und 90er gilt als ausgeschlossen. Dabei fällt neben der erhöhten Temperatur vor allem der Niederschlagsrückgang in den Sommermonaten drastisch aus, wie der studierte Geograf Götz Drewitz in Deidesheim in einem Vortrag demonstrierte. 

 Jan Hendrik Erbach, Winzer und Inhaber des Weinguts Pian Dell’Orino
Jan Hendrik Erbach, Winzer und Inhaber des Weinguts Pian Dell’Orino

Rüstzeug für die Zukunft

Vorteilhaft wird sich in Zukunft ein erhöhter Humusgehalt durch Kompost und biologische Begrünung erweisen. Erwiesen ist: Pro Prozentpunkt Humus erhöht sich die Wasserspeicherkapazität um bis 40 Liter pro Quadratmeter. Wie sehr die Bio-Weingüter schon heute die Spitze Montalcinos dominieren, wird deutlich, wenn man die Summit-interne Bio-Quote betrachtet: Mit Brizio, Col d’Orcia, Salicutti, Le Chuise, Poggio di Sotto und Pian dell’Orino bewirtschaften sechs der acht verkosteten Weingüter ihre Weinberge biologisch oder biodynamisch. Regionsweit sind 20 Prozent aller Weingüter biologisch zertifiziert, wie Daten des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino darlegen.  

Dass die Weine in heißen Jahren so gut dastehen, liegt aber auch am Lerneffekt der Winzer, ist sich Lorenzo Magnelli sicher: „Wir extrahieren heute viel weniger als in den 90ern.“ Fette Charakteristiken auf dem Weg der Reduktion zu umgehen, scheint jedoch keine Möglichkeit der Montalcino-Winzer zu sein. „Sangiovese braucht viel Luft bei der Gärung, sonst wird er anstrengend“, beteuert Jan Hendrik Erbach. Die edel-reduktiven Noten, die man derzeit überall vom Burgund bis ins Burgenland findet, tauchten im Tasting jedenfalls nicht auf. 

Die vier auf dem Podium – v.l.n.r.: Sascha Speicher, Chefredakteuer Meiningers Sommelier; Jan Hendrik Erbach, Pian Dell'Orino; Lorenzo Magnelli, Le Chiuse; Götz Drewitz, Vinaturel
Die vier auf dem Podium – v.l.n.r.: Sascha Speicher, Chefredakteuer Meiningers Sommelier; Jan Hendrik Erbach, Pian Dell'Orino; Lorenzo Magnelli, Le Chiuse; Götz Drewitz, Vinaturel

01-2023

Themen der Ausgabe

PANORAMA

Saumagen - Lage mit vielen Gesichtern

PAIRING

Restaurant Intense - Spiel mit dem Feuer

PROFILE

Almhof Schneider - Josef Neulinger mit klarer Handschrift