Südamerikas Charakterweine

Lange Jahre standen die südamerikanischen Länder im Ruf, nur üppige Weine mit immenser Fruchtkonzentration zu produzieren. Weine, die einem am Anfang imponieren und dann schnell enttäuschen. Wer das heute noch denkt, hat eine wichtige Entwicklung verschlafen: Südamerika ist längst erwacht und hat besonders mit alten, in Europa mehr oder weniger in Vergessenheit geratenen Rebsorten, auf sich aufmerksam gemacht: Malbec, Carmenère und Tannat.

Auch wenn Argentinien, Chile, Uruguay und Brasilien bei den weltweiten roten Standardsorten Cabernet Sauvignon und Merlot etliche Trümpfe auf den Tisch bringen können, haben wir uns in dieser Verkostung voll und ganz den Sorten gewidmet, die mittlerweile quasi stellvertretend für ein bestimmtes Land stehen: Carmenère für Chile, Malbec für Argentinien und Tannat für Uruguay und Brasilien. Ein paar Chilenen wilderten dann allerdings in der vermeintlich argentinischen Disziplin, beim Tannat stahlen wiederum zwei Argentinier Brasilien und Uruguay die Show. In unserer Blindprobe angetreten waren 150 Weine zwischen 2,99 Euro (mit 85 Punkten der absolute Preis-Leistungs-Hit der Probe: 2010 K42 Carmenère Curicó Valley von Viñedos Y Bodegas Korta Bucarey!) und 79 Euro. Eine besondere Erwähnung soll an dieser Stelle auch der Marken-Carmenère vom Giganten Concha y Toro finden: der 2010 Casillero del Diablo Carmenère Reserva aus dem Valle Central. Dieser weltweit distribuierte Markenwein hat sich mit 87 Punkten wie immer souverän ins gehobene Mittelfeld gespielt und damit erneut unter Beweis gestellt, dass sehr gute Qualität auch bei einer Millionenauflage möglich ist. Das ist die Messlatte für Markenweine und hat internationalen Vorbildcharakter! Generell war das Niveau in allen Segmenten ausgesprochen hoch. Stattliche 89 Prozent der Weine erhielten eine mindestens gute Bewertung, 44 Prozent und damit fast die Hälfte der angestellten Weine waren sogar mindestens sehr gut. Das kann sich sehen lassen! Auch wenn in der Spitze die Luft ein bisschen dünner wurde, es gab auch einige Top-Weine, die keinen internationalen Vergleich scheuen müssen: Zwölf Weine wurden mit drei Sternen ausgezeichnet, fünf Weine erzielten sogar vier Sterne. Ein Blick in die Top-10 auf dieser Doppelseite zeigt die Dominanz von Carmenère und Malbec – und das teilweise sensationelle Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwei Weine der Spitzengruppe kosten weniger als 10 Euro, ein Wein liegt 50 Cent darüber und drei weitere Weine stehen für etwa 15 Euro im Regal. Für all jene, die auch mal bereit sind, etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen, gibt’s ein wirklich imposantes Spitzenduo, angeführt von einem sensationellen Carmenère und einem umwerfenden Malbec, dessen kleiner Bruder dann im Abstand von einem Punkt auf dem dritten Platz folgt. Unser Fokus lag zwar eindeutig auf Rebsortenweinen, nachdem dann aber doch einige Cuvées mit hohem Malbecoder Carmenère-Anteil eingesendet worden waren, haben wir auch hier eine Bestenliste zusammengestellt. Richard Grosche 

Rum ist so vielfältig wie nie. Das Zuckerrohrdestillat verursacht keinen Einschlag wie Gin. Seine Strömung verläuft leise, subtil und konstant. Rum zeigt sich von der dunklen wie hellen Seite, und Konsumenten geraten in den Sog der authentischen Premium-Qualitäten, die das story telling des Rums neu aufrollen.

Der Weinbau flieht vor der Hitze in Höhenlagen. Vor allem Argentinien hat hier viel zu bieten. Wir präsentieren ein paar der besten Weine Südamerikas und einige günstige Trinkvergnügen.