Adria, Alpen und Wein!

TRAUMHAFTE KÜSTEN, EIN LANDSCHAFTLICH SEHR ABWECHSLUNGSREICHES HINTERLAND SOWIE DIE UNMITTELBARE NÄHE ZU DEN TOP-WEISSWEINGEBIETEN ITALIENS UND ÖSTERREICHS MACHEN SLOWENIEN ZU EINEM WEINLAND, DAS MEHR BEACHTUNG VERDIENT.

Die allgemeine geografische Unwissenheit der Mitteleuropäer um die Staaten im Osten Europas ist für die meisten Bewohner aus Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes zu Recht nicht nachvollziehbar. Da werden viele Nationen und Völker noch über zehn Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs in einen Topf geworfen, die Tausende von Kilometern auseinanderliegen. Im Falle Sloweniens ist das besonders frappierend, denn das ehemals zu Jugoslawien gehörende Land grenzt direkt an Österreich und Italien, mit dem es sich im oberen Teil die Adria teilt. Damit ist Slowenien von Deutschland aus schneller zu erreichen als jede Stadt in Spanien oder Mittelitalien. Eine weitere Grenze, die zum in Deutschland bekannteren Weinland Ungarn, verdeutlicht die exponierte und für den Weinanbau bestens geeignete Lage des kleinen Landes mit Hauptstadt Ljubljana, seit K.u.K.- Zeiten auch unter dem deutschen Namen Laibach bekannt. Wie unsere Karte farblich hervorhebt, weist Slowenien drei große Anbaugebiete auf: Am bekanntesten durch die Nähe zu Italien und zum Meer ist Primorska, das Küstengebiet. Weiter im Landesinnern, östlich von Ljubljana bis zur und entlang der kroatischen Grenze die Region Posavje, auch Savegebiet genannt. Weiter im Norden, an der Grenze zu Ungarn, befindet sich das Drave- oder zu Deutsch Draugebiet. Die insgesamt 24 000 Hektar große slowenische Rebfläche – in etwa vergleichbar mit der Anbaufläche Rheinhessens – unterteilen sich in das mit 10 500 Hektar größte Anbaugebiet in der Podravje im Dreiländereck zwischen Österreich, Ungarn und Kroatien. Hier herrscht mit 97 Prozent eine absolute Übermacht an roten Trauben. Der Weißwein spielt praktisch keine Rolle. In Posavje im Landesinnern Sloweniens erstrecken sich 5 500 Hektar entlang der slowenisch- kroatischen Grenze; hier ist das Verhältnis der roten und weißen Rebsorten mit 53 Prozent weiß und 47 Prozent rot sehr ausgeglichen. Etwas größer noch und damit das zweitgrößte Anbaugebiet Sloweniens ist der als Primorska bekannte Teil oberhalb der adriatischen Küste mit rund 8 000 Hektar Rebfläche, welche sich in 65 Prozent weiße und 35 Prozent rote Trauben unterteilt. Unter Kennern ist Slowenien als Weißweinland bekannt, was das eindeutige Verhältnis von 75 zu 25 Prozent zugunsten der weißen Klone klar belegt. Wer italienische Weißweine aus dem Collio oder ihre österreichischen Pendants aus der Steiermark schätzt, findet – keinen Steinwurf entfernt – auf slowenischer Seite identische Anbaubedingungen und somit sehr ähnlich schmeckende Weißweine vor. Das verwundert weiter nicht, denn seit der Neuorientierung des Landes in Richtung Westeuropa werden viele geschichtliche Fakten offenkundig. So bedeuten Brda im Osten und Collio ein paar Meter weiter im Westen ein und dasselbe: Hügel. Und diese Hügel sind ein einziges Weingebiet, fein getrennt durch die grüne Grenze Sloweniens mit Italien: 1 500 Hektar im Friaul, 2 000 Hektar auf slowenischer Seite. Die Rebsorten Sloweniens sind aufgrund ihrer Schreibweise für Westeuropäer nicht leicht zu lesen oder auszusprechen, dabei handelt es sich oft um bekannte Trauben. Auch mit wenig Phantasie ist ein Renski Riesling als Rhein-Riesling zu erkennen, mit etwas Vorwissen ein Laski Rizling als italienischer Riesling zu identifizieren. Andere kennenswerte Rebsorten sind Malvazija, bei uns als Malvasia bekannt – aus ihr werden üppige Weißweine gemacht. Radgonska Ranina ist die aus Österreich bekannte Bouvier-Traube und sehr süß. Sauvignon ist unser Sauvignon Blanc und auch in Slowenien sehr beliebt – empfehlenswert dann, wenn er von guten Kellereien stammt. Sipon ist die in Ungarn Furmint genannte Rebsorte und gehört zu den Vorzeigetrauben Sloweniens. Tokaj wird in Slowenien der Graue Burgunder genannt, meistens handelt es sich hierbei um schweren Weißwein. Das Stichwort für alle diese Rebsorten ist recht einfach zu merken: Belo vino, Weißwein. Etwas schwieriger wird es beim Rotwein, denn im Deutschen kennen wir keine phonetische Abfolge von R und d am Wortanfang. Doch erschließen sich die roten Rebsorten Sloweniens erst nach Bestellen eines Rdece vino. Zu den bekannten und aufstrebenden roten Trauben gehört Teran, auch Refosk genannt, welche sich von der italienischen Refosco-Traube ableitet und meist sehr runde und angenehm geschmeidige Weine hervorbringt; empfehlenswert sind sie nur von Spitzenherstellern. Wenn etwas in Slowenien ein gewisses Studium verlangt, dann sind es die Weinkategorien. Letztendlich sind sie auch nicht komplizierter als die deutschen Bezeichnungen, doch gehören slowenisch und die slawischen Buchstaben zu den exotischen Sprachen in Europa – ein Nachteil gegenüber den traditionellen Weingroßmächten Italien, Frankreich und Spanien, denn deren Bezeichnungen sind den deutschen Konsumenten wesentlich geläufiger. Hier scheint eine Lösung noch nicht in Sicht, denn weder wollen die Slowenen ihre eigenständige Weinsprache aufgeben, noch ihre Weine anderen europäischen Produkten gegenüber freiwillig benachteiligen. Spätestens mit der Osterweiterung der Europäischen Union, die das kleine Land an der Adria noch weiter in die Mitte Europas rücken wird, werden solch linguistische Barrieren durch eine Vereinheitlichung aus der Welt geschafft sein. So lange bleiben Sloweniens Weine nur etwas für Reisende vor Ort oder Kenner der dortigen Weinszene, die sich in Deutschland über die wenigen, spezialisierten Importeure selbst versorgen. Ein Tipp: Die deutschsprachige Website www.slowenien- weine.de des bayerischen Importeurs Viktoria Sagolla gibt fundierte Auskunft über die Top- Weingüter und Rebsorten Sloweniens.

Der Name Tement ist vielen als Weingut ein Begriff. Nun sollte man sich das Unternehmen auch als stilvolle Urlaubsadresse merken.