Schöne Crus vom Chateau

Ein französisches Wein-Etikett muss Ihnen nicht »spanisch« vorkommen. Hier die wichtigsten Erläuterungen, damit Sie den richtigen Tropfen wählen.

Frankreich gehört mit einer Rebfläche von nahezu einer Million Hektar zu den drei größten Weinbauländern der Erde (Deutschland hat rund 100.000 Hektar, weniger als das Anbaugebiet Bordeaux). Auch wer außer »Bonjour« und »Merci« wenig Französisch beherrscht, muss sich als Weinfreund einen Grundwortschatz aneignen, um sich auf Weinkarten oder im Urlaub einigermaßen zurechtzufinden. Die Weintradition Frankreichs ist groß und ehrwürdig, die Sprache gilt - mit Recht - als grammatisch klar und logisch strukturiert (die Aufklärung lässt grüßen).
Aber die Sprache der Weinetiketten ist nicht immer so leicht verständlich. Kennen Sie zum Beispiel auf Anhieb den Unterschied zwischen einem Grand Cru, einem Premier Cru und einem Grand Cru Classé? Eben. Oder wissen Sie, wie sich »Château« von »Domaine« unterscheidet? In der Regel kaum, außer durch die Lage in verschiedenen Anbaugebieten Frankreichs.
Die unvergleichliche Vielfalt der französischen Weine lohnt auf jeden Fall die Mühe, ein paar Brocken Etiketten-Französisch zu lernen und einen Blick auf das ausgefeilte Qualitätsstufen-System zu werfen. Es wird in vielen Diskussionen immer wieder als vorbildlich dargestellt. Tatsache ist: So gut wie alle Weingesetze in Europa sind ähnlich aufgebaut wie das französische. Faustregel: Je enger die geografische Herkunft definiert ist, desto höheren Anspruch darf man an die Qualität stellen. Die Skala reicht vom Wein ohne Herkunftsangabe (Vin de France) über den allgemeinen »Gebietswein« (»Vin générique«) bis zum hochwertigen Wein aus einer einzelnen Lage (Cru), deren Name auf dem Etikett steht.


Häufige Begriffe

Château und Domaine bedeutet beides Weingut. Trägt ein Wein die Bezeichnung »Mis en bouteille au Domaine«, dann handelt es sich um eine Gutsabfüllung. Die meisten Weine stellen den Namen des Châteaus oder der Domaine besonders groß dar. Genauso wichtig ist die Appellations-, also Herkunfts-Angabe. Anders als in Deutschland ist die Nennung der Rebsorte eher selten und vor allem den IGP-Weinen, den früheren Landweinen (Vins de Pays) vorbehalten. Französische Weine sind auch viel häufiger Cuvées, also Mischungen mehrerer Rebsorten.

Cru
Der Begriff Cru bedeutet soviel wie Gewächs. Als Zusatzangabe deutet er in manchen Anbaugebieten auf eine Klassifizierung der Lagen hin. Die Weinberge in diesem Gebiet wurden nach jahrzehntelangen Beobachtungen in qualitativ bessere und schlechtere Lagen eingeteilt. Aber: Die Gebiete Bordeaux, Burgund, Elsass und Champagne verwenden die Bezeichnung auf dem Etikett in jeweils anderen Zusammenhängen. In Bordeaux wird die Klassifizierung traditionell extra auf dem Etikett genannt: Premier, Second, Troisième Cru Classé usw. für das Médoc; in St-Emilion gibt es dagegen die AOP-Bezeichnung Grand Cru, die jedem Erzeuger offensteht, sofern er die Produktionsregeln einhält. Klassifizierte Gewächse heißen in Saint-Emilion Grand Cru Classé. Ein Wörtchen macht den Unterschied.
In Burgund (dazu gehört Chablis) ist der Cru Teil der Bezeichnung gehobener Weinkategorien: Grand Cru heißt eine Top-Lage, deren Name allein auf dem Etikett stehen darf, sogar ohne den Namen der Gemeinde, zu der diese Lage gehört. Immer ein teurer Tropfen!
Ein Premier Cru ist dagegen eine Lage, die nach dem Ortsnamen auf dem Etikett stehen darf, während alle anderen Gewächse sich höchstens noch mit dem jeweiligen Namen der Gemeinde¬ schmücken können. Eine Stufe zwischen den Weinen mit Gemeindenamen und den allgemeinen Gebietsweinen (wie AOP Beaujolais oder Côtes du Rhône) sind die Gewächse mit dem Zusatz »Villages« (AOP Beaujolais Villages oder Côtes du Rhône Villages). Diese Kategorie existiert aber nicht in allen Anbaugebieten. Häufig liest man auch Herkunftsbezeichnungen wie »Côtes de...« oder »Coteaux de...«. Diese beziehen sich auf Anbaugebiete, die in hügeligen Regionen liegen, oft in der Nähe von Flüssen (Côtes du Rhone).


Weingut oder Abfüller: Die Angabe des Weingutes oder des Abfüllers ist Pflicht. Allerdings genügt bei IGP-Weinen und Weinen ohne Herkunftsbezeichnung oft die Postleitzahl und ein Code.

Die Qualitätsstufen AOP (Appellation d'Origine Protégée)

Die Hälfte der französischen Rebfläche sind AOP-Gebiete, bis zur EU-Weinmarktreform als AOC-Gebiete bezeichnet, die von einer offiziellen Kommission für die Erzeugung von Qualitätsweinen zugelassen wurden. Sie können von ganz unterschiedlicher Größe sein und einzelne Ortschaften oder ganze Regionen umfassen. Die wichtigsten Kriterien für AOP-Weine legen unter anderem fest:

• Herkunft aus einem genau abgegrenzten Gebiet
• Einhaltung einer Höchstgrenze bei den Erträgen pro Hektar (je geringer, desto bessere Qualität!)
• ausschließliche Verwendung der für das Gebiet zugelassenen Rebsorten
• Mindestgehalt an natürlichem Zucker in den Trauben bei der Ernte
 festgelegter Mindestalkoholgehalt

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