Weites Land

Etwas weniger als 100 000 Hektar Rebfläche wurden 1998 in Australien bewirtschaftet. Ein Jahr später hatte sich die Zahl auf mehr als 120 000 Hektar erhöht. Ein Synonym dafür, dass Wein aus Australien boomt. Damit Sie sich auf den Etiketten zurechtfinden, hier das Wichtigste. 


Australiens Weinbaugeschichte steckt im Vergleich mit der europäischen noch in den Kinderschuhen. 1788 wurde der erste Rebstock von einem britischen Gouverneur – in einem Garten in Sydney – gepflanzt. Doch erst 1830 gab der Schotte John Busby den Startschuss für den professionellen australischen Weinbau: 20 000 Reben von mehr als 600 verschiedenen Sorten brachte er aus Europa auf den australischen Kontinent, um sie für den dortigen Weinbau zu testen. Autochthone Rebsorten gibt es deshalb in Australien nicht, die meisten hier angebauten Sorten stammen aus Frankreich, der Rest aus Deutschland, Italien und Portugal. Mit europäischen Ursprungsbezeichnungen knüpften die australischen Winzer zunächst an ihre Wurzeln an. So wurden Portwein und Sherry, Chablis und »Moselle« unter eben diesen Namen vermarktet. Erst das bilaterale Abkommen mit der Europäischen Union im Jahr 1992 beendete diese Tradition, sodass die Weine aus Down Under seitdem unter eigenen Namen auf den Markt gelangen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ruinierten verschiedene Umstände die australische Weinwirtschaft fast vollständig. Die Reblaus richtete schwere Schäden an, Wirtschaftskrisen und hohe Steuern auf Alkohol schwächten die Weinindustrie zusätzlich. So spielte der Weinbau lange Zeit keine große Rolle. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen vor allem die großen Unternehmen die Produktion von Wein wieder auf. Das aktuelle europäische Interesse an den Weinen aus Übersee hat verschiedene Ursachen. Die Grundlage wurde vor etwa 40 Jahren geschaffen, als die Nachfrage nach trockenen Weinen wieder anstieg und sich die Weinmacher von der Herstellung schwerer Rot- und Süßweine abwandten und verstärkt auf die Herstellung einfacher Tischweine konzentrierten. Zusätzlich erleichterte das Abkommen mit der Europäischen Union den Export australischer Weine. Zum anderen investierte der Staat rund 1,5 Milliarden Mark in Weinberge und Kellereien. Australische Weinunternehmen zählen heute zu den modernsten der Welt. Relativ liberale Weingesetze lassen den Weinmachern breite Spielräume, Experimentierfreude und Innovation zeichnen ihre Arbeitsweise aus. So ist es im Land der fast unbegrenzten Weinmöglichkeiten kein Ding der Unmöglichkeit, Weine aus unterschiedlichen Lagen oder Anbaugebieten zu verschneiden, in der Annahme, dass ein Vermischen mehr als nur die Summe ergibt. Das Ergebnis sind tatsächlich qualitativ hochwertige Tropfen, die sich durch eine für den europäischen Geschmack außergewöhnliche Fülle, Fruchtigkeit und körperreiche Würze auszeichnen. Regionen und Rebsorten Aufgrund der klimatischen Bedingungen konzentriert sich der Weinbau in Australien auf die temperierten Küstengebiete hauptsächlich im Süden und im Südwesten: Dazu gehören Westaustralien, Südaustralien, Victoria und New South Wales, in Tasmanien mit seinem kühleren Klima bieten sich ebenfalls gute Voraussetzungen für die Weinherstellung. In den einzelnen Bundesstaaten werden verschiedene Regionen unterschieden. Als das wichtigste Weinbaugebiet gilt das Barossa Valley, die Heimat hervorragender Shiraz-Weine und der ältesten Weingüter Australiens. Auffällig ist, dass die klimatischen und territorialen Voraussetzungen in Australien extrem unterschiedlich sind. So entsteht eine Vielfalt verschiedener Tropfen. Nach wie vor die wichtigste Rotweinsorte in Australien ist der Shiraz. Die ursprünglich von der Rhône kommende Sorte bringt die unterschiedlichsten Stilrichtungen hervor, von mittelschweren und hellfarbenen bis zu hochkonzentrierten, körperreichen Weinen. Sie wirken am Gaumen oft etwas süß, sind wahre Fruchtbomben und ermöglichen eine lange Lagerung. Dem Shiraz dicht auf den Fersen ist der Cabernet Sauvignon mit ausgezeichneten Tropfen. Verschnitte wie in Bordeaux mit Merlot oder Cabernet Franc werden hier so gepflegt, wie die typisch australischen mit Shiraz. Um den Platz der wichtigsten weißen Sorte streiten sich in Down Under Riesling, Semillon und Chardonnay, wobei aber der Chardonnay inzwischen die Nase vorne haben dürfte. Sein Ausbau variiert von gehaltvoll und komplex bis elegant und fein, vor allem die Lagerung im Barrique macht ihn zu einem wuchtigen Weißwein. Riesling zählt in vielen Gebieten zum besten, was es an australischen Weißweinen gibt, mit frischer Säure und hohem Lagerpotenzial. Auch der Semillion ist eine der bevorzugten Weißweinsorten, die nach längerer Lagerung typische Toast und Honigaromen zeigt. Weingesetz Ein richtiges Weingesetz existiert in Australien nicht. Seit 1987 gibt es ein Rahmenwerk mit den Hauptkomponenten eines Appellationssystems, zur Zeit sind die Verantwortlichen damit beschäftigt, die Weinbauregionen zu ordnen und zu registrieren. 1993 führte man den Begriff Geographical Indication ein, der sämtliche Anbaugebiete in Australien definiert. Die ersten offiziellen Bezeichnungen erfolgten 1999. Voraussichtlich wird sich daraus eine Konzentration auf das Terroir ergeben. Die Vorteile der freizügigen australischen Wein-Gesetzgebung liegen mit Sicherheit in der Möglichkeit des Experimentierens, die die australische Kellerwirtschaft zu einer der innovativsten und vorbildlichsten macht. Wichtig ist vor allem die Zahl 85. Steht ein Jahrgang auf dem Etikett, so muss der Wein zu 85 Prozent aus diesem Jahr stammen, findet man eine Rebsortenangabe, so müssen 85 Prozent des Inhalts von dieser Rebsorte stammen. Sonst müssen alle verarbeiteten Rebsorten und ihr prozentualer Anteil angegeben werden. Gleiches gilt auch für eine Angabe der Region: Auch hier muss der Wein dann zu 85 Prozent aus dem angegebenen Anbaugebiet stammen. Außerdem zeichnet sich die liberale gesetzliche Gestaltung durch Verzicht auf eine Mengenbegrenzung bei der Traubenproduktion aus. Auch in Bezug auf den Zusatz von Säure ist man freizügig: Vorteilhaft für den Weinbau in warmen Regionen, dürfen die Weinmacher über den Zusatz von Säure selbst entscheiden. Ein System von Qualitätsstufen wie beispielsweise in Deutschland gibt es nämlich nicht. Da man mit der Reife der Beeren keine Probleme hat, gilt es, den optimalen Lesezeitpunkt herauszufinden. Einziges Verbot von Seiten des Gesetzes ist das so genannte Anreichern des Mostes mit Zucker, auch Chaptalisieren genannt. _ KRISTINE BÄDER 

Noch ist der Klimawandel ein Thema, das in Deutschland nur vereinzelt Aufmerksamkeit erregt, doch er stellt auch den deutschen Weinbau vor große Herausforderungen. In südlicheren Gefilden ist er inzwischen viel präsenter und führt zur Vernichtung vieler Weinberge.

China verschärft die Import-Bedingungen für australischen Wein nochmals.

So manche Flecken dieser Erde, die mit Reben bestockt sind, üben auf Weintrinker eine fast magische Faszination aus. Aber was steckt wirklich hinter diesen Weinbergen? (Achtung, Wortwitz:) Wir haben die Lage(n) gepeilt