Andreas, Simone und Steffen Rings; Foto: Andreas Durst
Andreas, Simone und Steffen Rings; Foto: Andreas Durst

Der neue deutsche Spätburgunder

Nach Jahren des Experimentierens kristalliert sich an der Spitze ein eigenständiges, deutsches Pinot-Profil heraus. Natürlich gibt es noch immer die bräunlichen, warmen Rotweine mit 14,5 %vol. Alkohol und auch der dunkle-konzentrierte Typus à la Becker wird weiterhin seine Fangemeinde finden. Doch der zeitgenössische deutsche Spitzen-Spätburgunder steht für eine andere Interpretation des Terroirs. Vorreiter dieser Bewegung sind Rings und Christmann in der Pfalz und Keller in Rheinhessen. Auch J. Neus ist in diesem Atemzug zu nennen, wenn der Drahtseilakt der markanten Reduktionsnoten gelingt, was nicht bei jedem GG gleichermaßen der Fall ist. In Württemberg prägen Aldinger, Schnaitmann und Dautel seit Jahren die Pinot-Entwicklung innerhalb des VDP, wobei es den Anschein hat, dass im Unterland nach wie vor die konzentriertere, dunklere Spätburgunder-Variante höher im Kurs steht.

In Baden liefern sich Keller, Salwey und Huber ein sportliches Duell auf allerhöchstem Niveau. Jeder der drei mit dickem Ausrufezeichen (Huber Wildenstein, Keller Eichberg, Salwey Kirchberg) und weiteren grandiosen Pinots ganz knapp dahinter. Unter den Top 12 aus Baden ist mit Seegers Herrenberg Oberklamm, der wie immer mit ganz eigener Handschrift überzeugt, nur ein Spätburgunder eines anderen Erzeugers vertreten. Das relativiert die gute Bilanz Badens ein wenig, dazu ist aber anzumerken, dass Dr. Heger in diesem Jahr keine Spätburgunder präsentierte. Dennoch: Zum restlichen Feld der badischen VDP-Betriebe klafft eine deutliche Lücke, qualitativ wie stilistisch.

Im Rheingau etabliert sich der Aufsteiger der letzten Jahre als das Maß der Dinge in Sachen Pinot: das Weingut Kaufmann mit seinem GG aus der Lage Hassel. Ob das Terroir in Assmannshausen oder Rüdesheim einfach so markant ist, dass eine gewisse, warm-weiche, eher hochreife Stilistik vorgegeben ist, oder ob es auch hier möglich wäre, mehr Spannung und Frische aufzubauen, wird in den nächsten Jahren sehr spannend zu beobachten sein.

Die Aufbruchstimmung, die sich auch im Ahrtal ausbreitet, ist bei den GGs zu schmecken. Perfekt umgesetzt von J.J. Adeneuer, mit der auf Schieferboden maximal möglichen Eleganz. Auch bei anderen Ahr-Betrieben ist die Veränderung sensorisch deutlich wahrnehmbar, allerdings scheint der Prozess noch nicht ganz abgeschlossen.

Als zeitlos elegant ließe sich die Handschrift von Paul und Sebastian Fürst bezeichnen. Grundsätzlich eher auf der samtigen, ein Tick rotfruchtigen, warmwürzigen Seite, jedoch mit feinsten Tanninen und großer Tiefe. Eine Handschrift, die nun über 20 Jahre immer weiter verfeinert wurde und allein schon aufgrund ihrer Unverwechselbarkeit bleiben sollte wie sie ist.

Barbara und Julian Huber; Foto: Weingut Huber

Barbara und Julian Huber; Foto: Weingut Huber

Konrad Salwey; Foto: Helmut Scham

Konrad Salwey; Foto: Helmut Scham

Marc Adeneuer; Foto: Weingut Adeneuer

Marc Adeneuer; Foto: Weingut Adeneuer

Die Weine
Baden
2018 Bienenberg Wildenstein, Spätburgunder, Bernhard Huber
2018 Bienenberg Wildenstein, Spätburgunder, Bernhard Huber
2018 Eichberg, Spätburgunder, Franz Keller
2018 Eichberg, Spätburgunder, Franz Keller
2018 Kirchberg, Spätburgunder, Salwey
2018 Kirchberg, Spätburgunder, Salwey
Pfalz
2018 Felsenberg, Spätburgunder, Rings
2018 Felsenberg, Spätburgunder, Rings
2018 Idig, Spätburgunder, A. Christmann
2018 Idig, Spätburgunder, A. Christmann
Rheinhessen
2018 Bürgel, Spätburgunder, Keller
2018 Bürgel, Spätburgunder, Keller
Franken
2018 Hundsrück, Spätburgunder, Rudolf Fürst
2018 Hundsrück, Spätburgunder, Rudolf Fürst
Rheingau
2018 Hassel, Spätburgunder, Kaufmann
2018 Hassel, Spätburgunder, Kaufmann
Württemberg
2018 Gips Marienglas, Spätburgunder, Aldinger
2018 Gips Marienglas, Spätburgunder, Aldinger