Urlaub in den deutschen Weinanbaugebieten (Foto: iStock.com/boggy22)
Urlaub in den deutschen Weinanbaugebieten (Foto: iStock.com/boggy22)

Lust auf Heimat

In den deutschen Weinanbaugebieten herrscht Aufbruchstimmung: Unaufhaltsam schießen neue Vinotheken, Hotels, Restaurants sowie Wander- und Fahrradstrecken wie Pilze aus dem Boden und bereichern die Regionen um vielseitige Attraktionen. Ein Grund mehr, die eigene Heimat im Urlaub oder beim nächsten Wochenendtrip genauer zu erkunden ... den ganzen Artikel mit weiteren Empfehlungen finden Sie in »Ausgabe 3/22 von MEININGERS WEINWELT.

Text: Janina Wilsch

 

MOSEL   
Auch wenn die Mosel und ihre Weine manchmal mit einem etwas eingestaubten Image zu kämpfen haben, wird die Region als Urlaubsdestination Jahr für Jahr beliebter. Aus gutem Grund: Es bewegt sich so einiges in Deutschlands ältestem Weinanbaugebiet und das Angebot an touristischen Attraktionen wird immer bunter. Für radfahrbegeisterte Weinliebhaber wurde jüngst der 248 Kilometer lange Moselradweg mit 40 „Lauschpunkten“ versehen, an denen Besucher von Winzern, Kultur- und Weinbotschaftern, Geschichtskennern und Gästeführern mittels kostenfreier App spannendes Hintergrundwissen zu den verschiedenen Wegpunkten vermittelt bekommen. Entschleunigung, Entspannung und einen völlig neuen Blick auf den Fluss und die umgebende Kulturlandschaft verspricht hingegen eine Fahrt über die Mosel mit Kajak, Kanu und SUP-Board – nach Belieben auch mit einem Winzerbesuch und einer Weinprobe am Ende der Tour kombinierbar. (www.mosel-kanutours.de) Ein absolutes Muss ist die 2019 eröffnete Manufaktur des Weingutes Van Volxem auf dem Schlossberg von Wiltingen an der Saar. Der spektakuläre Neubau vereint die Produktions- und Präsentationsräume des renommierten Betriebs und beheimatet neben Holzfass- und Raritätenkeller eine Vinothek mit traumhafter Aussicht auf die Weinberge. Weniger prominent, dafür umso gemütlicher, ist die Vinothek am Flusskilometer 174 des Weinguts Kühner-Adams in Mehring. Um Besuchern den Blick über die Weinberge auf das Moseltal zu ermöglichen, wurde vor den Giebel ein Glaskubus gesetzt und so eine gelungene Symbiose aus alter und neuer Architektur geschaffen. Gleich zwei neue Weinspots hat die „älteste Stadt Deutschlands“, Trier, im vergangenen Jahr hervorgebracht: das Ju zwölf und die Weinbar Trier. In der Wein- und Ginbar Ju zwölf kann man neben ausgesuchten Weinen auch Gins und Cocktails genießen und diese im angeschlossenen Shop erwerben. Die Weinbar Trier liegt direkt vor der Porta Nigra und hat über 65 Weingüter aus der Region und mehr als 230 aus Europa und der Welt im Portfolio. Ebenfalls brandneu und absolut empfehlenswert ist die Weinhandlung und Tapasbar „Die Mosel“ in Traben-Trarbach, die in einer pittoresken alten Weingutsvilla direkt am Moselufer liegt.

 

NAHE     
Als Urlaubsdestination noch etwas unter dem Radar bewegt sich das Weinanbaugebiet Nahe. Dabei kann die Region, neben ihren herausragenden Winzern, noch mit viel mehr punkten: Ein großartiger und abwechslungsreicher Rundwanderweg, der 2021 den dritten Platz im Rennen um den Titel „Deutschlands Schönster Wanderweg“ holte, ist die „Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg“. Die Wegstrecke zwischen Feilbingert, Oberhausen an der Nahe und Niederhausen überzeugt mit Panorama-Aussicht von der Lemberghütte und dem Aussichtspunkt „Schönster Naheblick“. Auf jeden Fall einplanen sollte man außerdem einen Besuch der Vinothek des Weinguts Closheim in Langenlonsheim: 300 Jahre altes Fachwerk trifft hier auf samtgrauen Beton, schwarzen Stahl und puristische Nahe-Weine. Ganz neu eröffnet ist auch die Vinothek des Bio-Weinguts Forster in Rümmelsheim, die mit ökologischen Materialien gestaltet wurde. Wer möchte, kann davor eine Tagestour durch die Region mit einer gemieteten Vespa unternehmen. Start- und Zielpunkt sind ebenfalls das Weingut Forster, spannende Tourentipps und Empfehlungen entlang der Route sind garantiert. www.vespinitoursnaheland.de

Entschleunigung mal anders – das garantiert eine entspannte Vespatour an der Nahe (Foto: Vespini Tours Naheland)
Entschleunigung mal anders – das garantiert eine entspannte Vespatour an der Nahe (Foto: Vespini Tours Naheland)

FRANKEN     
Dem Frankenwein besonders nahe kommen Besucher auf den mittlerweile mehr als 30 „Wegen zum Wein”. Die Routen – meist als Rundwege angelegt – führen durch die Reben, man begegnet Naturdenkmälern, Kulturschätzen und entdeckt nebenbei die Besonderheiten des fränkischen Weinbaus. Gute Orientierung bieten zudem die Aussichtspunkte „terroir f“, die sich alle einem speziellen Weinthema widmen. Zu den Highlights zählt das terroir f in der Steillage „Stettener Stein“, 130 Meter über dem Main mit weitem Blick über das Flusstal. Am terroir f in Großlangheim erhebt sich eine Aussichtsplattform in Form eines liegenden Bocksbeutels, der über den Rebreihen zu schweben scheint. Weinaffine Radler sollten sich außerdem die „Volkacher Weinschleifentour“ vormerken: Die dreistündige Route verläuft weitgehend auf einer eigenen Trasse, abseits des motorisierten Verkehrs. Start ist in Volkach, den Abschluss macht das barocke Weindorf Sommerach. Zwischen - durch wird man mit herrlichen Blicken auf die Mainschleife und prominente Weinlagen wie den Escherndorfer Lump belohnt. Zurück am Startpunkt in Volkach ist eine Einkehr im „Fahr Away“ ein stimmiger Abschluss. In der modernen Weinbar des Familienweinguts Braun können neben den hauseigenen Weinen auch ausgewählte Lieblinge aus der restlichen Weinwelt verkostet werden – ergänzt um Delikates und Pikantes von der Tapas-Theke.

 

BADEN     
Mit gleich zwei Architekturpreisen ist im vergangenen Jahr das badische Weingut Abril in Bischoffingen ausgezeichnet worden: Zum einen wurde dem Betrieb das Gütesiegel „Wein und Architektur“ verliehen, zum anderen ehrte das Deutsche Weininstitut die Abril-Vinothek als „Ausgezeichnete Vinothek 2021“. Der Gebäudekomplex des Weinguts, der Verwaltung, Keller und Veranstaltungsräume sowie eine Vinothek mit Lounge beheimatet, schmiegt sich mit seiner Fassade aus korrodiertem Corten-Stahl stimmig in die umgeben - de Reblandschaft ein. Das warme Schimmern des Rosts, der je nach Luft und Feuchtigkeit seine Farbe ändert, wird zum Sinnbild der Weinreife. Eine hervorragende Gelegenheit, die Weine und Räumlichkeiten kennenzulernen, bietet die an Werktagen nachmittags stattfindende „Abril Lounge“: Zu Köstlichkeiten wie Jahrgangssardinen, Hirschleberwurst und Rillettes von der Ente werden in entspannter After-Work-Atmosphäre die Weine des Hauses ausgeschenkt. Ein weiterer Publikumsmagnet in Baden – bzw. ebenfalls in Württemberg – der so manches traditionelle Weinfest ziemlich altbacken aussehen lässt, sind die hippen Pop-up-Events der Jungwinzervereinigungen „Generation Pinot“ (Baden) und „Wein.Im.Puls“ (Württemberg). Die Feste werden jeweils von mindestens zwei Jungwinzern organisiert und finden mitten in den Reben statt – mit regionalen Weinen, Speisen sowie Musik. Für dieses Jahr sind 13 Termine von Mai bis September geplant, bei denen probiert, philosophiert und gefeiert werden kann.

 

PFALZ     
Einen guten Einstieg in die Welt der Pfälzer Weine lässt sich direkt am Deutschen Weintor in der südpfälzischen Weinbaugemeinde Schweigen-Rechtenbach machen. Vor über 50 Jahren hat man hier den ersten deutschen Weinlehrpfad angelegt, der im vergangenen Jahr nach einer umfassenden Neugestaltung wiedereröffnet wurde. Der 2,5 Kilometer lange Rundgang beginnt und endet an der Kelter direkt am Deutschen Weintor, unterwegs klären neun Stationen über den lokalen Weinbau auf. Im Anschluss bietet sich ein Winzerbesuch im Weindorf Schweigen-Rechtenbach an – empfehlenswerte Betriebe sind beispielsweise die Güter Friedrich Becker, Nauerth-Gnägy und Jülg. Lohnenswert ist auch ein Abstecher ins benachbarte Elsass nach Wissembourg. Die französische Kleinstadt direkt am Ufer der Lauter lockt mit ihren pittoresken Gässchen und historischen Fachwerkhäusern. Besonders geschmackvoll entdecken lässt sich die Region auch in Freinsheim in der Vorderpfalz. 2021 hat hier das Boutiquehotel Amtshaus mit dem Restaurant Atable seine Pforten geöffnet. Die preisgekrönte Sommelière Sybille Bultmann verantwortet die außergewöhnliche Weinkarte des Hauses, die perfekt gereifte Gewächse aus Deutschland – Schwerpunkt Pfalz – und Frankreich umfasst. Ehemann Swen Bultmann setzt mit seiner modernen, französisch-pfälzischen Küche ein kulinarisches Ausrufezeichen.

Einen Spaziergang entlang der Rheinpromenade von Eltville sollte man sich nicht entgehen lassen (Foto: Dieter Meyer/stock.adobe.com)
Einen Spaziergang entlang der Rheinpromenade von Eltville sollte man sich nicht entgehen lassen (Foto: Dieter Meyer/stock.adobe.com)

RHEINGAU     
Eine Weinwanderung der besonderen Art kann man im Rheingau derzeit mit „Walk Like A Local" erleben. Karten mit QR-Codes führen Besucher via Smartphone durch die Weinberge Rüdesheims, fantastische Aussichtspunkte sowie Infos zu Sehenswürdigkeiten und Wein inklusive. Zahlreiche Locals, vom Wanderführer über ansässige Winzer bis zum Komikerduo „Badesalz“ steuern ihr Wissen bei. Für Erfrischung sorgt eine Kühltasche, gefüllt mit Rheingau-Weinen (www.walklikealocal.de). Wer lieber auf eigene Faust loszieht, ist auf dem Weinerlebnisweg Oberer Rheingau bestens aufgehoben. Der rund 18 Kilometer lange Weg wurde von Winzern gestaltet und führt von Massenheim nach Mainz-Kostheim. Dabei werden die schönsten Aussichten und interessantesten Punkte der Weinlandschaft passiert. 40 Info-Stationen vermitteln dort spannendes Wissen rund um die Themen Wein, Kultur und Geschichte. Einen raschen und umfassenden Überblick über die Vielfalt der Rheingauer Weine gewinnt man beim Besuch der Rüdesheimer Vinothek RheinWeinWelt: Im historischen Asbach-Gelände laden 76 Weingüter von Nierstein bis Königswinter zum Verkosten ein. Um zu probieren, benötigt man wie im Spielkasino Jetons. Nach Einwurf einer Münze fließt ein Verkostungsschluck ins Glas. In der angeschlossenen RheinWeinWelt-Lounge werden regionale Hausmannskost, Snacks und leckere Kuchen angeboten

 

RHEINHESSEN     
Nachdem die traditionelle „Präsentation am Roten Hang“ 2021 coronabedingt ausfallen musste, haben die lokalen Winzer kurzerhand umdisponiert und das „Weinerlebnis Roter Hang“ ins Leben gerufen: Knapp acht Kilometer zieht sich der neue Rundwanderweg seitdem durch die prominente Niersteiner Steillage, begleitet von sagenhaften Blicken übers Rheintal zum Odenwald, nach Frankfurt und zum Taunus. An 12 Station können Wanderer über QR-Codes Infos aus dem Arbeitsjahr des Winzers, über klimatische Einflüsse auf den Weinbau oder über einzelne Weinbergslagen abrufen. Auf Wunsch kann vorab ein Roter-Hang-Kühlrucksack mit Gläsern, Wein und Infomaterial online oder in Nierstein erworben werden (www.roter-hang.de). Wem der Sinn eher nach Städtetour steht, ist bei BottleStops gut aufgehoben. Das Eventunternehmen organisiert vielfältige Weinerlebnisse in und um Mainz. Bei einer Tour auf den Spuren des Weins kann der 2000 Jahre alten Weingeschichte der Stadt auf den Grund gegangen werden – Weinprobe und regionale Snacks inklusive.

 

Ausgabe 04/2022

Erhältlich ab 11.5.2022: Spitzen-Winzerin Theresa Breuer im Portrait // Landwein // Grape Ale und weitere Themen
Ausgabe 04/2022

Themen der Ausgabe

Thunfisch-Cornetto

Diese knalligen Waffeltüten, gefüllt mit frischen Thunfischwürfeln und Avocado sind farblich ein absoluter Hingucker und nebenbei auch noch super lecker. Sommelière Angelika Grundler empfiehlt dazu einen gut gekühlten Junmai Sake und sorgt damit für ein echtes Genuss-Erlebnis. »zu Rezept & Weintipp

Made in Germany

Landweine galten lange Zeit als Auffangbecken für nicht verkehrsfähige Weine. Doch das Blatt hat sich gewendet: Heute findet man in dieser Qualitätsstufe zahlreiche Spitzenweine aus verschiedensten Rebsorten. Geprägt von Herkunft und Individualität haben sie sich einen festen Platz in den Reihen der besten Gewächse erobert. »Hier finden Sie die Ergebnisse unserer Verkostung

Spannende Kombi

Ist Grape Ale das neue Trendgetränk? Immer häufiger entschließen sich Brauereien und Weingüter zu einer Kooperation. Die Ergebnisse, die aus der Vermählung von Wein und Bier entstehen, lassen sich sehen. Grund genug, den Bier-Wein-Hybriden einmal auf den Grund zu gehen.