Kroatien: Strahlend blaues Wasser, idyllische Kiesstrände und unzählige Inseln, die es zu entdecken gilt (Foto: Nolte Lourens/stock.adobe.com)
Kroatien: Strahlend blaues Wasser, idyllische Kiesstrände und unzählige Inseln, die es zu entdecken gilt (Foto: Nolte Lourens/stock.adobe.com)

Kroatien: Inselgefühle

Schon mal was von Pošip und Plavac Mali gehört? Von Rukatac, Cetinka, dem Zungenbrecher Grk? Oder von Blatska Lumblija, Smokvenjak und Motar? Falls nicht, dann sollten Sie unbedingt mal in den Süden Dalmatiens fahren. Weinjournalist und Weltenbummler Thomas Brandl war für Meiningers Weinreisen 2022 in Kroatien unterwegs und hat dort einige ganz besonders schöne Orte entdeckt. 

Text: Thomas Brandl

Die Insel Korčula und die benachbarte Halbinsel Pelješac bieten kulinarische Highlights, tolle Weine aus autochthonen Rebsorten, exzellente Restaurants, traumhaft schöne Landschaften, glasklares Wasser zum Schwimmen und Schnorcheln. Und viiiiiiel Zeit zum Seele baumeln lassen.

Vielleicht muss man auf einer Insel geboren und aufgewachsen sein, um die innere Ruhe und Gelassenheit zu finden, die den 58-jährigen Luka Krajančić auszeichnet. „Könnt Ihr Euch vorstellen, wie viele Dinge es gibt, die ich nicht brauche …?“, zitiert er leise lächelnd Sokrates. Dass einem Griechen diese Ehre widerfährt, ist wohl kein Zufall. „Korkyra Melaina“ nannten die hellenischen Kolonisten die Insel; sie haben sie für lange Zeit geprägt. Selbst der Grk, der zweite wichtige Weißwein auf Korčula neben dem Pošip, trägt angeblich ihren Namen. Doch das ist eine Legende. Nicht die einzige übrigens auf der 50 Kilometer langen, dünn besiedelten Insel mit ihren Wäldern und Weinbergen. Luka Krajančić gilt aber ganz real als „Großmeister des Pošip“, der auf 80 Prozent der Rebflächen von Korčula angebaut wird. Schon der Einstiegswein macht Lust auf mehr mit seiner säurefrischen Mineralität. Über den kräftigeren „Intrada“, den mit langem Hefelager ausgestatteten „Surlie“ und den Barrique-Wein „Statut“ führt die Treppe immer weiter nach oben. Seitdem Tochter Ivana, 28 und studierte Oenologin, in den 5,5 Hektar-Betrieb eingestiegen ist, werden auch zwei sehr feine Dessertweine produziert: „Opera“ und „Moro“. Vom Verkostungsraum der Krajančićs auf einem überdachten Balkon über dem Hafen von Zavalatica schweift der Blick übers tiefblaue Meer hinüber zu den Inseln Lastovo und Mljet. Man kann verstehen, dass der überzeugte Insulaner Luka nirgendwo sonst leben möchte.

Ein Traum: die malerischen Buchten Korčulas mit glasklarem Wasser (Foto: Valoo/stock.adobe.com)
Ein Traum: die malerischen Buchten Korčulas mit glasklarem Wasser (Foto: Valoo/stock.adobe.com)

Igor Radovanović würde das sofort unterschreiben. Der 36-jährige Oenologe hat über 20 Weingüter in Kroatien beraten und baut jetzt seit 2017 mit Hilfe schwedischer Investoren die 2010 Pleite gegangene Genossenschaft von Smokvica mit der neuen Marke „Merga Victa“ zu einem modernen, zukunftsfähigen Betrieb um. 40 000 Flaschen im Jahr produziert er dort inzwischen. „Unsere kleine Insel“, sagt Igor, „ist ein einziges Laboratorium mit vielen jungen Leuten, die Neues ausprobieren: Sekt aus Pošip, Amphorenweine und immer mehr Rosé.“ Letzterer wird ausschließlich aus der Rebsorte Plavac Mali gemacht. Seit 600 Jahren baut die Familie Milina Wein und Oliven an. Junior Josip (23) und sein Bruder Ivo Milina Bire (29) setzen gemeinsam mit Papa Frano voll auf die edle Sorte Grk mit ihrem feinen Mandarinen- und Limettenduft, knackiger Mineralität und reichem Körper. „Wir brauchen keinen Chardonnay“, grinst Agrar-Ingenieur Josip, „der Grk wird hier nicht ohne Grund seit über 2 000 Jahren kultiviert.“ Für 19 Euro kann man sich im Weingut Bire nach Voranmeldung durch vier edle Kreszenzen kosten und bekommt die passende Begleitung auf dem Teller serviert.

Das rustikal-romantische Flair wie hier in Vela Luka ist typisch für die Region in Dalmatien (Foto: iStock.com/helovi)
Das rustikal-romantische Flair wie hier in Vela Luka ist typisch für die Region in Dalmatien (Foto: iStock.com/helovi)

Von Lumbarda ist es nur ein Katzensprung zur malerischen Inselhauptstadt Korčula-Stadt. Der Legende nach soll Marco Polo um 1254 in Korčula geboren worden sein. Eindeutige Belege dafür gibt es nicht – aber die Einwohner der Insel glauben fest daran, verweisen auf das angebliche Geburtshaus, und vermarkten den Namen Polo. Im LD Restaurant hat Maestro Marko Gajski mit innovativer Küche einen Michelin-Stern erkocht. Das Tasting-Menü mit sechs Gängen vom Red Snapper-Tartar mit Kaviar bis zur Schokoladencreme mit Orangen und Haselnuss kostet 128 Euro, die passende Weinbegleitung noch einmal 87. Weiterer Tipp: Die Cocktailbar Massimo auf einem ehemaligen Wehrturm mit weiter Sicht übers Meer bis hinüber nach Pelješac!

Wohin sonst auf dieser Insel, der „Perle Dalmatiens“? Zwischen Korčula-Stadt und Vela Luka, dem modernen Fährhafen nach Split ganz im Westen, liegen 50 Kilometer Natur mit Bergen, den kleinen Weinorten Čara, Smokvica und Blato, viele Landgasthöfe („Konoba“) und eine Reihe tief eingeschnittene Meeresbuchten. Bačva an der Südküste ist eine davon. Nach endloser Serpentinenfahrt wird man dort mit Badefreuden in Türkis und selbst gefangenem Fisch frisch vom Grill verwöhnt. Einen weiteren Stopp lohnen das Weingut Toreta in Smokvica, wo die Familie Baničević zur Käse- und Schinkenverkostung mit den eigenen Tropfen einlädt, der Öko-Betrieb von Sanja und Josipa Protić mit seinen handgemachten Süßigkeiten Lumblija, Smokvenica und unwiderstehlichem Bergamotteschalen-Sirup, das Delikatessengeschäft Jerolim in Vela Luka, Agrotourismus Bačić mit gutem Wein und Zimmern direkt über der Bucht Črnja Luka auf der Nordseite und und und …

In der Inselhauptstadt Korčula steht das angebliche Geburtshaus von Marco Polo (Foto: dreamer4787/stock.adobe.com)
In der Inselhauptstadt Korčula steht das angebliche Geburtshaus von Marco Polo (Foto: dreamer4787/stock.adobe.com)

Die Fährfahrt hinüber nach Pelješac zum Bade- und Touristenstädtchen Orebić mit seinen Kieselstränden und schmucken Kapitänshäusern dauert nur 20 Minuten. Vom aus dem 15. Jahrhundert stammenden Franziskanerkloster oberhalb von Orebić ergibt sich ein traumhafter Ausblick auf die dalmatinische Inselwelt, eine Symphonie in Blau, Grün und dem Weiß der unzähligen Schiffe dort drunten. Über Kućište und das Surferparadies Viganj führt die kurvige Straße durch Steineichenwälder und Olivenhaine ans westliche Ende der 66 Kilometer langen Halbinsel. Lovište ist ein verschlafen wirkender Urlaubsort mit vielen Appartments, einem kleinen Laden und dem Fischlokal Barsa als vielleicht größte Attraktion. Inhaber Gordan Matijašević fängt seine Doraden, Knurrhähne, Wolfsbarsche und St. Petersfische meist selbst – die Austern kommen frisch aus dem „Nasslager“ zu Füßen der Gäste an der Hafenmole. Direkt beim Erzeuger probieren kann man sie an vielen Ständen entlang der Bucht. Das Restaurant „Bota Sare“ bietet Bootsfahrten zu seinen eigenen Austern- und Muschelbänken an, im benachbarten Restaurant „Vila Koruna“ dreht sich ebenso alles um Fische sowie Schalen- und Krustentiere. Dalmatien ist einfach ein Paradies für Feinschmecker.

Urtümlich: der kleine Weinort Čara auf der Insel Pelješac (Foto: anilah/stock.adobe.com)
Urtümlich: der kleine Weinort Čara auf der Insel Pelješac (Foto: anilah/stock.adobe.com)

Wenn „Koruna“-Inhaber Svetan Pejić sich gerade nicht um die Kundschaft im Lokal kümmert, ist er als ihr Chef meist in der Saline im nur zwei Kilometer entfernten Ort Ston zu finden. Dazwischen liegt die mit gut fünf Kilometern Länge größte Festungsmauer Europas. Sie wurde über einen steilen Berg hinweg im 14. Jahrhundert von der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) errichtet und diente dem Schutz der Saline. Ende August können dort Touristen die Salzernte von Hand verfolgen. Neben den Austern und seiner wilden Berglandschaft steht der Name Pelješac vor allem für eines: Plavac Mali. Die rote Rebsorte erbringt auf knapp 900 Hektar die kräftigsten Rotweine Kroatiens, geprägt von vollreifer Beeren- und Pflaumenfrucht, mit dem notwendigen Tanningerüst dazu.

Aber auch in anderen Steillagen entstehen große Rote. In Ponikve, ein Stück weit südöstlich, hat die Familie Miloš in einem Seitental mehrere Hektar Terrassen neu angelegt und dort eigens geschredderten Kalkstein eingebracht. „Plavac Mali ergibt nur in den besten Lagen Top-Weine“, weiß Ivan Miloš, „und es müssen Bush Vines sein, weil die mit der Hitze am besten zurechtkommen.“ So was hat natürlich seinen Preis. Die Brüder Ivan und Josip Miloš bringen ihre besten Cuvées erst nach sechs, sieben Jahren auf den Markt. Der 2011er „Stagnum“ steht derzeit mit 62 Euro in der Liste. Der 2003er kostet über 200 Euro. Für Vater Frano ist er aber eigentlich zu günstig: „Solch einen Wein habe ich nur einmal in meinem ganzen Leben gemacht!

Kroatiens legendärer Steilhang in reiner Südlage am Meer: der Dingač bei Potomje (Foto: canvaspix/bayexpress/stock.adobe.com)
Kroatiens legendärer Steilhang in reiner Südlage am Meer: der Dingač bei Potomje (Foto: canvaspix/bayexpress/stock.adobe.com)

Weil die Winzer von Potomje irgendwann den mühsamen Weg über die Berge mit ihren Eseln leid waren, um an ihre Rebstöcke zu kommen, bohrten sie in den siebziger Jahren einen 400 Meter langen Tunnel durchs Kalksteinmassiv. Der Ausblick an seinem Ende über die Weinberge und das tiefblaue Meer weit unten ist spektakulär. Ein nicht alltägliches Erlebnis ist ein Besuch bei Altmeister Vedran Kiridžija. Internet hält er für überflüssig, telefonische Anmeldung ist schwierig – aber wenn er einen Gast mal eingelassen hat, wird dieser die Probentour und die außergewöhnlich hochwertigen Weine des 69-Jährigen so schnell nicht mehr vergessen. Viele halten seinen Dingač für den besten Roten Kroatiens. Auch Igor Scaramuča, dem 22 von 30 Hektar im Dingač und eine kleine Ferienanlage gehören, hält Plavac Mali für das Flaggschiff unter Kroatiens Rotweinen. Wenige Kilometer von Potomje entfernt, im Fischerdorf Trstenik, hat die Weinlegende Mike Grgić im Jahr 1996 ein Weingut gegründet. Der gebürtige Kroate, Jahrgang 1923, war in den fünfziger Jahren nach Kalifornien ausgewandert und erlangte als Schöpfer des Chardonnay von Chateau Montelena Weltruhm, als sein Wein beim berühmten „Paris Blind Tasting“ 1975 die französische Elite schlug. Und wenn man so will, ist auch Denis Bogoević Marušić ein Heimkehrer. 2011 zog der damals 37-Jährige aus der Großstadt Split nach Prizdrina. Dort bewirtschaftet er seitdem mit seiner Ehefrau Maja und Papa Meile (88) drei Hektar Steillage im Postup. Slowfood-Fan Denis nähert sich dabei immer mehr dem biodynamischen Weinbau und der Herstellung von Naturwein. Zurückzugehen zu den Wurzeln war für ihn „die beste Entscheidung meines Lebens.“ Das Inselleben, so scheint’s, macht wohl wirklich glücklich.

INFOS 

WOHNEN

KORČULA
Aminess Liburna Hotel
Viersterne-Haus mit Blick auf Korčula-Stadt
www.aminess.com/de/aminess-liburna-hotel

Hotel Prišćapac Resort & Apartments
Appartment-Hotel an der Südküste direkt am Kieselstrand
www.priscapac.com/de

Agritourismus Bačić
Familienweingut mit Zimmern an der Nordküste
www.vinarijabacic.com


PELJEŠAC
Hotel Indijan
Viersterne-Boutiquehotel direkt am Strand in Orebić
www.hotelindijan.hr/de/

Guesthouse Mimbelli
Gästehaus mit angeschlossenem Restaurant mitten in Orebić
www.mimbelli-orebic.com/home.html

 

ESSEN

KORČULA
LDRestaurant
Michelin-Stern-Restaurant mit „Relais & Chateaux“-Hotel
www.ldrestaurant.com/

Konoba Bačva
Einfaches Fischlokal in der Bucht von Bačva
Tel. +385 97 101 877 (unbedingt vorher anrufen!)

Konoba Pizzeria Zlinje
Urige „Trattoria“ im Herzen von Blato
www.zlinje.com

PELJEŠAC
Vila Koruna
Meeresfrüchte-Restaurant direkt im Hafen von Mali Ston
www.facebook.com/VillaKorunaMaliSton/

Bota Šare
Eigene Austernzucht und Sushi-Bar in Mali Ston
www.bota-sare.hr/mali-ston

Konoba Vitaceae
Feine Fischküche in Trstenik
www.facebook.com/konoba.vitaceae/

Restaurant Barsa
Echte Institution in Sachen Fisch und Meeresfrüchte in Lovište
 

WEINGÜTER

KORČULA
Krajančić
www.vinakrajancic.hr/en/home

Merga Victa
www.mergavicta.com


PELJEŠAC
Miloš
www.milos.hr

Scaramuča
www.dingac-skaramuca.hr/en/

Kiridžija
Tel. +385 98 976 7811

Križ
vinarijakriz.com

Ausgabe 02/2023

Erhältlich ab 11. Januar: Weingut Schloss Schönberg // Weine vom Bodensee // Meiningers Deutscher Pinot-Preis

Themen der Ausgabe

Lust auf was Leichtes?

Da haben wir genau das Richtige für Sie. Mit dieser leicht pikant gewürzten und aromatischen Misobrühe mit Dorschfilet wickeln Sie Ihre Gäste einfach um den kleinen Finger. Der passende Weintipp darf auch nicht fehlen. Der kommt dieses Mal von Lea Rupp, die das Restaurant Mühle im gleichnamigen Hotel in Schluchsee betreibt. »Rezept und Wein verraten wir hier

Spannende See-Funde

Rund um den Bodensee wird Wein angebaut, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Wir haben eine Rundreise gemacht und uns mit Winzerpersönlichkeiten getroffen, die mit charaktervollen und individuellen Weinen glänzen. Machen Sie sich gefasst auf eine traditionsreiche Kulturlandschaft, die durch visionäre Zukunftsideen neuen Glanz bekommt.

Schloss Schönberg

„Unterwegs auf unbekanntem Terroir“. So lautet der Claim vom jüngsten Weingut an der Hessischen Bergstraße. Rabea Trautmann und Julien Meissner sind angetreten, um mit intelligentem Handwerk, hohen Ansprüchen und einer konsequenten Qualitätsoffensive die Weine von Schloss Schönberg an die Spitze zu führen. Und das gelingt perfekt.