Minikostproben von Castell, Neipperg und Breuer (Foto: Sascha Speicher)
Minikostproben von Castell, Neipperg und Breuer (Foto: Sascha Speicher)

Zwölfmal 0,1 Liter: ein Update von "Die Güter"

Knapp 20 Jahre ist es inzwischen her, dass sich 1992 neun familiengeführte Weingüter aus neun deutschen Anbaugebieten zusammenschlossen und gemeinsam mit der Schlumberger Vertriebsgesellschaft Meckenheim die Gruppierung "Die Güter" gründeten. Das Ziel, damals wie heute: die Vielfalt an Wein und Terroir aus neun deutschen Anbaugebieten zu repräsentieren, beispielsweise mit Events, gemeinsamen Kundenproben oder Messeauftritten. 

Da Events und Verkostungen derzeit weiterhin ein schwieriges Unterfangen darstellen, haben drei Mitgliedsbetriebe ein Päckchen geschnürt, das einen interessanten Überblick der aktuellen Kollektionen bietet, vom Gutswein bis zur Ersten Lage. 

So gibt es beim Silvaner-Pionier, dem Fürstlich Castell´schen Domänenamt, zwei sehr gekonnte Erste-Lage-Weine aus 2019: Einen gelbfruchtigen, erdig-würzigen Silvaner aus dem Casteller Kugelspiel sowie einen Weißburgunder aus dem Casteller Kirchberg, bei dem man sehr gekonnten, dezenten Holzeinsatz, eine reife Aromatik mit Ananas und Erdnuss sowie Schmelz bei gleichzeitig festem Kern erkennen konnte. Erwähnenswert auch die 2020er Scheurebe, die mit erfreulich unkitschigem und kaum floralen Duft eher an Strauchbasilikum, Zitronenmelisse und Cassis erinnerte und dank leichten 11,5 % vol Lust auf Sommer und Terrasse machte. 

Viermal Riesling hieß es beim Weingut Georg Breuer, und Theresa Breuer ließ keinen Zweifel daran, dass ihr Betrieb mit einer ganz eigenen Stilistik zur Spitze im Rheingau zählt. Schon der 2020er "Sauvage" zeigte mit gedecktem, vornehmem Duftbild (Heu, Granny Smith, Grüntee, leicht hefig-rauchig) und leichten 11,5 % vol den Idealtypus eines Rheingau-Gutsrieslings. Der 2019er Estate-Ortswein aus Lorsch packte qualitativ eine ganze Schippe drauf, mit kühlen, salzig-zitrischen Nuancen, Finesse und Pikanz. Der "Terra Montosa" (ebenfalls 2019), eine Top-Cuvée aus den vier Großen Lagen des Hauses (Schlossberg, Rottland, Roseneck und Nonnenberg) war mit dunkler, feiner Würze, Earl-Grey- und Yuzu-Duft und enorm geschmeidigem, dennoch säurefrischen Mundgefühl definitiv ein Highlight. 

Seine Lemberger-Kompetenz stellte dann das Weingut Graf Neipperg unter Beweis, mit einem sehr präsenten, rauchig-kühlen 2017er mit Gewürz-, Wacholder- und Holundernoten, feinen rappigen Anklängen und edlem, feinfühligem Holzeinsatz. 

Ein kleiner Einblick, der auf jeden Fall auch schon Vorfreude auf die für den 4. und 5. Juli 2021 terminierte VDP-Weinbörse erzeugt und Lust macht, den Weingütern auch wieder nicht-virtuell einen Besuch abzustatten. cn